Nur jeder zehnte Polizeibewerber für Dienst geeignet

2. Juni 2017, 17:01
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Derzeit werden 2.100 junge Beamte in zehn Zentren ausgebildet

Wien – Derzeit werden in den zehn Ausbildungszentren des Innenministeriums mehr als 2.100 junge Polizisten geschult. Geeignete Bewerber zu finden, gestaltet sich schwierig. "Wir müssen zehn Menschen testen, um einen zu bekommen", erklärte Karl Hutter aus dem Innenministerium am Freitag in Wien. Die Aufnahme in die Polizeiausbildung scheitert "oft auch an mangelnden Deutschkenntnissen der Bewerber".

"Terrorismus, Migration, Kriminalität – das sind die Kernaufgaben, denen wir uns widmen müssen", sagte Hutter, Gruppenleiter für Personal und Ausbildung. Bereits seit dem Jahr 2009 gibt es im Innenministerium die Aufnahmeoffensive. Polizisten werden auch dringend benötigt. Derzeit sind österreichweit 28.700 Polizisten tätig, 17 Prozent davon sind Frauen. Doch bis zum Jahr 2028 gehen 16.000 in Pension. Verstärkt werden neue Beamte ausgebildet, 2016 waren es noch 1.300 junge Polizisten. Wie viele der jungen Beamten Migrationshintergrund haben, bleibt unklar, dass darf das Innenministerium nicht abfragen. Allerdings wird in den verschiedenen Communities gezielt Werbung für den Polizeiberuf gemacht.

Mit 1. Dezember 2016 wurde die Grundausbildung reformiert. Die Schwerpunkte liegen jetzt in "Handlungssicherheit und Bürgernähe", erklärte Thomas Schlesinger, Leiter des Zentrums für Grundausbildung und stellvertretender Leiter der Sicherheitsakademie (SIAK). Wesentliche Neuerung in der 24 Monate dauernden Grundausbildung ist mehr Praxisnähe. Insgesamt gibt es 2.612 Unterrichtseinheiten in den Bereichen Rechtsfächer, Persönlichkeitsbildende Elemente, Polizeitechnik und -taktik sowie angewandte Trainings. In der Grundausbildung beträgt die Drop-out-Rate drei bis fünf Prozent, sagte Schlesinger.

"Modulares Kompetenztraining"

Schwerpunkt der neuen Ausbildung ist modulares Kompetenztraining in den Bereichen Hilfeleistung, Verkehr, Körperverletzung, aber beispielsweise auch Lärmerregung und Gewalt. Verschiedene Szenarien werden erprobt, gefilmt und analysiert. Insgesamt wurden die Trainingseinheiten durch die Reform verdoppelt, erklärte Schlesinger.

Die theoretische Basisausbildung dauert zwölf Monate, anschließend lernen angehende Beamte drei Monate lang den Dienstbetrieb auf einer Polizeiinspektion kennen. In einer fünfmonatigen Vertiefung werden Ausbildungsinhalte, Erlebnisse und Erfahrungen des vorherigen Berufspraktikums reflektiert. Es folgt ein zweites, viermonatiges Berufspraktikum, in dem die Polizisten bereits in den Betrieb ihrer künftigen Dienststelle eingeführt werden.

Auch Englisch ist Teil des Unterrichts, wenn auch nur noch vier Unterrichtseinheiten, da die Mehrheit der Polizeischüler Maturaniveau hat. Jene, die dieses Niveau nicht von vornherein erreichen, werden gezielt gefördert. "Ziel ist es, eine gesamte Amtshandlung in Englisch durchzuführen", erklärte Schlesinger.

In der SIAK in der Marokkanergasse in Wien hatten Journalisten am Freitag Gelegenheit, in die Rolle von Polizeischülern zu schlüpfen. Sie konnten beispielsweise den medizinischen Bewegungskoordinationstest, der Teil des Aufnahmeverfahrens ist, absolvieren. Dieser Geschicklichkeitstest wird in der Halle durchgeführt und fordert unter zeitlichem Druck geistige und körperliche Beweglichkeit – und das war zu viel, zumindest für die Mehrheit der Journalisten, die sich daran versuchten. (APA, 2.6.2017)

  • 2.100 junge Männer und Frauen werden derzeit für den Polizeiberuf ausgebildet.
    foto: apa/georg hochmuth

    2.100 junge Männer und Frauen werden derzeit für den Polizeiberuf ausgebildet.

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