Pfingstfestspiele: Ein Fest barocker Liebeswirren

1. Juni 2017, 16:44
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Die Salzburger Pfingstfestspiele laden ab Freitag in eine mythische Zauberwelt. Die Festivalchefin und Sopranistin Cecilia Bartoli ist in Händels Oper "Ariodante" zu erleben

Salzburg – Was immer man von der recht kurzen Salzburger Ära Alexander Pereiras halten mochte – die Entscheidung, Sopranistin Cecilia Bartoli zur Leiterin der Pfingstfestspiele zu wählen, war eine gute. Die Weltsängerin mit der flexiblen und geläufigen Kunst, die sich auf der Bühne als intensive Sängerdarstellerin präsentiert, agiert auch als Festivalbastlerin behutsam und durchdacht.

Das jeweils gewählte Thema wirkt nie über ein beliebiges Programm alibimäßig gestülpt. Vielmehr werden Programmpunkte sorgfältig um eine zentrale Produktion angeordnet, die später vom Salzburger Sommerfestival wiederaufgenommen wird.

Neues Orchester

Heuer geht es in eine mythische, romantische Zauberwelt: Bartoli wird als Ariodante in der gleichnamigen Händel-Oper zu erleben sein, bei der Christof Loy Regie führt. Es dirigiert Gianluca Capuano die Musiciens du Prince – Monaco. Es ist ein neues Orchester, das Bartoli gegründet hat. Wieso das? "Während meines St.-Petersburg-Projekts inspirierte mich die Musiktradition der europäischen Höfe im 17. und 18. Jahrhundert, als jeder europäische Hof, jeder Fürst und Zar oder Zarin ihre eigenen Kapellen und Orchester engagierten und unterhielten", so Bartoli. "Ich dachte, es könnte eine wunderbare Idee sein, ein solches Orchester neu zu erschaffen. Eines Tages diskutierten wir Projekte mit der Oper von Monte-Carlo, und da klickte es: Warum nicht ein neues Orchester unter der Schirmherrschaft des Fürsten von Monaco kreieren?"

Man habe Fürst Albert II. die Idee präsentiert, "und er und Prinzessin Caroline von Hannover waren sofort bereit, das Projekt zu unterstützen. Wir brachten die besten Musiker aus aller Welt zusammen, die ich im Laufe meiner Karriere kennengelernt habe, und erschufen so Les Musiciens du Prince – Monaco".

Es sei "ein Ensemble hervorragender und begeisterter Musiker, jeder einzelne von ihnen professionell hoch anerkannt und spezialisiert. Und nun feiern wir das Debüt des Orchesters bei den Salzburger Pfingstfestspielen", so Bartoli, die beim Festival neben der Hosenrolle auch in einem Konzert mitwirken wird, bei dem La Donna del Lago, die schottische Oper Rossinis, konzertant interpretiert wird. Die Dame hat in diesen Tagen also einiges zu tun. Aber mit oder ohne Conchita-Bart – sie ist ein Profi, der zu Ariodante meint: "Ariodante ist ein Krieger. Er ist ein mutiger Vasall, gesellschaftlich anerkannt, ein vernunftbegabter Mann. Als er denkt, dass ihn seine Geliebte Ginevera, die Tochter des schottischen Königs, betrogen hat, wird er verletzlich. Es ist eine Geschichte tiefer und ehrlicher Liebe – ein universelles, gültiges Thema." (Ljubisa Tosic, 1.6.2017)

  • Cecilia Bartoli über "Ariodante" und jenen Haupthelden, den die Italienerin spielt: "Es ist eine Geschichte von tiefer Liebe – zu einem universellen Thema."
    foto: apa / monika rittershaus

    Cecilia Bartoli über "Ariodante" und jenen Haupthelden, den die Italienerin spielt: "Es ist eine Geschichte von tiefer Liebe – zu einem universellen Thema."


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