Klimawandel belastet Wälder mit Dürre, Feuer, Wind, Insekten- und Pilzbefall

5. Juni 2017, 13:30
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600 Forschungsarbeiten über die wichtigsten Stressfaktoren für Bäume ausgewertet

Wien – Der Klimawandel verstärkt weltweit den Stress für Wälder in Form von Dürre, Feuer, Wind, Insekten- und Pilzbefall. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von 600 Publikationen der vergangenen 30 Jahre über möglichen Klimafolgen für den Wald, die im Fachjournal "Nature Climate Change" veröffentlicht wurde.

"Unsere Studie zeigt, dass der Klimawandel Störfaktoren auf der ganzen Welt maßgeblich beeinflusst – und dass in nächster Zeit mit einem weiteren Anstieg von Störungen im Wald zu rechnen ist", so Erstautor Rupert Seidl vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. Bisher seien solche Stressfaktoren primär isoliert voneinander und lokal betrachtet worden. Die Erkenntnisse über das Zusammenspiel der verschiedenen Stressfaktoren im globalen Klimawandel seien überdies lückenhaft gewesen.

Schlag auf Schlag

In der Überblicks-Studie haben Wald-Experten aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Finnland, Italien, Spanien, Tschechien, Schottland, der Slowakei und Slowenien Forschungsergebnisse analysiert, die einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Störungen und Klimafaktoren herstellen. Zusätzlich haben sie untersucht, wie indirekte Folgen, also etwa eine Veränderung der Baumarten im Wald, das Auftreten von Störungen beeinflussen. Vor allem diese indirekten Effekte sowie die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Faktoren sind damit erstmals in der Forschung rund um Waldstörungen so umfassend zusammengetragen worden.

Die Kette der Klimafolgen beginne mit den Auswirkungen des sich verändernden Klimas auf das Wachstum der Bäume, sei aber deutlich länger: "Durchtränkt mehr Regen die Waldböden oder sind diese seltener gefroren, dann haben die Bäume bei Sturm weniger Halt und die Schäden nehmen zu. Die vielen toten und absterbenden Bäume bieten wiederum ein ideales Brutmaterial für eine rasche Vermehrung von Insekten wie zum Beispiel Borkenkäfern. Gleichzeitig sind auch die noch lebenden Bäume geschwächt, sodass sie anfälliger für Insektenbefall sind", so Seidl, der mit einem internationalen Wissenschafterteam den Übersichtsartikel geschrieben hat.

Erhöhte Störfrequenz

Mehr als ein Drittel der Landmassen weltweit ist von Wäldern bedeckt und grundsätzlich seien "natürliche Störungen wie Brände, Insektenbefall oder Stürme ein normaler Teil dieser Ökosysteme", so Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Solche natürlichen Störungen könnten sogar gut sein, weil die Erneuerung etwa eine größere Vielfalt von Arten begünstige.

"Doch diese gewohnten Störungen haben sich in den letzten Jahren durch den Klimawandel bereits verändert", erklärte Reyer. Das habe Folgen für die Fähigkeit des Waldes, den Menschen nützlich zu sein – zum Beispiel mit seinem Holz, als Schutz vor Lawinen oder auch einfach als Erholungsraum. "Verstärkt der Klimawandel die Störungen immer weiter, ist das ein Risiko für die Widerstandsfähigkeit der Wälder – langfristig könnten sich die Ökosysteme so wie wir sie heute kennen gravierend verändern."

Nur ein Störfaktor wird kleiner

Als Beispiel für mögliche Auswirkungen nennen die Forscher die verheerenden Waldbrände in Kanada und Russland in den vergangenen Jahren. Die Wälder in Nord- und Mitteleuropa würden hingegen derzeit vor allem durch Stürme und darauffolgende Insektenschäden beeinflusst, die ebenfalls durch den Klimawandel zunehmen werden. Schäden durch Eis und Schnee waren die einzigen Störfaktoren, die durch den Klimawandel wahrscheinlich abnehmen werden. Dieser positive Effekt könne aber die negativen Einflüsse durch andere Faktoren nicht ausgleichen.

Angesichts der "enormen Herausforderung" für die Wälder müsse sich die Forstwirtschaft anpassen und die Widerstandskraft erhöhen, "da Schäden wohl nicht völlig verhindert werden können", so Seidl. Langfristig helfe aber vor allem, den Ausstoß von Treibhausgasen rasch zu reduzieren und wirksame Klimaschutzmaßnahmen zu treffen. (APA, red, 5. 6. 2017)

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