Darmkrebs-Vorsorge: Deutschland als Vorbild

    7. Juni 2017, 08:58
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    Positive Bilanz: Die Darmspiegelung hat in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2011 vermutlich mehr als 25.000 Darmkrebs-Todesfälle verhindert

    Seit Jahren wird in Österreich ein strukturiertes Programm mit Darmspiegelungen zur Früherkennung bzw. sogar zur Verhinderung von Darmkrebs (via Entfernung von Karzinom-Vorstufen) gefordert. Deutschland hat ein solches System in Ansätzen. Eine aktuelle Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg bestätigt nun den positiven Effekt eines derartigen Screening-Programmes.

    "Die Darmspiegelung hat in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2011 vermutlich mehr als 25.000 Darmkrebs-Todesfälle verhindert", schrieben die Wissenschafter. Sie berechneten weiters, dass die Darmkrebs-Sterblichkeit bei den 55- bis 79-Jährigen noch um mehr als ein Drittel sinken könnte, wenn alle Personen dieses Alters die Untersuchung in Deutschland in Anspruch nehmen würden.

    Darmkrebs sei in westlichen Industriestaaten eine der häufigsten Krebsarten. Eine Darmspiegelung (Koloskopie) kann die Erkrankung verhindern: Noch gutartige Veränderungen, aus denen später möglicherweise bösartige Tumoren hervorgehen, können bei dieser Untersuchung direkt entfernt werden. Gesetzlich Versicherte haben in Deutschland ab dem Alter von 55 Jahren im Rahmen der Krebsfrüherkennung einen Anspruch auf eine Vorsorge-Darmspiegelung. Jüngere Studien zeigen, dass seit dem Beginn des Screenings im Jahr 2002 die Zahl der Neuerkrankungen bei den über 55-Jährigen rückläufig ist. Wissenschafter um Hermann Brenner im DKFZ ermittelten nun den Einfluss der Koloskopie auf die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs.

    55 Prozent bei der Vorsorge

    Die Epidemiologen berechneten dazu Daten für den Zeitraum von 2008 bis 2011 sowohl für Deutschland als auch für die USA, wo es seit 1998 ebenfalls ein Angebot zur Vorsorge-Koloskopie gibt. In Deutschland hatten sich 55 Prozent der 55- bis 79-Jährigen in den vorangegangenen zehn Jahren einer Vorsorge oder diagnostischen Abklärung einer Darmspiegelung unterzogen. In den USA waren es bis zu 60 Prozent. "Ohne die Darmspiegelung wären in der betreffenden Altersgruppe etwa 30 Prozent mehr Menschen an Darmkrebs gestorben", erläuterte Brenner. "Wenn zudem tatsächlich alle Personen dieses Alters die Koloskopie in Anspruch genommen hätten, wäre die Zahl der Darmkrebs-Sterbefälle um etwa 37 Prozent niedriger gewesen." Für die USA errechneten die Wissenschafter ähnliche Werte (38,2 Prozent für 2008/2009 und 33,6 Prozent für 2010/2011).

    Das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, steigt bis ins hohe Alter kontinuierlich an. Deshalb ist in der Gruppe der 70- bis 79-Jährigen sowohl die Zahl der potenziell vermeidbaren Todesfälle als auch die der tatsächlich durch die Koloskopie vermiedenen Fälle am höchsten. "Bei konsequenter Nutzung der Vorsorgeangebote könnten in den nächsten Jahren Zehntausende von Todesfällen an Darmkrebs (in Deutschland; Anm.) vermieden werden", betonte Brenner. Dies könne am besten durch ein organisiertes Vorsorgeprogramm mit gezielter Einladung der Anspruchsberechtigten erreicht werden.

    Österreich: 2.500 Todesfälle

    In Österreich gibt es pro Jahr rund 5.000 Neuerkrankungen an Dickdarmkrebs und ca. 2.500 Sterbefälle", sagte vor kurzem Thomas Bachleitner-Hofmann von der Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (MedUni/AKH) beim Gesundheitsforum Seitenstetten in Niederösterreich. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate werde einfach durch das Stadium bestimmt, in dem ein solches Karzinom entdeckt werde.

    In Österreich geht das Bundesland Vorarlberg mit positivem Beispiel voran: Dort wurde ein landesweites Dickdarm-Screeningprogramm auf die Beine gestellt. Das ist – bis auf das Burgenland – sonst in Österreich nicht vorhanden. "Von insgesamt 120.000 Personen in der Zielgruppe wurden rund 30.500 untersucht", sagte Bachleitner-Hofmann. 0,5 Prozent der Untersuchten hatten wirklich ein Karzinom. 70 Prozent dieser Erkrankungen wurden im zumeist heilbaren Stadium II diagnostiziert. Laut den Berechnungen aus Vorarlberg ließen sich bei zehn Jahren Laufzeit 1.600 Darmkrebsdiagnosen im unheilbaren Stadium IV durch ein solches flächendeckendes Screening-Programm mit Einladungen an alle über 50-Jährigen verhindern. Experten halten die Koloskopie alle etwa zehn Jahre für jeden über 50-Jährigen für die wahrscheinlich beste existierende Krebs-Screening-Untersuchung. (APA, 7.6.2017)

    • Bei konsequenter Nutzung der Vorsorgeangebote könnten in den nächsten Jahren Zehntausende Todesfälle durch Darmkrebs vermieden werden.
      foto: wikipedia/邱鈺鋒/(CC-Lizenz)

      Bei konsequenter Nutzung der Vorsorgeangebote könnten in den nächsten Jahren Zehntausende Todesfälle durch Darmkrebs vermieden werden.

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