Wrabetz in Medien am stärksten präsenter Firmenchef

6. Juni 2017, 10:57
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Viele Wirtschaftsbosse dank Nebenjobs stark in den Medien – Deutlich weniger Erwähnung als von Politikern, Spitzensportlern oder Schauspielern

Wien – Die Chefs der großen österreichischen Unternehmen haben nur eine vergleichsweise geringe Präsenz in den Medien. Die meisten werden im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit im Betrieb nur schwach wahrgenommen. Erst Aufgaben im Sport, in Interessensvertretungen oder Politiknähe bringen einige von ihnen in der medialen Aufmerksamkeit nach vorne, zeigt das erstmals veröffentlichte APA-DeFacto CEO-Ranking.

Ausnahme dazu ist ORF-Chef Alexander Wrabetz, der mit großen Abstand am stärksten in Medien präsent ist. Er kommt im Rahmen seiner Tätigkeit am häufigsten in den Ressorts Kunst&Kultur vor, wobei nicht alle Themen für ihn angenehm gewesen sein dürften: Von der Erhöhung der Fernsehgebühren (GIS) über Probleme mit dem ORF-Budget und den umstrittenen Umbau der ORF-Information bis hin zu Vorwürfen gegen den ORF im Zusammenhang mit dem Eurofighter-U-Ausschuss brachten ihm Berichte auch teilweise unerwünschte Aufmerksamkeit.

CEO-Ranking wertet 600.000 Berichte aus

Das erstmals berechnete APA-DeFacto CEO-Ranking wertet rund 600.000 Berichte in nationalen Tageszeitungen und Magazinen sowie in Fernsehnachrichten auf ORF, Puls4 und ATV aus. In den berechneten Indexwert über die "mediale Sichtbarkeit" fließen einerseits die Anzahl der Erwähnungen, andererseits die "Intensität" der Berichterstattung ein: Dazu werden die Anzahl namentlicher Erwähnungen im Verhältnis zur Artikel-Länge bzw. die Position des Akteurs im Text herangezogen. Das Resultat ist ein Indexwert, der über unterschiedliche Zeiträume hinweg eine Vergleichbarkeit der errechneten Ergebnisse gewährleistet. Für die aktuelle Analyse hat APA-DeFacto den Zeitraum November 2016 bis April 2017 ausgewertet.

An zweiter Stelle folgt Red-Bull-Hälfteeigentümer und Chef Dietrich Mateschitz. Über ihn wird vor allem im Ressort Sport berichtet. Die Projekte gehen von RB Leipzig und RB Salzburg, über das Projekt Spielberg und die F1-Teams bis zur Schaffung seiner Medienplattform Quo Vadis Veritas. "Im besonderen ein Interview in der Kleinen Zeitung vom 8. April zum Thema Flüchtlingspolitik lässt den Indexwert von Mateschitz sprunghaft ansteigen" erläutert Manuel Kerzner, Analyst von APA-DeFacto. Im April ist sein Indexwert dadurch gut doppelt so hoch wie im Schnitt der sechs Monate. "Auffällig ist, dass der reichste Österreicher wenig bis gar nicht mit dem Kerngeschäft von Red Bull – Energydrinks – medial präsent ist", sagt Kerzner. Zum Verlauf seiner Geschäfte nimmt Mateschitz seit Jahren nicht Stellung.

Wrabetz und Mateschitz voran, danach kommt lange nichts

Nach diesen beiden kommen mit großem Abstand erst der scheidende Casinos-Austria-Chef und Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, Karl Stoss, Kapsch-Chef und IV-Präsident Georg Kapsch sowie Voest-Chef Wolfgang Eder – der erste in der Liste, der abgesehen von Zusatzfunktionen in internationalen Interessensvertretungen lediglich als Firmenchef auftritt. Eder äußerte sich aber regelmäßig auch zu wirtschaftspolitischen Themen. Wobei auch Stoss wohl nicht jede Berichterstattung begrüßt hat: Sein nicht ganz freiwilliger Abschied aus dem Konzern und der Einstieg von Konkurrent Novomatic brachten ihn häufiger in die Medien – allerdings auch der von ihm verantwortete Umsatzrekord der Casag.

Sowohl Stoss als auch Kapsch kämen ohne ihre Zusatzfunktionen nicht unter die Top-10 bei den Mediennennungen. Das gleiche gilt für den früheren Vizekanzler Josef Pröll, der zwar auf Rang 8 aufscheint, dies aber mehr mit seiner Funktion als Landesjägermeister und als Ex-Politiker erreicht, denn als Chef von Leipnik Lundenburger.

"Auffällig stark sind die Werte oberösterreichischer Unternehmenslenker", sagt Kerzner: Mit Wolfgang Eder (Rang 5, Voest), Stefan Pierer (Rang 6, KTM) und Heinrich Schaller (Rang 10, RLB OÖ) finden sich gleich drei CEOs oberösterreichischer Unternehmen unter den Top-10 Österreichs.

Frauen-Anteil unter zehn Prozent

Dafür verstärkt sich die schwache Präsenz von Frauen in den Top-Jobs noch in der medialen Wahrnehmung: Nur drei Frauen schaffen es in die Top-50 der Medienpräsenz. Margarete Schramböck von A1 belegt im Index den 21. Rang und lässt damit Elisabeth Stadler (Rang 30; VIG) und Sabine Herlitschka (Rang 36; Infineon) hinter sich. "Mit einem Frauen-Anteil von unter 10 Prozent zeigt sich, wie Männer-dominiert die Ebene der Unternehmensführung in Österreich nach wie vor ist", so Kerzner.

Der Vergleich mit Spitzenvertretern anderer Branchen verdeutlicht erst, wie wenig österreichische Firmenchefs in den Medien vorkommen. Über Bundeskanzler Christian Kern wurde im sechsmonatigen Untersuchungszeitraum 40 Mal intensiver berichtet als über Chefs großer börsennotierter Unternehmen, über Außenminister Sebastian Kurz 30 Mal intensiver. Und im Einzelmonat Mai, als Kurz die ÖVP übernahm, kam er auf die 60-fache Berichterstattung. In Zahlen: Voest-Chef Eder kommt auf eine Präsenz von 1,4 Punkten. Kurz schaffte im Spitzenmonat Mai über 100 Punkte und über 6 Monate immer noch 44,5 Punkte.

Aber auch ein Marcel Hirscher kommt – jedenfalls im untersuchten Winterhalbjahr – auf das 30-fache der Berichterstattung, die Rainer Seele oder Wolfgang Eder als Chefs der größten, börsennotierten Firmen mit ihren Milliardenumsätzen erzielen. Selbst Schauspieler Tobias Moretti hat eine doppelt bis drei Mal so hohe Medienpräsenz wie die Firmenlenker.

Aber offenbar personalisieren heimische Medien auch ausländische Bosse mehr als einheimische: Facebook-Chef Mark Zuckerberg kommt gleich intensiv vor wie Mateschitz, selbst der Tesla-Erfinder Elon Musk liegt in diesem Ranking auf Platz drei, nur übertroffen von Wrabetz und Mateschitz. (APA, 6.6.2017)

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    foto: apa / heribert neubauer
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