Literaturtage: Von schwarzen Witwen und dichtenden Dieben

1. Juni 2017, 16:33
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Petra Piuk, Robert Schinde, Josef Winkler, Antonio Fian, Bettina Balàka und Fiston Mwanza Mujila gastieren bei neuem Literaturfestival

Karin Fleischanderl (Kolik) hat das Programm für die ersten Steyrer Literaturtage zusammengestellt. Den Anfang macht am Freitag Robert Schindel. Der vor allem für seinen Roman Gebürtig bekannte 73-Jährige ist mit Scharlachnatter (Suhrkamp) 2015 zur Lyrik zurückgekehrt, zur Eröffnung liest Schindel unveröffentlichte Gedichte.

Am Samstag geht es nach Petra Piuk (Lucy fliegt, Kremayr & Scheriau, 2016) mit Bettina Balàka weiter: Diese hat zuletzt mit Die Prinzessin von Arborio (Haymon, 2016) einen psychologischen Tatsachenkrimi über eine schwarze Witwe geschrieben: Elisabetta Zorzi ist eine erfolgreiche Restaurantchefin, die alle bei ihr in Missgunst gefallenen Männer ins Jenseits befördert. Zuletzt verfällt ihr auch noch der Profiler.

Mit ganz anderen Dämonen schlägt sich der Kärntner Josef Winkler herum. In seinen Werken erzählt er oft von der patriarchalisch geprägten Welt auf dem Land. In Steyr stellt er Die Wutausbrüche der Engel (Suhrkamp, 2017) vor. Schauplatz ist wieder ein von katholischen Engeln und Teufeln besetztes Kärntner Dorf, aus dem der Protagonist nach Paris ausbricht, um die expressiven Bilder des russisch-jüdischen Malers Chaim Soutizu zu studieren.

Winkler rekapituliert Soutines Leben, Kindheit und Jugend des Dichters und Diebs Jean Genet – dem Säulenheiligen in Winklers Kunstkosmos. De facto also eine Abhandlung über die umstürzlerische Wirkung großer Literatur auf das eigene Leben.

Danach präsentiert der aus dem Kongo stammende und seit einigen Jahren in Graz lebende Fiston Mwanza Mujila in seinem Debütroman Tram 83 (Zsolnay) ebenfalls Gesetzesbrecher: Der einzige Nachtklub in einer heruntergekommenen afrikanischen Großstadt ist ein Refugium für Verlierer, Profiteure, Prostituierte, Ex-Kindersoldaten und Studenten, die sich dort betrinken und Krieg und Korruption vergessen wollen. So wie die ungleichen Freunde Lucien, ein Schriftsteller auf der Flucht vor Erpressung und Zensur, und der Gauner Requiem. Die Musik zur Lesung kommt von Patrick Dunst.

Mit der Sonntagsmatinee und einem Auftritt von Antonio Fian (mit dem sechsten Dramoletten-Band Schwimmunterricht) und den Neo-Wienerliedmusikanten vom Kollegium Kalksburg (aktuelles Programm: Man kann nicht alles wissen) geht das Festival zu Ende. (dog, 1.6.2017)

2.-4. 6., Steyr, Rathaus-Innenhof, Buchhandlung Ennsthaler, Schwechaterhof, 19.00, Sa 15.00, So 11.00

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Steyrer Literaturtage

  • Petra Piuk.
    foto: www.detailsinn.at

    Petra Piuk.


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