Vier Tote bei Protesten in Kabul

2. Juni 2017, 16:41
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Demonstranten forderten nach Selbstmordanschlag Rücktritt der Regierung und Todesstrafe für Taliban

Kabul – Bei Zusammenstößen zwischen aufgebrachten Demonstranten und der Polizei in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Freitag mindestens vier Menschen getötet worden. Mehr als tausend Protestierende forderten nach dem verheerenden Anschlag am Mittwoch in Kabul den Rücktritt der Regierung und der für die Sicherheit Verantwortlichen.

Einige Protestierende verlangten auch die Hinrichtung von Mitgliedern der Taliban und ihrer Verbündeten aus dem islamistischen Haqqani-Netzwerk. Bei dem Selbstmordanschlag am Mittwoch waren mindestens 90 Menschen getötet und 460 verletzt worden. Der Anschlag war einer der schlimmsten seit dem Ende der Taliban-Herrschaft 2001.

Wasserwerfer und Tränengas

Viele der Demonstranten hielten am Freitag am Anschlagsort Bilder der Opfer in die Höhe. Einige Protestierende warfen Steine auf die Sicherheitskräfte, der sie Versagen bei der Verhinderung von Terroranschlägen vorwerfen. In der zunehmend aufgeheizten Stimmung setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein, um die aufgebrachte Menge davon abzuhalten zum Präsidentenpalast zu ziehen.

Mindestens vier Menschen wurden bei den Zusammenstößen getötet und zahlreiche Personen verletzt, teilte ein Sprecher des städtischen Krankenhauses in Kabul mit. Unter den Toten war laut afghanischen Medienberichten auch der Sohn eines prominenten Politikers.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich rapide verschlechtert, seit die NATO ihren Kampfeinsatz Ende 2014 offiziell durch einen Ausbildungseinsatz ersetzt und die Truppen reduziert hat. Die afghanischen Streitkräfte erleiden im Kampf gegen die Taliban seit Monaten schwere Verluste. Mehrere Anläufe der afghanischen Regierung für Friedensgespräche mit den Taliban sind gescheitert. Mehr als ein Drittel des Landes steht nicht unter Regierungskontrolle, viele Regionen sind umkämpft. (APA, Reuters, 2.6.2017)

  • Polizeieinsatz gegen Demonstranten
    foto: reuters/omar sobhani

    Polizeieinsatz gegen Demonstranten

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