Documenta im Schrebergarten: "Tatort"-Kommissare wühlen sich durch Liebeswirren

4. Juni 2017, 10:00
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Es ist enervierend, zumal der versierte Krimi-Seher nach 45 Minuten ohnehin ahnt, was da faul ist

Berlin – "Mach ein Schild ran, schick es zur Documenta, fertig." Was der Rechtsmediziner im neuen Berliner Tatort (Amour fou) zur Leiche zu sagen hat, ist – angesichts anderer Pathologenweisheiten – preisverdächtig. Doch der Tote, der da am Pfingstmontag auf einer Sonnenliege im Kleingarten liegt, schaut in der Tat ungewöhnlich aus: Er bildet mit dem Möbelstück eine verkohlte Skulptur.

Die würde gut in die schicke Altbauwohnung des feinsinnigen, reichen Armin (Jens Harzer) passen. Aber so geschmacklos will man natürlich nicht denken, denn die "Skulptur" ist Armins Mann Enno – ein Lehrer, dessen Engagement für benachteiligte Schüler so weit ging, dass er einen bei sich zu Hause aufnahm.

Rein väterlich blieb das Verhältnis jedoch nicht, und Armin spielte wohl auch nicht immer nur die "Mama", wie Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) spitz feststellt. Auf jeden Fall ist besagter junger Mann verschwunden, sein Vater auch. Zurück bleiben eine schwangere Freundin und viele lose Fäden, die Rubin und ihr Kollege Robert Karow (Mark Waschke) nun in Händen halten. Weil die Verhältnisse so kompliziert sind und alle natürlich nur lügen, kommen auch die Ermittlungen nur so langsam voran wie Lava auf den letzten Metern vor dem Stillstand. Es ist enervierend, zumal der versierte Krimi-Seher nach 45 Minuten ohnehin ahnt, was da faul ist, den Kommissaren aber erst am Schluss zur überraschenden Eingebung gereicht.

Klar, dass Rubin und Karow ein wenig länger brauchen. Rubin hat ein Privatleben, in dem wieder mal große Entscheidungen anstehen. Und Karow lässt sowohl die Kollegenschaft als auch die Zuseher darüber im Unklaren, wie weit seine nächtlichen Befragungen von Armin gehen.

Apropos Armin. Jens Harzer, den man viel zu wenig im Fernsehen sieht, trägt diesen Tatort über weite Strecken allein auf seinen gebeugten Schultern. Aber irgendwann hat man von so viel "Tod in Venedig" auch genug.

Doch es gibt von diesem fünften Fall des Duos Karow und Rubin auch echt Positives zu berichten. Die komplizierte, über die ersten vier Folgen gezogene Story vom Mord an Karows Partner ist endlich ad acta gelegt. (bau, 4.6.2017)

  • Mark Waschke (Robert Karow) und Meret Becker (Nina Rubin) ermitteln am Montag, 5. Juni.
    foto: orf/ard/andrea hansen

    Mark Waschke (Robert Karow) und Meret Becker (Nina Rubin) ermitteln am Montag, 5. Juni.

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