Welche Ente kann fliegen und welche nicht?

10. Juni 2017, 13:00
34 Postings

Japanischer Forscher maß die Gliedmaßenproportionen heutiger und ausgestorbener Entenvögel

Kyoto – Fliegen ist eine extrem energieintensive Fortbewegungsart. Sie hat den Vögeln immerhin so viele Vorteile beschert, dass sie ihre eigene ökologische Nische erobern konnten und als einzige von allen Dinosauriergruppen das große Sterben am Ende der Kreidezeit überlebt haben. Aber wann immer die Umstände es zulassen – etwa bei fehlenden Fressfeinden –, hören Vögel mit dem Fliegen wieder auf und steigen auf das sparsamere Laufen um.

Mit den Laufvögeln und Pinguinen haben zwei ganze Vogelordnungen das Fliegen aufgegeben. Doch auch andere weisen einzelne flugunfähige Spezies auf: Bei Papageien etwa ist es der Kakapo, bei Tauben der ausgestorbene Dodo, bei Kormoranen der Galapagoskormoran.

Enten mit Bodenhaftung

Eine Gruppe, die in der Vergangenheit besonders "anfällig" dafür war, ihre Flugfähigkeit in den Wind zu schießen, sind die Enten und Gänse. Sie brachten im Verlauf der Zeit sogar einige Riesen hervor, die die heutigen Strauße noch übertreffen: zum Beispiel Australiens Bullockornis, der über zwei Meter hoch und 300 Kilogramm schwer wurde. Auf Inseln gab es auch kleinere flugunfähige Enten wie Hawaiis Moa-Nalos, die erst in historischer Zeit von den polynesischen Erstbesiedlern der Inselgruppe ausgerottet wurden.

Weil Enten stets so eine starke Neigung zur Flugunfähigkeit gehabt haben, ist es bei ausgestorbenen Spezies nicht immer leicht zu sagen, wie sie gelebt haben. Junya Watanabe von der Universität Kyoto hat sich an die Mammutaufgabe gemacht, hunderte Entenanatomien im Detail durchzugehen und einen Richtwert für die Flugfähigkeit zu erstellen.

Spaß am Knochenvermessen

Insgesamt analysierte Watanabe 787 Vögel von insgesamt 103 heutigen Spezies und verglich ihre Flügel- und Beinknochen mit denen von 16 ausgestorbenen Spezies. Fünf davon sind nach Watanabes Modell als flugunfähig einzustufen – darunter eine landbewohnende Ente aus Neuseeland und eine aus Argentinien, die sich darauf spezialisiert hatte, sich mit ihren starken Hinterbeinen wie ein Torpedo durchs Wasser zu katapultieren.

Watabane sagte, er sei fasziniert von der großen Vielfalt, die die Entenvögel in Sachen Lebensraum und Lebensweise hervorgebracht haben. Und das Knochenvermessen in Museen haben ihm großen Spaß gemacht. (red, 10. 6. 2017)

  • Knochen der ausgestorbenen Entenart Ptaiochen pau, die auf Hawaii lebte. Sie gehörte zu den flugunfähigen Moa-Nalos.
    foto: j. watanabe

    Knochen der ausgestorbenen Entenart Ptaiochen pau, die auf Hawaii lebte. Sie gehörte zu den flugunfähigen Moa-Nalos.

    Share if you care.