Sechs Todesopfer bei Terrorangriff in London

4. Juni 2017, 03:16
950 Postings

Attentäter fuhren Menschen auf London Bridge nieder und griffen dann mit Messern an– Drei Terroristen durch Polizei getötet – Rund 50 Menschen in Spitäler eingeliefert

London – In der Londoner Innenstadt ist es am späten Samstagabend zu einer Serie gewaltsamer Vorfälle gekommen. Dabei sind sechs Menschen ums Leben gekommen. Die drei Angreifer seien erschossen worden, sagte der Chef der Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, am frühen Sonntagmorgen. Sie waren am Samstagabend auf der London Bridge mit einem Fahrzeug in Fußgänger gerast. Anschließend stachen sie im nahe gelegenen Borough Market mit Messern auf Menschen ein. Nur acht Minuten nach dem ersten Notruf hätten Polizisten die Männer gestellt und erschossen, sagte Rowley weiter. Die Polizei geht nicht von weiteren Tätern aus.

48 Menschen seien verletzt in Spitäler eingeliefert worden, zahlreiche weitere vor Ort behandelt worden, das gaben Rettungskräfte am Sonntag bekannt.

Kleinlaster raste durch Menge

Kurz nach 22 Uhr waren mehrere Fußgänger auf der London Bridge von einem Auto niedergefahren worden. Ein weißer Kastenwagen raste durch eine Gruppe von rund zwanzig Menschen. Von weiteren Tatorten am Borough Market und in Vauxhall wurden Messerangriffe und Schüsse gemeldet.

Die britische Premierministerin Theresa May sagte, die Vorfälle würden als mögliche Terrorakte eingestuft. Die Polizei gab Sonntagnacht bekannt, die Vorfälle auf der London Bridge und am Borough Market hätten einen Terrorbezug, während der Zwischenfall in Vauxhall eine Messerstecherei ohne Verbindung zu den anderen Ereignissen sei.

Auf einem von einer Londoner Fotografin gemachten Bild ist ein am Boden liegender Mann zu sehen, der mehrere Kanister um den Körper geschnallt hat. Dabei soll es sich um einen der neutralisierten Angreifer handeln, der offenbar einen Sprengstoffgürtel trägt. Den Angaben der Polizei zufolge handelt es sich dabei um eine Attrappe.

Drei Krankenhäuser in der Umgebung der London Bridge sind abgeriegelt worden. Dies geschehe aus Sicherheitsgründen für Patienten und Personal, teilte der nationale Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) mit. Auch ein Hotel in der Nähe der London Bridge steht nach Angaben des britischen Senders BBC unter Polizeischutz. Dort wurden den Angaben zufolge Verletzte untergebracht, die noch selbst laufen können.

Mit Messern auf Passanten eingestochen

Ein Augenzeuge sprach gegenüber BBC von drei Männern, die nach der Amokfahrt aus dem Wagen gesprungen seien und mit Messern mit 30 Zentimeter langen Klingen auf am Boden liegende Menschen eingestochen hätten. Die Männer hätten "Das ist für Allah" gerufen. Unter den Opfern soll auch ein Polizist sein.

Eine Zeugin berichtete, sie habe drei Menschen gesehen, denen offenbar die Kehle durchgeschnitten worden sei. Ein anderer Zeuge berichtete gegenüber dem Fernsehsender Sky, er habe Schüsse gehört. CNN berichtete in Berufung auf Augenzeugen, dass zwei Männer bei der London Bridge in einem Lokal zwei Menschen niedergestochen hätten. Eine Kellnerin sei in den Hals gestochen worden und ein Mann in den Rücken.

Erste Notrufe am späten Abend

Um 22:08 Uhr Ortszeit seien die ersten Notrufe bezüglich des Vorfalls mit dem Fahrzeug eingegangen, berichtete die Polizei auf Twitter. Dann wurden Messerangriffe am Borough Market gemeldet. Dort sei es auch zu Schüssen gekommen. Auch in Vauxhall sei die Polizei im Einsatz. Die U-Bahn-Station Vauxhall wurde jedoch bald darauf wieder geöffnet.

Die Polizei riet den Londonern, wegzurennen, sich zu verstecken und Vorfälle zu melden, wenn sie in Sicherheit sind.

Die Regierungschefin May sei in Kontakt mit den Polizeibehörden und auch US-Präsident Donald Trump sei über den Vorfall informiert worden, berichtete die BBC. May werde am Sonntag mit den Sicherheitsbehörden beraten. Londons Bürgermeister Sadik Khan verurteilte die Angriffe noch Sonntagnacht als "feige Attacke" auf Londoner und Besucher.

Die erneuten Vorfälle in London wecken Erinnerungen an einen islamistisch motivierten Anschlag im März. Dabei tötete ein 52-Jähriger auf der Westminister Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschließend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten und wurde schließlich erschossen.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat rief am Samstag über den Nachrichtendienst Telegram seine Anhänger auf, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit Lastwagen, Messern und Waffen gegen "Kreuzritter" vorzugehen. In den vergangenen Jahren hat es ähnliche Anschläge in Paris, Nizza, Berlin und Brüssel gegeben.

Anschlag Tage vor der Wahl

In Großbritannien wird an diesem Donnerstag gewählt. Nach dem Anschlag in Manchester am 22. Mai schrumpfte der Vorsprung der Konservativen von May in den Umfragen. Bei dem Selbstmordattentat in der nordenglischen Stadt nach einem Pop-Konzert der US-Sängerin Ariana Grande wurden 22 Menschen getötet, 116 verletzt. Grande gibt am Sonntag ein Benefizkonzert zugunsten der Opfer. Bei der Veranstaltung "One Love Manchester" treten auch Popgrößen wie Justin Bieber, Miley Cyrus und Katy Perry auf. (red, APA, Reuters 3.6.2017)

  • Menschen fliehen auf der Borough High Street.
    foto: ap/lipinski

    Menschen fliehen auf der Borough High Street.

  • Menschen durchqueren die Polizeiabsperrungen bei der London Bridge mit erhobenen Händen.
    foto: reuters/hall

    Menschen durchqueren die Polizeiabsperrungen bei der London Bridge mit erhobenen Händen.

  • Polizisten bei einer Absperrung an der London Bridge
    foto: ap/lipinski

    Polizisten bei einer Absperrung an der London Bridge

    Share if you care.