Sturm nimmt "Kleine" auf den Arm, gefragtester Medienjob

Kolumne5. Juni 2017, 21:48
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Wo die "Kleine" die "Krone" doch ausstach, ORF-Wahlkonfrontationen, und wo die FH der WKW umbaut

1. Auf den Arm genommen

Sie werden die Styria weiter auf den Arm nehmen, und das ist für Österreichs zweitgrößten Verlagskonzern eine große Freude. Denn die Wochenschau-Infos von Ende voriger Woche, dass die "Kronen Zeitung" die "Kleine Zeitung" als Sponsor von Sturm Graz überboten hat, waren offenbar überholt: Aus der Styria war Montagabend zu hören, dass sich die "Kleine Zeitung" schon vorige Woche mit Sturm Graz auf Verlängerung geeinigt habe.

Es wäre ein zu herber Verlust für die Steirer gewesen.

foto: apa/erwin scheriau
Doch weiter mit "Kleine"-Logo: SK Puntigamer Sturm Graz Ende Mai nach einem Treffer von Baris Fahri Atik gegen FC Flyeralarm Admira Wacker am Donnerstag.

Womit auch klar wäre, dass sich der ursprüngliche Wochenschau-Titel vom Verlust für die Styria nicht auf das Konzernmanagement der Styria bezieht – die anstehende Verlängerung von Vorstandsmitglied Klaus Schweighofer soll nach Infos aus der Konzernzentrale noch nicht fixiert sein. Ende Juni entscheidet der Aufsichtsrat, hieß es, formal jedenfalls.

2. Der gefragteste Medienjob der Woche

Wo wir schon bei Medienjobs sind: Der gefragteste Job der Woche ist trotz ordentlicher Bezahlung und erfreulich geregelter Tätigkeit keineswegs der Geschäftsführer des Medienbereichs der Rundfunk- und Telekomregulierung (RTR). Der dürfte, wie da und dort berichtet, doch ziemlich sicher an Manstein-Geschäftsführer und -Herausgeber Oliver Stribl gehen. Die Bewerbungsfrist endet aber erst nach Erscheinen dieser Wochenschau am 6. Juni – damit hatte ich es vorige Woche einen Hauch zu eilig.

Am allerhäufigsten gefragt wurde (nicht nur ich) die vergangenen Tage nach diesem Medienjob, auch wenn er kaum die Hälfte der Dotierung des RTR-Managers verspricht:

foto: eblinger & partner / karriere.at

Wer's aller nicht ist, kann ich schon einmal sagen, und nicht nur das, aber der Reihe nach. Nein, DER STANDARD hat das Inserat nicht beauftragt (schon gar nicht auf karriere.at), die Styria war's nicht, der "Kurier" dürfte es auch nicht gewesen sein und auch beim ORF winkt man ab.

Und wer ist's? Wenn ich mich da nicht verhört habe, stammt das Jobangebot von (Trommelwirbel)...Lexis Nexis. Ja, genau: die Fachinformationsplattform für Recht, Wirtschaft, Steuern. Und es soll, so höre ich, auch nicht ganz genau um einen Head of Strategy gehen, aber das macht nichts mehr – der Neue soll schon gefunden sein.

3. That's Infotainment: Brunhofer baut um

Ein anderer wartet nicht lange auf seinen neuen Titel und fängt einfach einmal an umzubauen: Salzburgs Exlandesdirektor Roland Brunhofer, als Channel Manager für ORF 2 gesetzt, aber auf nach der Nationalratswahl vertröstet, baut einstweilen munter die ORF-Fernsehchronik um.

Unmittelbar vor dem Stiftungsrat vorige Woche lud Brunhofer zwei Tage zur Klausur, wie er sich ORF2 künftig untertags vorstellt, zwischen "Guten Morgen Österreich" und "Daheim in Österreich", ab 21. August ebenfalls aus dem mobilen Studio auf Österreich-Tour. Mit ORF-General Alexander Wrabetz, mit einem Kurzauftritt von Programmdirektorin Kathrin Zechner. Damit sich das von Brunhofer mobil gemachte "Guten Morgen Österreich" (kolportierte rund zwölf Millionen Euro) halten lässt, muss "Heute Leben" (Budget kolportierte rund sechs Millionen) "Daheim in Österreich", ebenfalls aus dem Truck, weichen.

Schon einmal hat ORF-General Wrabetz eine Quotenbank im Vorabend ohne Not aus dem Programm genommen: Sie hieß "Willkommen Österreich", war lange die Homebase der damals 2007 gerade abgelösten ORF-Generalin Monika Lindner, und Wrabetz versprach die "größte Programmreform aller Zeiten". Bald kehrte er reumütig zum "Willkommen"-Format unter neuem Namen ("Herbst/Winter/Sommer/Frühlingszeit") zurück.

foto: fid
Hat jedenfalls ein "Notfallset": Das bisherige "Heute Leben"-Studio auf dem Küniglberg, hier die Eingangstüre in der ORF-Garage.

Brunhofer will immerhin nur den Ort der Sendung, aber nicht das Genre wechseln. Er soll das intern mit einem Bild aus der Automobilbranche erklären, als Kind und intimer Kenner der BMW-Stadt Steyr kennt er sich da aus: Autobauer überarbeiteten ihre Modelle im Sieben-Jahres-Zyklus, und just vor der Überarbeitung verkaufen sich die Modelle am besten. Weil: Es brauche Neues, bevor das Käuferinteresse nachlässt. "Heute Leben" läuft mit 25 oder mehr Prozent Marktanteil gerade sehr gut.

Vier Millionen Euro Einsparung soll Brunhofer mit seinem neuen ORF-2-Tag zwischen "Guten Morgen" über "Mittag in Österreich" und "Aktuell in Österreich" bis "Daheim in Österreich" intern versprechen. Offenbar ist da auch der abgesagte Neubau des neuen "Heute"-Studios eingerechnet – vermuten Menschen auf dem Küniglberg, die diese Einsparungen unter diesen Bedingungen nicht zu glauben vermögen.

Ganz ehrlich: Ich kann das weder prüfen noch beurteilen. Aber, so würde ich als Laie sagen: Mit nur einer Schicht von Frühmorgens bis in den Vorabend aus einem Truck zu senden, scheint mir eher keine tragfähige Arbeitsbedingung sein.

A propos Arbeitsbedingungen: Die Wartezeit auf die Funktion des Channel Managers von ORF 2, dem nach den Plänen von ORF-General Alexander Wrabetz der Großteil der heutigen TV-Information zugeordnet wird, verkürzt sich Brunhofer gerade mit dem Aufbau einer, wie er sagen soll, "Österreich-Redaktion" für seine Chroniksendungen. Das erinnert an Brunhofers "Gedankensplitter" von größeren Einheiten als den bisherigen Ressorts in der TV-Information.

Und a propos tragfähig: Das – wie auf dem Küniglberg kolportiert – für 500.000 Euro schon fertig gegossene Fundament des neuen, Nun-Doch-Nicht-"Heute Leben"-Studios wurde vielleicht doch nicht in den Sand gesetzt. Jedenfalls soll ORF-General Wrabetz dort die in seiner Bewerbung 2016 versprochene große Infotainment-Sendung für ORF 1 verorten. Damit hätte das schon viel länger gewälzte ORF-Projekt immerhin einmal eine substanzielle Basis. Aus Stahlbeton.

4. Wahl-Konfrontationen

Wer weiß schon, wie der ORF nach der Wahl am 15. Oktober aussehen wird. Ob Alexander Wrabetz tatsächlich nach dem Wahltag und vor der Regierungsbildung in Channel Manager gegossene Fakten schaffen wird (und welche). Und ob Alexander Wrabetz nach der Regierungsbildung noch bis Ende 2021 ORF-General ist – für die Zeit wurde er 2016 bestellt. Aber: Auch lange als sicher angenommene Konstellationen für diesen oder jenen Fall können sich ändern, zeigten die vergangenen Tage.

Wie es vor der Wahl im ORF laufen soll, will der öffentlich-rechtliche Rundfunk nun am Dienstag nach Pfingsten klären – also den Fahrplan und die Besetzung der Wahlkonfrontationen. ORF-General Wrabetz sagte vorigen Donnerstag, er wolle "möglichst viele Konfrontationen". Als hätte er nicht schon genug davon.

5. Umbau-Arbeiten an der FH Wien der WKW

Wo wir schon beim Umbau sind: Über die nächsten Monate stehen in der FH Wien der WKW "umfassende Bauarbeiten" an, informierte der Newsletter der Fachhochschule vorige Woche. "Nach dem Umbau werden die Institute/Studienbereiche (teilweise) in neuen Stockwerken bzw. Räumen zu finden sein". Betroffen sind etwa Departments (wie das schon bestehende für Management) und Institute wie Immobilienwirtschaft oder auch Kommunikation, Marketing und Sales und Journalismus und Medienmanagement.

Was fehlte

User helmutpeter vermisste in der Vorwochenschau zur Frage Qualität und Medienförderung einen Verweis auf Hannes Haas' große Evaluierung der österreichischen Presseförderung für das Bundeskanzleramt aus 2012 und fragte, wem die Nicht-Erwähnung nütze (sofern ich mit meinem Latein nicht vor der Übersetzung am Ende war).

Hier ist der Verweis auf Haas' wirklich fundamentale Studie – ich habe sie weder vergessen noch absichtlich ausgelassen – sie schien mir nur schon ziemlich oft erwähnt und etwas weiter zu führen als mein Thema in der Vorwoche. Aber hier gern wieder empfohlen (auch für die wandlungsfähige Wochenschau-Rubrik: Mit Genuss und Belehrung gelesen).

Wo was weitergeht

Wie sich der Fünf-Punkte-Plan der Etat-Wochenschau in der österreichischen Medienrealität materialisiert, und was sich dort auch ganz ohne Prognose tut, lesen Sie – so rasch wie möglich – auf http://derStandard.at/Etat. Bleiben Sie dran. (Harald Fidler, 5.6.2017) –

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