Heimatfilm mit verkohlter Leiche: Wie sahen Sie den "Tatort" aus Berlin?

    Ansichtssache6. Juni 2017, 13:55
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    Von "enervierend" bis zum "Tatort", wie er immer sein sollte: Weit spannt sich die Kritik an "Amour fou"

    Ein Mann, getötet und in seinem Plastikgartenstuhl verbrannt: Damit fing es an, Montagabend um 20.15 in ORF 2. Die Kritiker sind uneins wie selten über "Amour fou", den neuen Tatort aus Berlin mit Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) und ihrem Kollegen Robert Karow (Mark Waschke) – von "enervierend" bis zum "aufwühlenden Verwirrspiel" und begeistertem "so schönem Berlin" reichen die Befunde. Und wie sahen Sie den Feiertagskrimi?

    orf/ard/arnim thomaß

    "Was der Tatort immer sein sollte"

    "Einem Schwulen wird im Problemkiez Neukölln der Schädel eingeschlagen. Ein Junge verschwindet. 'Amour fou', Berlins neuer Tatort, ist ein Heimatkrimi über die Stadt und ihren Preis. Und einen Mann, der alle verzaubert." So fasst Elmar Krekeler für "Welt.de" den Feiertagskrimi (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF) zusammen.

    Und Krekeler schwärmt: "'Amour fou', zu dem Til Schweigers 'Tschiller-Tatort'-Autor Christian Darnstädt das Drehbuch schrieb, ist, was der Tatort immer sein sollte, aber immer seltener ist, ein Heimatfilm, ein Film über ein Verbrechen in einer Stadt, das nirgendwo anders als in dieser Stadt geschehen könnte.

    Schichten um Schichten von Geschichten werden abgetragen. Alle sind sie möglich. Die Wahrheit dieser unmöglichen Berliner Liebe aber ist irre, so brüchig wie schön. Berlin, du bist so wunderbar. Berlin."

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    Spiel mit der Erwartung des Publikums

    "Spiegel"-Kommissar Christian Buß bewertet "Amour Fou" mit sieben von zehn Punkten in seiner Tatort-Wertung.

    "Ein bisschen gar plump" setze der Berliner Krimi das Wüten der Schüler aus dem ehemaligen Jugoslawien in Szene, die der Direktor der Problemschule als "zu 79 Prozent homophob" beschreibt.

    Sonst aber findet Buß das Drehbuch "voll von überraschenden Wendungen, raffinierten Spiegelungen und klug ausgehebelten Klischees." Die Schweiger-Tatorte waren "ja insgesamt nicht so hintersinnig". Doch in 'Amour fou' spiele Darnstädt "geschickt mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer, macht sie zu Komplizen der Vorurteile der anderen, um sie dann wieder emotional in Geiselhaft zu nehmen. Ein aufwühlendes Verwirrspiel."

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    "Enervierend"

    STANDARD-Kritikerin Birgit Baumann will da nicht mitspielen: "Weil die Verhältnisse so kompliziert sind und alle natürlich nur lügen, kommen auch die Ermittlungen nur so langsam voran wie Lava auf den letzten Metern vor dem Stillstand. Es ist enervierend, zumal der versierte Krimi-Seher nach 45 Minuten ohnehin ahnt, was da faul ist, den Kommissaren aber erst am Schluss zur überraschenden Eingebung gereicht."

    Doch Baumann weiß auch Gutes zu berichten: "Die komplizierte, über die ersten vier Folgen gezogene Story vom Mord an Karows Partner ist endlich ad acta gelegt." (red, 5.6.20179

    Und wie sahen Sie den "Tatort": "Die Liebe, ein seltsames Spiel"? Hier ist Platz für Ihre Meinung (das Forum ging allerdings irrtümliich erst lange nach dem "Tatort" online):

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