Slowakei: Erneut Massendemo gegen Korruption

5. Juni 2017, 21:01
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Protestierende verlangen Aufklärung großer Korruptionsskandale

Bratislava – Tausende Menschen haben am Montagnachmittag in Bratislava erneut gegen die grassierende Korruption in der Slowakei demonstriert. Die Zahl der Teilnehmer des von Studenten organisierten "Großen Protestmarsches gegen Korruption" dürfte laut Schätzungen der Polizei mindestens 6.000 Menschen erreicht haben, berichtete der Fernsehsender TA3.

"Es ist uns nicht egal!" und "Wir wollen keine Diebe!", forderten die Demonstranten lautstark. Neben der Aufklärung aller großen Korruptionsskandale, die ihrer Meinung nach von den Zuständigen seit Jahren nur unter den Teppich gekehrt werden, verlangten sie auch den Rücktritt des sozialdemokratischen Innenministers Robert Kalinak und von Polizeipräsident Tibor Gaspar. Diese seien für die schleppenden Ermittlungen hauptverantwortlich. Der Ressortchef soll sich zudem persönlich in einem Korruptionsfall bereichert haben, hieß es.

Es handelte sich bereits um den zweiten großen Protest innerhalb weniger Wochen in Bratislava. Bei einer ersten Veranstaltung waren Mitte April rund 5.000 Menschen einem Aufruf von Studenten gefolgt. Zudem weiten sich die Proteste aus. Unterstützung haben die Demonstranten diesmal von mehreren parallelen Kundgebungen erhalten.

Im ostslowakischen Kosice haben sich einem zeitgleich organisierten Studenten-Protest laut Medienberichten gut 3.000 überwiegend junge Menschen angeschlossen. Auch in der Hauptstadt des Nachbarlandes Tschechien wurde protestiert, slowakische Studenten in Prag haben eine Kundgebung vor der dortigen slowakischen Botschaft organisiert.

Initiiert wurden die Protestaktionen von zwei nur 18-jährigen Gymnasiasten, Karolina Farska und David Straka, die sich mit der Situation im Land nicht länger zufrieden geben wollten. Ihre Aktion, betont parteilos, organisierten sie über soziale Netzwerke und verzeichneten damit unerwarteten Erfolg.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, der seit Monaten auch alle Forderungen der Opposition zur Abberufung seines Innenministers ablehnt, zeigte sich weiterhin unbeeindruckt. Der Premier "respektiert freie Meinungsäußerung" und begrüßt, dass sich "junge Menschen für gesellschaftliche Themen interessieren". Wichtig sei, dass die Veranstaltungen anständig verlaufen und "nicht für politischen Machtkampf" missbraucht werden, hieß es in einer verbreiteten Pressemitteilung des Regierungsamtes. (APA, 5.6.2017)

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