Warum genau verliert man unter Narkose eigentlich das Bewusstsein?

5. Juni 2017, 11:00
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Deutsche Forscher: Es wird nicht die Signalübertragung unterbrochen, sondern weniger Information produziert

Frankfurt – Schmerzempfinden und auch Bewusstsein bei einem schweren Eingriff in den Körper auszuschalten, ist das Ziel einer Narkose. Wie genau dieser Effekt zustande kommt, liegt aber gar nicht so selbstverständlich auf der Hand, wie man vielleicht glauben würde, berichtet die Universität Frankfurt am Main.

Bisher seien Forscher davon ausgegangen, dass Narkosemittel die Signalübertragung zwischen verschiedenen Hirnarealen unterbrechen. Frankfurter Neurowissenschafter fanden jetzt zusammen mit Kollegen vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation aber heraus, dass bestimmte Areale unter Narkose weniger Informationen produzieren. Die oft gemessene Reduktion von Informationstransfer unter Narkose könnte also eine Folge dieser reduzierten Produktion sein und nicht eine Folge gestörter Signalübertragung.

Zwei Möglichkeiten für das große Schweigen

Um den Unterschied zu verdeutlichen, ziehen die Forscher folgenden Vergleich: Wenn in einer Stadt kaum noch Telefongespräche geführt werden, kann es sein, dass mehrere Telekommunikationssysteme zusammengebrochen sind – oder es ist Nacht und die meisten Leute schlafen.

In einem narkotisierten Gehirn sei es ähnlich: Findet auffallend wenig Informationsübertragung zwischen verschiedenen Gehirnarealen statt, ist entweder die Signalübertragung in den Nervenfasern gehemmt, oder bestimmte Gehirnareale sind weniger aktiv bei der Erzeugung von Informationen.

Überprüfung an Frettchen

Die zweite Hypothese hat nun das Team um Patricia Wollstadt untersucht. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von "PLOS Computational Biology" mitteilen, untersuchten sie im Gehirn von Frettchen "Quellareale" des Gehirns, aus denen unter Narkose weniger Informationen übermittelt wurden als im Wachzustand. Sie fanden, dass dort die Informationsproduktion unter Narkose stärker beeinträchtigt war als in den "Zielarealen", in die Information übertragen wird.

Dies deute darauf hin, dass die in der Quelle verfügbare Information den Transfer bestimmt und nicht eine gestörte Signalübertragung. Wäre Letzteres der Fall, würde man eine stärkere Reduktion in Zielarealen erwarten, da hier weniger Information ankommt. (red, 5. 6. 2017)

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