Reisethrombose: Die Crux mit den Stützstrümpfen

Blog4. Juni 2017, 15:00
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Die Angst vor Thrombosen lässt mich Stützstrümpfe ausprobieren – mitunter sind sie alles andere als bequem

Je mehr ich weiß, umso beunruhigter bin ich. Bin ich die vergangenen 30 Jahre vollkommen sorglos ins Flugzeug gestiegen, denke ich jetzt an sämtliche Gefahren. Die bakterienverseuchte Luft in der Kabine in Kombination mit der geringen Luftfeuchtigkeit zum Beispiel, die jeden Urlaub mit einer Verkühlung beginnen lässt. Oder die eiskalte Luft aus den Düsen über dem Sitz: Da spüre ich förmlich, wie der Luftzug meine Muskeln erstarren lässt! Aber wirklich besorgniserregend finde ich die Möglichkeit einer Reisethrombose und die Fantasie, dass ich über den Wolken eine Lungenembolie erleide und sterbe.

Allerdings ist meine Sorge nicht groß genug, um mir vor Antritt des Fluges einen Gerinnungshemmer zu spritzen. Stufe eins gegen die Angst sind also Stützstrümpfe. Ich habe sie unlängst auf einem Langstreckenflug aus Kalifornien nach Hause ausprobiert.

Mit Hürden. In Los Angeles ist es sehr warm. Flipflop-Wetter also irgendwie. Und weil mein Flug erst abends ging und ich den letzten Tag noch in Venice Beach am Strand verbringen wollte, habe ich die Stützstrümpfe in meine Handtasche gepackt.

Action am Flughafenklo

Am Abend war es dann so weit. Gepäck eingecheckt, Sicherheitskontrolle passiert – und jetzt heißt es: Ab auf die Toilette, um mir die Stützstrümpfe für den Flug anzuziehen. Und da beginnt das Dilemma. Denn Stützstrümpfe haben im Gegensatz zu normalen Strumpfhosen mehr Spannung. Sie sitzen enger, und deshalb ist es gar nicht so einfach, hineinzukommen.

Man zieht sich also in der Toilettenkabine aus, ich sitze auf der Klobrille und versuche, mir mit aller Gewalt die Strümpfe überzuziehen. Die automatische Spülung geht alle paar Sekunden los. Das spritzt manchmal, ist grausig. Doch Eile ist bei dieser Anziehaktion total kontraproduktiv. Ich habe den Strumpf an, aber das sehr enge Fußteil ist total verdreht. "Nein, dieses Gefühl halte ich nicht neun Flugstunden durch." Also noch mal von vorne. Ich beginne zu schwitzen. Das erschwert die Sache noch einmal – aber irgendwann und viele automatische Spülvorgänge später habe ich es geschafft.

Alles andere als schön

Die Strümpfe sind an. Sie heißen Light Legs. Ich bin gut gerüstet für den Flug. Auf der Verpackung steht: "Transparente 20 DEN Strumpfhose, die sich wunderbar anfühlt und fantastisch aussieht." Warum steht das da drauf, frage ich mich? Ich habe zirka zwei Stunden gebraucht, um mich an die Enge der Strumpfhose zu gewöhnen. Irgendwo über dem mittleren Westen der USA war es dann aber so weit. Ich hatte mich gewöhnt.

Geholfen hat, dass es in der Flugkabine sehr kalt war. Und schön aussehen tun diese Strumpfhosen wirklich nicht. Ich luge mit Grauen auf die sichtbaren Abschnitte meiner Unterschenkel, die zwischen Hose und Turnschuhen gräulich-käsig zu mir heraufleuchten. Die Stützstrumpfhersteller sollten mal nach Venice Beach fahren und sich dort die fantastisch gebräunten Beine der kalifornischen Strandbienen ansehen – oder ihre Produkte auch nur mit wirklich schönen Strumpfhosen vergleichen.

Aber um all das geht es nicht, sondern um die Angst vor der Reisethrombose: Dafür muss man eben ein bisschen was aushalten und tapfer sein. Gegen die Angst sind mir am Ende alle Mittel recht. (Karin Pollack, 4.6.2017)

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  • Karin Pollack beschäftigt sich von Berufs wegen mit Gesundheit. Manchmal ist sie selbst krank oder verletzt, wie in diesem Fall.
    foto: rawicka/istockphoto

    Karin Pollack beschäftigt sich von Berufs wegen mit Gesundheit. Manchmal ist sie selbst krank oder verletzt, wie in diesem Fall.

  • Mein Stütztstrumpfexperiment bei einem Langstreckenflug war mit einer Strumpfhose, es gibt aber auch "kürzere" Varianten.
    foto: istockphoto

    Mein Stütztstrumpfexperiment bei einem Langstreckenflug war mit einer Strumpfhose, es gibt aber auch "kürzere" Varianten.

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