Was bei annulierten Flügen zu tun ist

    7. Juni 2017, 11:56
    3 Postings

    Wenn Flüge kurzfristig annuliert werden, muss eine alternative Beförderungen angeboten werden. Unter bestimmten Voraussetzungen haben Passagiere auch Anspruch auf eine Ausgleichszahlung

    Der Urlaub ist seit Wochen geplant, die sind Flüge gebucht. Doch was geschieht, wenn der Flug plötzlich annulliert wird? "Wenn ein Flug komplett gestrichen wird, dann ist die Airline am Zug und muss dem Kunden ein entsprechendes Angebot unterbreiten – entweder eine alternative Beförderung oder die Rückerstattung des Ticketpreises", erklärt die ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. In der Praxis werden Passagiere im Fall einer Annullierung oft auf andere Flüge, die ohnehin im Flugplan vorgesehen waren, umgebucht. Wurde ein bereits zurückgelegter Streckenabschnitt (Zubringerflug) durch die Annullierung zwecklos, müssen die Passagiere kostenlos zurück zum ersten Abflugort gebracht werden.

    Ausgleichszahlungen

    Zusätzlich zur Erstattung des Ticketpreises haben Passagiere oft Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Die Höhe richtet sich nach der einfachen Flugstrecke: Bei Flügen bis zu 1.500 km hat man Anspruch auf 250 Euro Ausgleichszahlung. Bei längeren Flügen innerhalb der EU sowie bei Flügen außerhalb der EU zwischen 1.500 km und 3.500 km stehen Reisenden 400 Euro zu, bei Flügen über 3.500 km außerhalb der EU sind es 600 Euro. Die Höhe der Ausgleichszahlung vermindert sich um die Hälfte, wenn sich die Ankunft am Zielort – je nach Flugstrecke – um nicht mehr als zwei, drei oder vier Stunden verzögert.

    Gutschriften müssen nicht akzeptiert werden

    "Nur mit dem schriftlichen Einverständnis des Passagiers darf die Fluggesellschaft die Erstattung des Ticketpreises und die Ausgleichszahlung in Form von Reisegutscheinen bzw. Gutschriften für künftige Flüge erbringen", stellt die ÖAMTC-Juristin klar. "Gutscheine müssen nicht akzeptiert werden. Man kann auf die Auszahlung von Ticketpreis und Ausgleichszahlung bestehen."

    "Werden die Reisenden früh genug über die Streichung des Fluges informiert und ändert sich die Abflugs- und Ankunftszeit durch die alternative Beförderung nur geringfügig, besteht kein Anspruch auf Ausgleichszahlung", sagt Pronebner. Dies ist der Fall, wenn:

    • man mindestens zwei Wochen vorher informiert wird (dann ist das Ausmaß der Flugzeitänderung unerheblich).
    • man dreizehn bis sieben Tage vorher informiert wird und maximal zwei Stunden vor der planmäßigen Zeit abfliegt sowie maximal vier Stunden verspätet ankommt.
    • man weniger als sieben Tage vorher informiert wird und maximal eine Stunde vor der planmäßigen Zeit abfliegt sowie maximal zwei Stunden verspätet ankommt.

    Billig kann teuer kommen

    Einige Urlauber werden für den Sommer noch kurzentschlossen Flüge buchen. "Es ist sinnvoll, sich vor der Buchung genau zu informieren. Nicht allein der Preis sollte entscheidend sein. Auch andere Kriterien wie versteckte Zusatzgebühren oder die wirtschaftliche Stabilität der Airline sollten bei der Wahl des Fluges berücksichtigt werden", rät Pronebner. "Gerät die Fluglinie beispielsweise in eine Insolvenz, gehen Passagiere, die direkt bei der Airline gebucht haben, leer aus. Denn es gibt leider nach wie vor keine Insolvenzabsicherung. Besser gestellt sind hier Pauschalreisende, die sich im Falle einer Insolvenz der Fluglinie an den Reiseveranstalter wenden können."

    Kurzfristige Streichungen

    Konkreter Anlassfall: Die Zahl verspäteter oder gänzlich gestrichener Flüge bei Air Berlin hat in den letzten Wochen drastisch zugenommen. Ursache sind die wirtschaftlichen Turbulenzen bei der Fluglinie. Manche Strecken werden deshalb oft kurzfristig gestrichen, weil sie unrentabel erscheinen. "Die Schwierigkeiten bei Air Berlin dürfen nicht auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen werden." meint dazu Sandra Rosenberg, COO des globalen Dienstleisters für Fluggastrechte refund.me.

    Beweise sammeln

    "Betroffene Fluggäste sollten alle verfügbaren Informationen sorgfältig dokumentieren, damit sie Streichungen und Verschiebungen beweisen können. Wenn eine Fluglinie ihren Passagieren massiv Zeit stiehlt, dann muss sie dafür zahlen." sagt Sandra Rosenberg. Die Fluglinie muss sich auf jeden Fall um eine Ersatzbeförderung kümmern. Sollte sie dies verweigern, lohnt es sich auf jeden Fall, die entstandenen Mehrkosten für die Ersatzbeförderung bei der Airline zur Erstattung einzureichen. (saum, 7.6.2016)

    • Ausgleichszahlungen bei Annulierung bestehen nur, wenn zu kurzfristig darüber informiert wurde und die entstandene Verspätung erheblich ist.
      foto: apa / frank rumpenhorst

      Ausgleichszahlungen bei Annulierung bestehen nur, wenn zu kurzfristig darüber informiert wurde und die entstandene Verspätung erheblich ist.

    Share if you care.