Benz C-Klasse Cabrio: Luft und Liebe

7. Juni 2017, 12:08
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Cabrio mit Diesel und Klima. Darf nicht nur, das muss im C-Klasse-Cabrio von Mercedes-Benz sogar sein

Wissen Sie noch, dass es eine Zeit gab, in der praktisch keine Cabrios hergestellt wurden, obwohl sie längst erfunden waren? Es waren jene Jahre, als es in Österreich mehr als fünfmal so viele Verkehrsopfer gab als heute. Cabrios wurden von vielen Seiten als hochriskante Gefährte (Überschlagsgefahr) und obendrein schlicht als unkomfortabel angesehen. Doch dann haben die enormen Fortschritte in der Fahrzeugsicherheit dem Cabrio den Nimbus der Gefahr genommen. Doch ein bisschen Verwegenheit sollte schon noch sein, immerhin diskutierte man darüber, ob es statthaft wäre, in einem Cabrio eine Klimaanlage zu betreiben, später kam dann noch die Frage nach dem Dieselmotor auf. Darf ein Auto, das so auf frische Luft ausgerichtet ist, einen nagelnden Selbstzünder besitzen?

foto: guido gluschitsch

Mittlerweile hat das in den 1990er-Jahren neu erfundene Cabrio schon wieder ein Vierteljahrhundert Entwicklungsgeschichte hinter sich und auch schon einen Irrweg. Eine Zeitlang schworen alle, Käufer wie Hersteller, auf Cabrios mit festem Klappdach. Nur kaufen wollte man sie dann doch nicht so gerne. Das Design war immer vom patscherten Klappmechanismus gedemütigt. Die Autos sahen nicht wirklich gut aus, vor allem mit geschossenem Dach.

foto: guido gluschitsch

Warum ich das alles erzähle? Weil dieser Mercedes ein wunderbares Beispiel dafür darstellt, dass das Cabrio nunmehr einen neuen Höhepunkt in seiner Geschichte erreicht hat, nicht nur in der eleganten Linienführung mit Stoffdach wie hier. Keine Diskussion mehr über Moral und Schicklichkeit des Dieselmotors, mit SCR-Kat ist es sauber, sowohl für den Offenfahrer selbst als auch für den Rest der Welt. Selbst wenn man einmal Adblue nachfüllen müssen sollte, ist das kein Problem, vorausgesetzt, es gibt zum Zehnliterkanister auch gleich einen Trichter zu kaufen. (Anmerkung: Adblue ist ein Harnstoffzusatz, der in den Abgasstrang eingespritzt wird, um die Stickoxide in einem eigenen Katalysator zu neutralisieren.)

foto: guido gluschitsch

Die Klimaanlage ist vollkommen selbstverständlich, denn wer würde schon die Langstrecke auf der Autobahn mit offenem Dach hinter sich bringen wollen? So ist dieses C-Klasse-Cabrio zuerst einmal eine feine Limousine mit vier Sitzen, wobei natürlich niemand daran denkt, zwei Erwachsene auf den Rücksitzen bis Palermo mitzunehmen.

foto: guido gluschitsch

Der Vierzylinder hat eine Laufkultur erreicht, die keine Kritik mehr greifen lässt. Die Kraftentfaltung erfolgt harmonisch, auch der hochintelligenten Neungang-Automatik zu verdanken. Der Sinn des Allradantriebs lässt schon das Einparken auf Schotter von vornherein deutlich eleganter erscheinen, und die Skala an Vorteilen ist nach oben offen, je schlechter das Wetter wird. Vielleicht will uns der Allradantrieb auch sagen, dass der Wagen trotz Stoffdachs absolut jedem Wetter und Klima trotzt. Und Windgeräusche gibt's auch so gut wie keine, jedenfalls bis in alle Tempobereiche, die wir ohne gesetzeswidrige Taten erklimmen konnten. (Rudolf Skarics, 7.6.2017)

foto: guido gluschitsch

ZWEITE MEINUNG

Im Fußball wäre er der Libero, ein Beckenbauer, der Ruhe ausstrahlt und Sicherheit garantiert – sollen andere wirbeln und Risiko nehmen. Ausgestattet mit Allradantrieb, reagiert er famos auf Unliebsames und bewegt sich selbstsicher entlang der Küste. Fesch ist er sowieso, schön proportioniert und elegant designt von innen bis außen – ein echtes Angeberauto! Bei geschlossenem Dach ist die Übersicht begrenzt, darüber sehen wir hinweg, denn die Sonne scheint hier den ganzen Tag. (ak)

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Mercedes

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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