Doskozil baut Milizkomponente des Heeres aus

7. Juni 2017, 12:49
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An der Miliz ist besonders gespart worden – angesichts des höheren Personalbedarfs im Bundesheer wird nun umgeplant

Wien – Wer sich über die allgemeine Wehrpflicht hinaus beim Bundesheer engagiert, soll davon auch etwas haben. Das ist der Grundgedanke, mit dem Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil die Milizkomponente des Bundesheeres ausbauen will.

Für die jungen Soldaten heißt das: mehr Geld und interessantere Ausbildungsangebote.

Für die Wirtschaft heißt es hingegen: Sie muss länger auf mehr Mitarbeiter verzichten, weil diese in ihrem soldatischen Nebenberuf mehr und entsprechend am Arbeitsplatz weniger Zeit verbringen.

Nutzen für Unternehmer

Deshalb richtet sich ein Teil des "Maßnahmenpakets zur Stärkung der Miliz" explizit an Arbeitgeber. An Unternehmen, die das Bundesheer unterstützen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine nebenberufliche Soldatenlaufbahn ermöglichen, soll demnächst ein "Milizgütesiegel" verliehen werden. 80 Unternehmen haben sich darum bereits beworben.

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Ganz ohne Nutzen soll das für die Unternehmen nicht sein: Denn die neuen Milizlaufbahnen sehen vor, dass Soldaten, die sich für eine Milizlaufbahn entscheiden, militärische Zusatzausbildungen bekommen, die dann auch im Zivilberuf nutzbar sind. Brigadier Erwin Hameseder, im Bundesheer Milizbeauftragter, im Zivilberuf Raiffeisen-Manager, erläuterte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch: "Man kann Ausbildungskosten ersparen, wenn Qualifikationen gegenseitig anerkannt werden."

Das reicht vom Heeresführerschein über die Berechtigung als Gefahrgutlenker, Rettungssanitäterausbildung, Tauchkurse, die Ausbildung zum ABC-Spürer oder Heeresbergführer bis hin zu Führungsausbildungen für Offiziere.

Das Milizkonzept sieht vor, dass die Ausbildungen kompakter – also sehr rasch im Anschluss an den Grundwehrdienst – geleistet werden. Dabei sieht Hameseder ein Hindernis: "Wir brauchen eine Anpassung des Arbeitsplatzsicherungsgesetzes." Derzeit können Milizsoldaten vom zivilen Arbeitgeber nur für bis zu sechs Monate für ihren zusätzlichen Militärdienst mit Rückkehranspruch auf den Arbeitsplatz karenziert werden. Für eine zügige Ausbildung wäre aber ein ganzes Jahr notwendig.

Das aber sei eine politische Entscheidung, über die wohl erst nach der Wahl verhandelt werden könnte, schränkt Hameseder umgehend ein.

Der Minister fokussiert ohnehin eher auf das, was das Bundesheer aus eigener Kraft zum Ausbau der Miliz leisten kann: Aufstellung von neuen Kompanien (die jeweils an präsente Kräfte angedockt werden), Steigerung der Milzübungstage von derzeit rund 100.000 im Jahr auf 137.000 und Verbesserung der Ausrüstung. Allein für den letzten Punkt sind 77 Millionen Euro budgetiert. Milizsoldaten, die im Einsatz dieselben Aufgaben wie Berufssoldaten übernehmen müssen, sollen auch gleich ausgerüstet und bewaffnet werden.

Zu den neuen Ausrüstungsgegenständen gehören Schutzwesten, Kampfhelme, Nachtsichtgeräte (ab 2018) sowie Funkgeräte und Battlefield-Managementsysteme (ab 2020).

Regionale Bindung

Bis zum kommenden Jahr sollen zwölf neue Kompanien mit Milizsoldaten befüllt werden, im Endausbau im Jahr 2026 sollen es 40 sein. In der Regel sollen die Soldaten vor allem für Aufgaben in ihrer Heimatregion ausgebildet und eingesetzt werden – Kernaufgaben sind der Schutz kritischer Infrastruktur (etwa Strom- und Wasserversorgung), der sicherheitspolizeiliche Assistenzeinsatz und die Katastrophenhilfe.

Auch die Zahl der Milizsoldaten – derzeit 25.400, darunter nur 100 Frauen – soll bis 2016 steigen, auf insgesamt 32.000 Personen. Schon bisher greift das Bundesheer bei Auslandseinsätzen zu rund 50 Prozent auf Soldaten des Milizstands zu, bei Assistenzen im Inland ist jeder vierte Soldat ein auf Zeit aktivierter Milizsoldat. (cs, 7. 6. 2017)

  • Moderne Kampfhelme für Milizsoldaten: Minister Doskozil bei einer Milizkompanie in Tulln.
    foto: bundesheer / pusch

    Moderne Kampfhelme für Milizsoldaten: Minister Doskozil bei einer Milizkompanie in Tulln.

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