"Rime" im Test: Adventure-Perle am Rande des Videospiel-Olymps

    4. Juni 2017, 11:00
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    Abenteuer überzeugt mit hinreißendem Design, bleibt spielerisch aber hinter den Genre-Legenden zurück

    Vier lange Jahre hat es gedauert, jetzt hat das spanische Entwicklerstudio Tequila Works endlich sein heiß erwartetes Abenteuer "Rime" fertiggestellt. Schon die erste Trailerpräsentation im Jahr 2013 weckte die Vorfreude auf ein Spiel, das außergewöhnliche Ästhetik versprach, und dieses Versprechen wurde eingehalten: "Rime" ist in seinem hellen, freundlichen Stil mit starken Primärfarben, zeichentrickhaften Figuren und Animationen und traumhafter, sonnendurchfluteter Inselwelt rein optisch ein absoluter Genuss geworden.

    Als schiffbrüchiger Junge beginnt das Abenteuer am Strand einer mysteriösen Insel, die Stück für Stück erforscht werden will. Gesprochen wird dabei übrigens nicht – obwohl der Protagonist auf Knopfdruck leise summt oder Schreie ausstößt, erzählt "Rime" seine Geschichte ohne Worte. Auf der Insel warten weiße Ruinen und verlassene Gebäude, im Inneren eines gigantischen weißen Turms, der sich über dieser mediterran anmutenden Inselwelt erhebt, warten – vielleicht – die Antworten auf die Fragen, die sich Spielerinnen und Spieler im Verlauf der etwa sechs Stunden langen Handlung aufdrängen.

    Katalogurlaub auf der Inselwelt

    Vor allem die Außenwelt der Insel ist so beeindruckend atmosphärisch und idyllisch geraten, dass man sich wieder und wieder an fast mythische Mittelmeerinselbilder erinnert fühlt. Das türkisblaue Meer, die strahlend weißen Gebäude und die Erdtöne der Insel machen auch im Wechsel der Lichtstimmung eine ausnehmend gute Figur, und besonders zu Beginn des Spiels wechselt diese mit vergleichsweise schnellen Tag- und Nachtstimmungen häufig, vom Sonnenaufgang über die grelle Mittagshitze bis zum sternenvollen Nachthimmel. Der orchestrale Soundtrack lässt das wortlose Abenteuer besonders stimmig werden.

    Bei der Erforschung der Ruinen sind immer wieder Rätsel zu lösen, die von eher simplen Verschiebepuzzles über Kletterpartien bis hin zu originelleren Licht- und Schattenspielen reichen. Auch wenn "Rime" sein Puzzle-Arsenal von Abschnitt zu Abschnitt immer wieder variiert, bleiben die meisten Herausforderungen moderat bis einfach – und hin und wieder sorgt auch die etwas zu häufige Wiederholung einzelner Rätselsequenzen für künstliche Streckung. Wie überhaupt das zentrale Gameplay-Element – die Abfolge verschiedener Puzzles, die zur Erforschung der Welt gelöst werden müssen – im Vergleich zur Präsentation etwas farblos bleibt: "Rime" fehlt in seinen Spielmechaniken ein unverwechselbarer, ganz eigener Charakter.

    So läuft und rätselt man sich durch eine zwar wunderschöne, aber in ihren Aufgaben auch leicht generische Abenteuerwelt, die durch einen Strauß an unterschiedlichen Puzzle-Arten davon ablenkt, dass man die meisten dieser Rätsel schon von anderen Spielen kennt. Das macht "Rime" ein wenig zum Katalogurlaub, in dem alles ausnehmend hübsch, angenehm und angemessen, aber kaum etwas wirklich herausragend oder außergewöhnlich ist.

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    Trailer zu "Rime".

    Fazit

    Es ist schwer, in den Olymp jener Spiele vorzustoßen, die "Rime" offensichtlich als Inspiration gedient haben. Die wortlose Mystik von "Journey", das Erforschen exotischer Ruinenzivilisationen in "Abzû", die durch das Riesenfabelwesen Trico entscheidend erweiterten Rätselwelten von "The Last Guardian" und natürlich Kultspiele wie "Wind Waker" aus der "Zelda"-Reihe werfen einen großen, zu großen Schatten, aus dem "Rime" kaum jemals hervortritt.

    Das heißt aber nicht, dass sich das Abenteuer nicht lohnt, denn allein die Tatsache, dass sich "Rime" im direkten Vergleich mit diesen Legenden wacker hält, spricht schon für seine unleugbare Qualität. Gerade Freunde der genannten Titel finden in Tequila Works’ Inseltrip einen weiteren, absolut einnehmenden Abenteuerurlaub auf einer traumhaft schönen Inselwelt, der den Aufstieg in die "Hall of Fame" der ganz zeitlosen Klassiker nur knapp verfehlt. PC-Spielerinnen und Spieler seien darauf hingewiesen, dass aktuell bei manchen Systemen Performance-Probleme auftreten, an deren Behebung noch gearbeitet wird. (Rainer Sigl, 4.6.2017)

    "Rime" ist für PS4, Xbox One und Windows-PC erschienen. UVP: 34,99 Euro Euro.

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