Freund zum Selbstmord angestiftet: Frau wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

7. Juni 2017, 11:51
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"Du musst es machen", schrieb die heute 20-jährige US-Amerikanerin Michelle Carter vor drei Jahren Conrad Roy III vor seinem Selbstmord

Taunton/Wien – "Du musst es machen, Conrad": Diese Nachricht soll die heute 20-jährige Michelle Carter aus dem US-Bundesstaat Massachusetts ihrem Freund Conrad Roy III am Morgen des 12. Juli 2014 in einer Serie von Textnachrichten geschrieben haben. In anderen Nachrichten der damals 17-Jährigen hieß es: "Du bist bereit und vorbereitet. Alles, was du tun musst, ist, den Generator einzuschalten, und du wirst frei und glücklich sein." Der 18-jährige Conrad Roy III wurde am 13. Juli 2014 tot in seinem Auto auf einem Parkplatz einer Handelskette in Fairhavens, Massachusetts aufgefunden. Er starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Fast drei Jahre später steht Carter in Taunton, Massachusetts vor Gericht. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung, laut Staatsanwaltschaft soll sie ihren Freund in den Selbstmord getrieben haben. Sie verzichtete auf ihr Recht auf einen Geschworenenprozess und bat das Gericht um ein Urteil.

foto: ap/pat greenhouse
Michelle Carter am Dienstag vor Gericht in Taunton im US-Bundesstaat Massachusetts.

"Es ist okay, dass du Angst hast"

Laut Anklage soll Carter im Vorfeld des Selbstmords dutzende Nachrichten an ihren Freund verfasst haben. "Du wirst endlich glücklich im Himmel sein. Keine Schmerzen mehr. Es ist okay, dass du Angst hast, das ist normal. Ich meine, du wirst sterben."

foto: ap/pat greenhouse
Einige Textnachrichten wurden am Dienstag auch auf einer Wand im Gerichtssaal gezeigt.

Zweifel am Suizid

Als Conrad Roy III Zweifel am Suizid gehegt haben soll, soll Carter ihn in Nachrichten weiter ermutigt haben. "Kein Aufschieben mehr. Nicht länger warten."

Carter soll nach dem Tod ihres Freundes eine Charity-Veranstaltung zu seinen Ehren veranstaltet haben. Staatsanwältin Maryclare Flynn beschuldigte Carter, dass sie Aufmerksamkeit als "trauernde Freundin" generieren wollte. "Sie hat Conrad als Bauernopfer verwendet."

Die Verteidigung sieht hingegen die Textnachrichten vom Grundrecht der freien Meinungsäußerung gedeckt. Verteidiger Joseph Cataldo wies zudem auf eine Depression von Conrad Roy III hin, die von Schwierigkeiten innerhalb seiner Familie angetrieben wurde. Die Eltern ließen sich scheiden, von Familienmitgliedern soll Roy III physisch und verbal missbraucht worden sein. "Ich fühle mit der Familie", sagte Cataldo am Dienstag vor Gericht. "Aber das war ein junger Mann, der das (seinen Selbstmord, Anm.) monatelang geplant hat."

foto: ap / pat greenhouse
Verteidiger Joseph Cataldo.

Bis zu 20 Jahre Haft drohen

Bei einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung drohen Carter bis zu 20 Jahre Haft. (red, 7.6.2017)

Notrufnummern

Rat und Hilfe im Krisenfall bietet die Psychiatrische Soforthilfe. Unter dieser Nummer erhalten Sie qualifizierte und rasche Hilfestellung rund um die Uhr: 01/313 30 (täglich 0-24 Uhr)

Kriseninterventionszentrum: 01/406 95 95 (Mo-Fr 10-17 Uhr)

Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/977 155

Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79 oder 01/310 87 80

Österreichweite Telefonseelsorge: 142 (rund um die Uhr, kostenlos)

  • Verteidiger Joseph Cataldo mit Michelle Carter vor Gericht in Taunton, Massachusetts.
    foto: ap/faith ninivaggi

    Verteidiger Joseph Cataldo mit Michelle Carter vor Gericht in Taunton, Massachusetts.

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