Ex-Oppositionschefin Südafrikas droht Parteiausschluss

3. Juni 2017, 18:16
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Helen Zille hatte sich zu Kolonialzeit geäußert – "Nicht alles war schlecht"

Johannesburg – Wegen einer umstrittenen Äußerung zur kolonialen Vergangenheit droht der früheren südafrikanischen Oppositionsführerin Helen Zille der Ausschluss aus ihrer Partei. Die Demokratische Allianz (DA) erklärte am Samstag, Zille solle zunächst Gelegenheit zu ihrer Verteidigung erhalten, anschließend werde über einen möglichen Parteiausschluss entschieden.

Hintergrund ist eine Äußerung Zilles im Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter. Darin hatte die 66-Jährige im März geschrieben, der Kolonialismus habe Südafrika durchaus auch Vorteile gebracht: "An diejenigen, die behaupten, das Erbe des Kolonialismus sei AUSSCHLIESSLICH negativ: Denkt an unser unabhängiges Justizsystem, Verkehrsinfrastruktur, Trinkwasserleitungen."

Zille, die derzeit Ministerpräsidentin der Provinz Westkap ist, betonte, sie werde sich "nicht wegen eines Fehlverhaltens schuldig bekennen, das ich nie begangen habe". DA-Parteichef Mmusi Maimane erklärte, Zilles Äußerungen zum Kolonialismus "unterwandern unser Aussöhnungsprojekt".

Zille ist die Großnichte des sozialkritischen Berliner Zeichners und Schriftstellers Heinrich Zille. Ihre Eltern mussten vor den Nazis nach Südafrika fliehen. Während der Apartheid kämpfte sie in mehreren Organisationen gegen die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit.

Die Niederländische Ostindien-Kompanie gründete 1652 eine erste Kolonie in Südafrika. Später war das Land britische Kolonie. (APA, 3.6.2017)

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