Klimaabkommen: Disney- und Tesla-Chefs geben Trump-Beratung auf

2. Juni 2017, 10:31
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US-Konzerne kritisieren Trumps Rückzug aus dem Weltklimavertrag, manche nötigt dies zum ersten Tweet ihres Lebens

Washington – Nach dem angekündigten Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen will auch der Chef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney nicht länger als Berater von Präsident Donald Trump herhalten. Er ziehe sich aus dem Beratergremium des Präsidenten zurück, schrieb Robert Iger am Donnerstagabend auf Twitter.

Zuvor hatte sich schon der Chef des Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, zu diesem Schritt entschlossen. Iger und Musk waren mit einer Reihe anderer US-Konzernchefs in verschiedenen Komitees vertreten, die Trump in Wirtschaftsfragen beraten sollen. Der Präsident hatte am Donnerstag in einer Rede den Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen bekanntgegeben.

"Die Entscheidung, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen, war falsch für unseren Planeten", twitterte auch Apple-Chef Tim Cook. Der iPhone-Hersteller werde am Kampf gegen den Klimawandel festhalten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg schrieb in seinem Online-Netzwerk, der Beschluss sei "schlecht für die Umwelt, schlecht für die Wirtschaft und gefährdet die Zukunft unserer Kinder".

Auch aus der Finanzbranche und der Industrie gibt es viel Kritik. "Die Entscheidung ist ein Rückschlag für die Umwelt und für die US-Führungsposition in der Welt", erklärte der Chef der führenden US-Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, in seinem ersten Tweet überhaupt.

US-Konzerne

Zuvor hatten 13 umsatzstarke Unternehmen, darunter mehrere US-Konzerne wie Walmart und Microsoft, Trump zum Verbleib im Pariser Klimaschutzabkommen aufgefordert. In einem am Mittwoch veröffentlichten Brief hieß es, das Abkommen bringe Wettbewerbsvorteile, trage zum Wirtschaftswachstum bei und schaffe Arbeitsplätze.

Auch US-Energieminister Rick Perry hatte sich da noch gegen einen Ausstieg seines Landes aus dem globalen Klimaschutzabkommen ausgesprochen.

Die Unterzeichner des Briefs waren die Ölriesen BP und Shell, der Chemiekonzern Dupont, der Einzelhandelsgigant Walmart, die Technologiekonzerne Google, Intel und Microsoft, der Lebensmittelriese General Mills, der Pipeline-Betreiber National Grid, das Versorgungsunternehmen Pacific Gas and Electric, der Nahrungsmittel- und Kosmetikkonzern Unilever, das Pharmaunternehmen Novartis und der Elektrokonzern Schneider Electric.

In dem Schreiben hieß es weiter, die US-Unternehmen seien gut aufgestellt, um die Märkte für erneuerbare Energien zu beherrschen, und ein Ausstieg der USA aus dem Abkommen könnte sie von diesem expandierenden Sektor abschneiden. Der US-Ölriese Exxon Mobil hatte sich bereits vorher dafür stark gemacht, das Pariser Abkommen nicht aufzukündigen. Ähnliche äußerte sich der ehemalige Exxon-Mobil-Chef und jetzige US-Außenminister Rex Tillerson.

Andere Vorzeichen

Nach Einschätzung der deutschen Wirtschaft verändert die US-Entscheidung die Wettbewerbsbedingungen in der Welt. "Klimaschutz kann wirksam und wettbewerbsneutral nur von allen Staaten gemeinsam vorangetrieben werden", sagte der Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) Eric Schweitzer am Freitag.

"Der DIHK bedauert, dass die USA sich aus dem Klimaabkommen von Paris zurückziehen." Zugleich warnte er mit Blick auf etwaige Forderungen, nun in den anderen Staaten den Klimaschutz zu verstärken.

"Mit den USA verliert die globale Klimapolitik zugleich einen Verfechter marktwirtschaftlicher Instrumente", beklagte Schweitzer. Er gehe aber davon aus, dass der Klimaschutz in den USA nicht zum Stillstand kommen. Schließlich hielten die US-Bundesstaaten an Ausbauzielen für erneuerbare Energien fest. "Es besteht also weiterhin Potenzial für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit beim Klimaschutz", sagte Schweitzer. Die anderen Vertragsstaaten sollten an ihren gemeinsamen Zielen für den Klimaschutz festhalten. (APA/Reuters/red 2.6.2017)

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