Das Paradox der Toleranz

Kolumne6. Juni 2017, 16:49
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In Großbritannien und anderen europäischen Ländern ist eine radikalislamistische Subkultur entstanden

Mit der falsch verstandenen Toleranz müsse es nun ein Ende haben, heißt es nach dem neuerlichen Anschlag in England.

Aber was heißt das praktisch und in der Realität?

In Großbritannien und anderen europäischen Ländern ist ganz offensichtlich eine radikal-islamistische Subkultur entstanden, die weit in die muslimische Community hineinreicht. Der eine Attentäter vom vergangenen Wochenende, ein britischer Staatsbürger pakistanischer Herkunft, galt als ein "Jihadist von nebenan", als solcher war er auch der Polizei bekannt. Aber offenbar gibt es so viele von der Sorte, dass eine lückenlose Überwachung durch die Polizei nicht möglich ist.

Großbritannien und Frankreich haben hier ein Spezialproblem, weil sie viele Menschen aus ihren ehemaligen Kolonien aufgenommen haben. Die bilden nun großteils muslimische Parallelgesellschaften und glauben aus ihrem wenig zukunftsträchtigen Status das Recht zur "Rache" an den ehemaligen Kolonialmächten ableiten zu können.

Aber es gibt zweifellos in ganz Europa eine "Szene", die für islamistische Aktivitäten bis hin zum Terror anfällig ist. Anlässlich des Attentats in Manchester habe ich eine Kolumne mit dem Titel "Der Feind in unserer Mitte" geschrieben und darauf hingewiesen, dass es "genügend Lehrer, Imame und sonstige geistige Führer in den europäischen muslimischen Communitys gibt, die diese Gewalt rechtfertigen und propagieren (...) Die offiziellen islamischen Verbände beschwichtigen da gerne, kehren die Wichtigkeit von 'Dialogen' hervor und verurteilen sogar die diversen Anschläge, meist mit der Bemerkung, das habe mit dem wahren Islam nichts zu tun." Diese Ausreden solle man nicht mehr akzeptieren.

Das löste bei ein paar unbelehrbaren Realitätsverweigerern hierzulande Proteste wegen "Rassismus" etc. aus. Die wirklich Liberalen und Menschenfreundlichen hingegen halten sich an Sir Karl Poppers "Paradox der Toleranz": "Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen."

Die Briten haben im vergangenen Jahr zwei der bekanntesten muslimischen Hassprediger wegen Aufrufs zum Jihad zu fünfeinhalb Jahren verurteilt. Dem sind aber jahre- und jahrzehntelange Hass- und Hetztätigkeit vorangegangen, in deren Verlauf laut einem Bericht mindestens hundert junge Männer dementsprechend beeinflusst worden seien. Wer in der muslimischen Community ist gegen diese Männer aufgestanden ?

Wenn das "Ende der falsch verstandenen Toleranz" bedeutet, dass man die muslimischen Communitys in Europa konsequent damit konfrontiert, was sich da in ihrer Mitte herangebildet hat und was sie nicht länger verdrängen dürfen, dann wäre zumindest ein Anfang gemacht. (Hans Rauscher, 6.6.2017)

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