Salzburg holt das vierte Double en suite

1. Juni 2017, 23:02
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Der Meister ringt Rapid im Finale zu Klagenfurt mit 2:1 nieder und feiert den insgesamt fünften Cupsieg. Die Hütteldorfer können ihre Saison nicht mehr retten. Altach erbt den Platz im Europacup

Klagenfurt – Rechtzeitig vor dem Cupfinale hatte es in Klagenfurt ordentlich gewittert. Spätesten jetzt weiß man, warum das an sich völlig sinnlose Stadion auf den Namen Wörthersee hört. Das 82. Endspiel bestritten am Donnerstagabend Rapid und Titelverteidiger Red Bull Salzburg, für Erstgenannte galt es, die völlig verkorkste Saison zu retten, zu krönen, den Sprung in die Europa League zu schaffen. Für die anderen ging es um das vierte Double hintereinander. In Falle des Gelingens eine historische Tat im österreichischen Fußball.

Die Rollen waren verteilt, Rapid der krasse Außenseiter, Salzburg demnach der klare Favorit. Klagenfurt war ein Klein-Hütteldorf, von den 20.200 Zuschauern waren ungefähr 17.200 Grün-Weiß zugetan. Beide Trainer, also Goran Djuricin und Óscar García, waren der Ansicht, dass jenes Team gewinnen werde, welches den größeren Hunger hat. Das sprach eigentlich für Rapid, denn die Wiener drohen zu verhungern, in den Mägen ist Platz. Der letzte Titel war die Meisterschaft 2008. Der 14. Cupsieg scheint nur in sehr dicken Kalendern auf, er stammt aus dem Jahr 1995. Die Salzburger sind allerdings nimmersatt, sie fressen und fressen und fressen, die Gier ist grenzenlos.

Hofmann wartet

Rapids Kapitän Steffen Hofmann saß zunächst auf der Bank, er hatte zuletzt zwei Ligapartien durchgeackert, für einen 36-Jährigen ist das anstrengend, also musste er auf seinen 528. Einsatz warten. Louis Schaub wurde rechtzeitig fit, Joelinton stürmte, die Innenverteidigung bildeten Maximilian Wöber und Christopher Dibon. Salzburg schöpfte praktisch aus dem Vollen, obwohl auch das Leere ein Brocken gewesen wäre. Im Tor stand nicht Alexander Walke, sondern Cican Stankovic. Andreas Ulmer verteidigte links in der Viererkette.

Es entwickelte sich eine sehr intensive Partie auf Augenhöhe, Rapid machte den theoretischen Niveauunterschied durch Aggressivität und Mut wett. Hochkarätige Torchancen und technische Gustostückerln wurden vermisst, der Meister war überhaupt nicht dominant, was auch am sehr passablen Auftritt des Gegners lag. Speziell Stefan Schwab waltete im Mittelfeld.

Tore fallen

In der zweiten Halbzeit erwachte Salzburg kurz. 51. Minute. Perfekter Angriff über mehrerer Stationen, Diadie Sammassekou setzt Lainer am Flügel ein, dessen präzisen Stanglpass verwertet der Südkoreaner Hee-Chan Hwang aus kurzer Distanz zum 0:1. Rapid blieb aber unbeirrt, konzentriert und vor allem hungrig, die lautstarke Unterstützung der Fans spornte an, setzte Kräfte frei, Joelinton und Christopher Dibon vergaben binnen weniger Sekunden knapp. 56. Minute: Nach Flanke von Mario Pavelic köpfelt Joelinton das 1:1. Nun war es endgültig ein Cupfight an der Grenze zum Klassiker. 70. Minute: Ulmer geht, Christan Schwegler kommt. Schaub humpelt angeschlagen vom Feld, Andreas Kuen ersetzt ihn. Drei Minuten später wechselt Djuricin ein zweites Mal, Arnor Traustason löst Tamas Szanto ab.

77. Minute: Rapid-Fans zünden Rauchtöpfe, Schiedsrichter Markus Hameter sieht nichts, unterbricht, nach ein paar Sekunden ist Klagenfurt wieder nebelfrei. 85. Minute: Valentino Lazaro schlenzt den Ball elegant zum 1:2 in Tor, liefert einen weiteren Beweis seiner Klasse. Davon erholte sich Rapid nicht mehr. Salzburg ist somit historisch, insgesamt war es der fünfte Cupsieg. Rapid konnte trotz guter Leistung den Hunger nicht stillen, die Rettung misslang, auch weil Christoph Schösswendter in letzter Minute per Kopf am Ausgleich scheitert. Hofmann muss auf seinen 528. Einsatz warten. Und Altach ist der Nutznießer, darf an der Qualifikation zur Europa League teilnehmen.

Siegestorschütze Lazaro vergoss ebenso Tränen wie die Rapidler. "Es war eine sehr fordernde Saison, die jetzt ein wunderbares Ende gefunden hat." (Christian Hackl, 1.6.2017)

ÖFB-Samsung-Cup, Finale, Donnerstag

SK Rapid – Red Bull Salzburg 1:2 (0:0)
Klagenfurt, Wörthersee-Stadion, 20.200 Zuschauer, SR Hameter

Torfolge:
0:1 Hwang (51.)
1:1 Joelinton (56.)
1:2 Lazaro (85.)

Rapid: Knoflach – Pavelic, Dibon, Wöber, Schrammel – Auer, Schwab – Schaub (71./Kuen), Szanto (73./Traustason), Murg (86./Schösswendter) – Joelinton

Salzburg: C. Stankovic – Lainer, Miranda, Wisdom, Ulmer (70./Schwegler) – Lazaro (91./Caleta-Car), Samassekou, V. Berisha, Wanderson (84./Haidara) – Laimer – Hwang

Gelbe Karten: Murg, Dibon bzw. Lainer

Stimmen

Oscar Garcia (Salzburg-Trainer): "Wir sind wirklich glücklich. Wir haben Charakter gezeigt, haben nach dem Tor weitergearbeitet. Es war aber auch ein bisschen Glück notwendig, denn Rapid ist eine gute Mannschaft."

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Ich sage, der Glücklichere hat heute gewonnen. Ich sage, dass wir phasenweise besser waren, zumindest waren wir giftiger. Wir haben richtig gut gespielt. Im Endeffekt waren wir wirklich besser. Ich muss mich bedanken bei den saugeilen Fans, die uns heute großartig unterstützt haben."

Valentino Lazaro (Salzburg-Mittelfeldspieler und Siegestorschütze): "Das war eine sehr emotionale Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Jetzt habe ich zweimal gegen Wiener entscheidende Tore gemacht, das ist sehr emotional. Jetzt haben wir Historisches geschafft."

Konrad Laimer (Salzburg-Mittelfeldspieler): "Ein Double ist etwas Besonderes, vor so einer Kulisse gegen Rapid zu gewinnen ist unglaublich. Man hat gemerkt, dass es für Rapid um alles ging, sie haben um jeden Zentimeter gekämpft. Es war ein richtig spannendes Spiel, aber wir haben über die gesamte Saison gesehen verdient das Double geholt."

Andreas Ulmer (Salzburg-Verteidiger): "Es war ein sehr, sehr schwieriges Spiel. Das 2:1 war überragend vom Tino gemacht. Wir sind alle überglücklich heute. Das war ein Spiel, das auf beide Seiten fallen hätte können. Wir haben ein bisschen mehr Glück oder Qualität gehabt, deswegen haben wir gewonnen."

Christopher Dibon (Rapid-Verteidiger): "Das tut mir wahnsinnig leid für den unglaublichen Anhang, wir haben bis zum Schluss gekämpft. Wir waren gut eingestellt, haben den Kampf angenommen und waren nicht schlechter. Es hätte auch in unsere Richtung gehen können. Im Moment ist einfach nur Leere."

Tobias Knoflach (Rapid-Torhüter): "Ich denke, wir haben heute so ein starkes Spiel gemacht. Wir wollten alle diesen Titel, diesen Pokal. Ich denke, wir hätten es uns heute so verdient, deswegen ist es umso bitterer für uns, weil ich glaube, wir haben mit viel Pech verloren."

  • Valentino Lazaro gebietet den Rapidlern Schweigen. Der Teamspieler entscheidet ein ausgeglichenes Cupfinale für den Meister, der als erstes Team in Österreich zum vierten Mal en suite das Double holt.
    foto: apa/expa/johann groder

    Valentino Lazaro gebietet den Rapidlern Schweigen. Der Teamspieler entscheidet ein ausgeglichenes Cupfinale für den Meister, der als erstes Team in Österreich zum vierten Mal en suite das Double holt.

  • Ein Moment der Erleichterung und Freude.
    foto: apa/expa/johann groder

    Ein Moment der Erleichterung und Freude.

  • Ein Moment des Stillstands. Rauch im Stadion machte eine kurze Unterbrechung notwendig.
    foto: apa/expa/johann groder

    Ein Moment des Stillstands. Rauch im Stadion machte eine kurze Unterbrechung notwendig.

  • Und am Ende landete die Trophäe einmal mehr bei den Salzburgern.
    foto: apa/expa/johann groder

    Und am Ende landete die Trophäe einmal mehr bei den Salzburgern.

  • Hände hoch!
    foto: apa/expa/johann groder

    Hände hoch!

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