"Discotropic": Emanzipation mit baren, leuchtenden Brüsten

2. Juni 2017, 17:41
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Popowackeln und tanztaugliche DJ-Musik: Niv Acostas Stück im Performeum

Wien – Die angekündigte schwüle Hitze blieb aus, und auch sonst ließ eher kühl, was Aktivist Niv Acosta am Donnerstag im Festwochen-Performeum als Discotropic präsentierte. Seine im Programmblatt mitgeteilte Leidens- und Schaffenslegende: "Ich bin schwarz und queer und trans. Und ich bin jung und lebe in New York. Mit all diesen sich überschneidenden Identitäten habe ich viel zu bewältigen. Es ist schon schwer für mich, mein Haus zu verlassen und von einem Fremden betrachtet zu werden."

Es sei ihm beim Bewältigen gutes Gelingen gewünscht, überwältigen konnten die 90 Minuten jedenfalls nicht. Während ihrer schritten vier dunkelhäutige und dem Anschein zuwider nicht ausnahmslos weibliche Akteurinnen bedeutungsvoll in der Halle umher.

Trippeln zwischen Topfpalmen

Als würden sie "No no no" sagen, streckten sie eine Hand von sich und gingen dabei mit harten Mienen rückwärts. Sie trippelten wie beim Karneval in Rio. Sie schnippten im Gleichschritt gehend. Sie legten die Hüften geschmeidig von der einen Seite auf die andere und von der anderen wieder auf die eine Seite und von der wieder... Sie sangen, räkelten sich und "twerkten". Letzteres ist Popowackeln und spätestens seit Miley Cyrus es macht, wohl nicht mehr so underground, wie es der Performance zwischen Topfpalmen mindestens gut täte. Die Musik von hinterm DJ-Altar immerhin begleitete tanztauglich.

Euphemismus "Freie Platzwahl"

Weil sich die Vier ständig durch den Raum bewegen, die Sicht dort aber von fünf Wänden mutwillig verstellt wird, artet das zum Versteckspiel aus. Damit diskursbereite Augen sie unter der ihnen suchend nachfolgenden Zuschauermenge ("Freie Platzwahl") eher finden, sind sie mit fluoreszierender Farbe markiert.

Eine kerkert ihr "Ge-schlecht" in einem über dem schwarzen Body getragenen, an Fetischware erinnernden Höschen aus Lederstreifen ein. Sie ist eigentlich ein Er. Zwei Schau-mich-an!-Amazonen lassen dafür ihre Brustwarzen frei.

Jeder lebt auch in dem Gefängnis, das er sich selbst baut. Befreit wurde so mutmaßlich eher niemand. (wurm, 2.6.2017)

Nächste Termine am 2. und 3.6.

Wiener Festwochen

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