Mord an Studentin: Fernfahrer könnten zwei Prozesse erwarten

4. Juni 2017, 11:59
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Laut Staatsanwaltschaft Innsbruck nicht möglich, beide Fälle in Deutschland zu verhandeln

Kufstein – Der 40-jährige rumänische Fernfahrer, der am Freitag im Fall der beiden getöteten jungen Frauen in Kufstein und Endingen verhaftet worden war, könnte zwei mal vor Gericht müssen – einmal in Deutschland und einmal in Österreich. Es sei nämlich nicht möglich, beide Fälle in Deutschland zu verhandeln, hieß es seitens der Innsbrucker Staatsanwaltschaft.

Der Lkw-Fahrer sei in Deutschland zunächst nur aufgrund des Verbrechens in Endingen gegen eine 27-jährige Joggerin verhaftet worden. Von österreichischer Seite soll nun auch ein europäischer Haftbefehl gegen den 40-Jährigen erlassen werden, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr am Sonntag. Danach werde der Mann dann von der österreichischen Exekutive zum Fall der vor über drei Jahren in Kufstein getöteten 20-jährigen Studentin Lucile K. aus Frankreich vernommen. "Sollte es dann zu einer Anklage und einem Hauptverfahren kommen, werden wir eine vorübergehende Auslieferung des Mannes beantragen", erklärte Mayr.

Keine Hinweise auf weitere Taten

Da weder der mutmaßliche Täter, noch das Opfer deutsche Staatsbürger seien, könne die deutsche Staatsanwaltschaft den Fall der französischen Studentin nicht übernehmen. Wo der Verdächtige bei einer Verurteilung seine Strafe dann absitzen muss, sei noch offen, meinte der Staatsanwalt. Vermutlich jedoch in Deutschland.

Ob der Rumäne noch für andere Taten verantwortlich ist, stand zunächst noch nicht fest. "Die Erfahrung sagt uns, dass der Mann auch noch weitere Verbrechen begangen haben könnte", sagte Walter Pupp, Leiter des Tiroler Landeskriminalamtes. Konkrete Hinweise gebe es bisher jedoch noch keine. Man habe jetzt aber ein vollständiges DNA-Profil des Mannes, was die Ermittlungen in möglichen weiteren Fällen vereinfache.

Polizeiliche Zusammenarbeit gelobt

Auf österreichischer Seite zeigte man sich erleichtert über die Festnahme. "Es war eine sehr schwere Straftat und wir sind froh, dass der Mann jetzt dingfest gemacht werden konnte", meinte Pupp. Er habe immer daran geglaubt, dass man den Fall Lucile noch aufklären könne. Vor allem nach der zweiten Tat in Endingen sei er sehr zuversichtlich gewesen, so der LKA-Chef. Die Zusammenarbeit der beiden Polizeidienststellen habe die Verhaftung letztendlich ermöglicht. "Jede Dienststelle für sich alleine, hätte die beiden Fälle vermutlich nicht klären können", sagte Pupp.

Der 40-Jährige soll vor über drei Jahren in Kufstein die französische Austauschstudentin und im November des vergangenen Jahres die 27-jährige Joggerin in Endingen missbraucht und getötet haben. Über den Rumänen wurde am Samstagnachmittag die Untersuchungshaft verhängt. Bei einer ersten Einvernahme habe der Mann die Taten bestritten.

DNA-Beweis

Maut-Abrechnungsdaten aus Kufstein und die Tatwaffe brachten die Ermittler letztendlich auf die Spur des Fernfahrers. Eine Speichelprobe des Rumänen, die mit DNA-Fragmenten des Täters, die an beiden Opfern gefunden worden waren, abgeglichen wurde, brachte den Ermittlern letztendlichen den notwendigen Beweis, um den Mann festzunehmen.

Die 27-jährige Deutsche war am 10. November, vier Tage nach ihrem Verschwinden, tot in einem Waldstück nahe ihrem Wohnort gefunden worden. Die Frau wurde vergewaltigt und umgebracht. Die Leiche der Französin, die aus der Gegend von Lyon stammte und im Rahmen eines Auslandssemesters in Kufstein studiert hatte, war am 12. Jänner 2014 von Polizisten am Ufer des Inns entdeckt worden. Freunde und Studienkollegen hatten die junge Frau als vermisst gemeldet. Todesursache waren laut Obduktion heftige Schläge auf den Kopf. Taucher fanden schließlich die Tatwaffe im Inn. (APA, 4.6.2017)

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