Afrika: Jedes fünfte Zwillingskind stirbt vor dem fünften Lebensjahr

    2. Juni 2017, 09:31
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    Bei Zwillingskindern in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist das Risiko für einen frühen Tod hoch. Forscher empfehlen Betreuung und Geburt im Krankenhaus

    In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden besonders viele Zwillinge geboren, aber sie tragen ein hohes Risiko für einen frühen Tod. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die Daten von rund 1,7 Millionen Kindern aus den entsprechenden Ländern ausgewertet wurden. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "The Lancet" vorgestellt.

    Die Sterblichkeitsrate für Zwillinge und andere Mehrlingskinder liegt demnach bis zum fünften Lebensjahr bei 21,3 Prozent. Zwei Drittel der Todesfälle traten bereits im ersten Lebensmonat ein. Dabei waren Frühgeburten, Schwierigkeiten bei der Geburt und zu geringes Geburtsgewicht wichtige Faktoren. Bei den ausgewerteten Geburten aus den Jahren 1995 bis 2014 lag der Anteil der Zwillinge bei den Todesfällen aller Kinder bei gut zehn Prozent. Der Anteil der Todesfälle kurz nach der Geburt lag mit gut 15 Prozent nochmals darüber.

    UNO-Ziel infrage stellen

    Nach den Berechnungen der Forscher um Christiaan Monden von der Universität Oxford und Jeroen Smits von der Universität Nimwegen sterben in Afrika südlich der Sahara jährlich 315.000 Zwillingskinder. Um die Zahl zu verringern, müsse es gelingen, eine zu erwartende Zwillingsgeburt möglichst früh in der Schwangerschaft zu diagnostizieren und den Anteil der Frauen zu erhöhen, die bei Zwillingsgeburten im Krankenhaus entbinden, so Monden.

    Die Auswirkungen der hohen Zwillingssterblichkeit seien so groß, dass durch sie das von der UNO ausgegebene Ziel infrage gestellt werde, die Sterblichkeit bis zum Ende des ersten Lebensmonats bis 2030 auf zwölf von tausend Geburten zu drosseln, so Smits.

    Der Anteil von Zwillingskindern unter allen Kindern, die im Afrika südlich der Sahara geboren werden, liegt laut der Studie bei drei bis vier Prozent. Möglicherweise liege der Anteil sogar noch höher, was aus den Geburtsregistern jedoch nicht abzulesen sei, weil in manchen Fällen eine Einzelgeburt gemeldet werde, wenn eines der Kinder tot zur Welt komme. (APA, 2.6.2017)

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