AMD-Ryzen-Prozessoren im Test: Preis-Leistungs-Sieger für PC-Spieler

    Test5. Juni 2017, 09:28
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    R5 und R7 zeigen mit seiner neuen Zen-Mikroarchitektur, dass CPUs mit sechs und acht Kernen nicht teuer sein müssen

    Der Hauptprozessor führt bei Gamern bekanntlich eher ein Schattendasein. Dabei ist er auch für die Handhabung der Grafikkarte verantwortlich und damit ein wichtiger Teil für ein ruckelfreies Spielerlebnis. Ein zu schwacher Prozessor, zu wenig Takt oder nicht ausreichend viele Prozessorkerne können vor allem starke Grafikkarten limitieren. Wer sich allerdings vor kurzem auf dem Markt umgesehen hat, weiß wie schmerzlich hoch die Preise von den bislang konkurrenzlosen Intel-Prozessoren sind. Speziell Modelle mit mehr als vier Kernen kosten schon mehr als eine gute Grafikkarte.

    bild: matthias zronek
    Die neuen Ryzen-Prozessoren von AMD.

    Ryzen bringt Schwung in den Markt

    Bislang kostete ein Achtkerner von Intel zumindest 1000 Euro, für sechs Kerne mussten knapp über 400 Euro berappt werden. Der frisch angekündigte R7 1700X mit 8x 3,4 GHz kostet mit 384 Euro hingegen gerade mal ein Drittel, der R5 1600 mit 6x 3,2 GHz ein wenig über die Hälfte im Vergleich zur Konkurrenz von Intel. Der Preis stimmt also schon, nur wie sieht es mit der Leistung aus? Eine gewisse Skepsis ist angebracht, denn mit den FX-Prozessoren hat AMD schon einmal günstige Octacores vermarktet, die mit Intel in keiner Form mithalten konnten. Deshalb ist AMD komplett von der Modul-Strategie des Vorgängers abgekommen und setzt wieder auf eine klassische Mikroarchitektur. Hinzugekommen sind ein brandneuer Micro-op-Cache, schnelle L1- und L2-Caches und Simultaneous Multithreading, kurz SMT, zur Verdoppelung der Kernanzahl durch virtuelle Threads (Teile der Kerne finden sich doppelt wieder, um mehr Instruktionen gleichzeitig abarbeiten zu können). All diese Features sind jedoch seit Längerem bei Intel bekannt und werden den fundierten Leser nicht sonderlich überraschen.

    Fool me once, shame on you. Fool me twice …

    Der gute Preis von Ryzen sollte kritisch betrachtet werden, und zwar am besten in Form von objektiven Benchmarks. Getestet wurden sieben aktuelle Blockbuster in den für diese Testkandidaten praxisrelevanten Auflösungen 2560x1440 und 3840x2160 (4K). Die Details befinden sich je nach Spiel am Bereich des maximal Möglichen, rein GPU-lastige Features wie Antialiasing, Postprocessing (zB: Motion Blur) und NVIDIA Hairworks sind deaktiviert. Als Grafikkarte kommt eine ASUS Strix GeForce GTX 1080 mit 8 GB Grafik-Speicher zum Einsatz.

    Im Laufe des ausführlichen Testvorgangs wurden nicht nur Spiele getestet, sondern jegliche Anwendungsgebiete für Prozessoren, wie zum Beispiel Video-Enkodierung, 3D-Rendering, Javascript-Performance, Verschlüsselung und vieles mehr. Die folgende Zusammenfassung stellt sich aus insgesamt 13 CPU-Benchmarks, 8 System-Tests (3DMark, VRMark und PCMark) und den oberhalb gezeigten Spieletests zusammen:

    Die Gesamtpunktezahl stellt sich aus der Summe aller Benchmark-Ergebnisse zusammen. Das Produkt mit dem besten Wert erhält 100 Punkte, ein Produkt mit einem genau halb so guten Resultat nur 50. Die erzielte Punktezahl pro Benchmark ist also relativ zum besten Wert/Produkt in jedem Benchmark zu sehen.

    Unschlagbare (und unleistbare) zehn Kerne

    Die Gesamtwertung holt sich wenig überraschend das gleichzeitig mit Abstand teuerste Topmodell von Intel, der i7-6950X, mit einem Neupreis von 1600 Euro. Er ist allerdings auch der einzige Testkandidat mit zehn Kernen. Auf Platz 2 kann sich gerade noch der Vorgänger i7-5960X mit seinen acht Kernen positionieren, für den ebenfalls noch deutlich über 1100 Euro hingelegt werden müssen. Umso mehr darf man sich über den Stockerlplatz für den übertakteten R7 1700X mit 3,9 GHz freuen, der circa ein drei Mal so gutes Preis-/Leistungsverhältnis wie der zweitplatzierte Prozessor hat. Mit der im Werk eingestellten Taktrate muss der Ryzen-Achtkerner sich trotzdem dem hochgezüchteten i7-7700K mit 4,5 GHz geschlagen geben. Das liegt aber nicht nur am geringeren Takt, sondern auch daran, dass die Gaming- und System-Tests noch nicht von den vielen Kernen, aber dafür umso mehr vom hohen Takt profitieren.

    Den Sechskernern von Intel macht der R5 1600 das Leben schwer. In der Gesamtwertung braucht er zwar eine Taktrate von 4 GHz, um die Pendants i7-6800K und i7-5820K einzuholen, lässt aber auch ganz ohne Übertaktung durch seinen guten Preis die Konkurrenz im Regen stehen.

    Weniger Argumente bringt der R5 1400 für sich mit. Seine vier Kerne können letztendlich nicht einmal dem i3-7350K mit nur zwei Kernen die Show stehlen. Preislich liegen sie zwar gleichauf, aber es fehlt einfach an Takt, um zu überzeugen. Mit 3,9 GHz, also um 500 MHz übertaktet, kann er noch aufholen und reiht sich zwischen i7-3770K und i7-4770K ein, die beide schon in die Jahre gekommen sind.

    Viel unausgeschöpftes Potenzial

    Für Gamer zeichnen die Testergebnisse auf den ersten Blick kein gutes Bild für Ryzen. Die Spiele-Benchmarks müssen jedoch zuerst in Relation gesetzt werden, um sie korrekt interpretieren zu können. Die verwendete GeForce GTX 1080 wird durch die praxisrelevanten Spieledetails häufig limitiert. Deshalb unterscheiden sich die Spitzenplätze in den einzelnen Benchmarks um 1-2 nicht signifikante Frames pro Sekunde. Das zeigt, dass alle Testkandidaten durch die Bank überraschend gut für diese High-End-Grafikkarte geeignet sind. Sogar ein R5 1400 mit nur vier Kernen und 3,4 GHz Turbo-Takt erreicht in der Gesamtwertung für Spiele ganze 92% (allerdings wäre eine schwächere Grafikkarte hier eine bessere Paarung).

    Langfristig steht in Aussicht, dass die aktuelle, PC-nahe Konsolengeneration mit acht Kernen und vergleichsweise geringem Takt die Optimierung von Spielen für viele Cores vorantreibt. Außerdem brauchen laut AMD die Spieleentwickler noch "Zeit mit Zen", um ihre Engines auf die Vorteile von Ryzen anzupassen. Daher verfügen vor allem die Sechs- und Achtkerner im Gaming-Bereich noch über viel Potenzial, das derzeit kaum ausgeschöpft wird.

    Die Messergebnisse zeigen ein klares Bild: Ryzen bleibt unter Last deutlich kühler und braucht auch weniger Strom als die Konkurrenz von Intel mit derselben Anzahl an Kernen. Das gesamte Testsystem macht mit Ryzen einen sehr balancierten Eindruck, behält im wahrsten Sinne des Wortes einen kühlen Kopf und kann uns in auf ganzer Linie überzeugen.

    Wer nur die maximale Framerate auf seinem Bildschirm sehen möchte, der kommt auch weiterhin nicht um den Kauf eines Core i7-7700K herum. Er kann in so manchen Spielen (wohlgemerkt bei deutlich über 100 FPS) noch den ein oder anderen Frame herausholen. Die hohe Taktfrequenz hat jedoch auch einen Preis: Mindestens 353 Euro für nur vier Kerne und ein Prozessor, der unter Last sehr heiß wird (teilweise über 90 °C). Der i5-7600K wäre hier die vernünftigere Wahl.

    Fazit

    Unterm Strich kann Ryzen durch ausreichend Performance in Spielen und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen. Der Leistungssprung im Vergleich zum Vorgänger ist gewaltig, obwohl Intel weiterhin die Leistungskrone besetzt. Ein niedriger Stromverbrauch (korrekt: Leistungsaufnahme) und geringe Abwärme während dem Spielen runden den Gesamteindruck positiv ab und lassen beim nächsten Gear-Upgrade bedenkenlos den Griff zu einem Ryzen-Prozessor zu. (Matthias Zronek, 5.6.2017)

    In Sinne der redaktionellen Leitlinien: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Overclockers.at. Mehr Erfahrungsberichte zu AMD Ryzen-Prozessoren finden Sie hier.

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