Voestalpine kämpft mit Unbill in den USA

1. Juni 2017, 08:08
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Strafzölle drohen, internationale Handelsabkommen bröckeln

Wien/Linz/Washington – Der Stahlkonzern voestalpine, der in den vergangenen Jahren massiv in den USA investiert hat, tritt dort jetzt auf die Bremse. Zum einen müssen die getätigten Investitionen sukzessive hereinverdient werden, zum anderen droht der neue US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen und bringt internationale Handelsabkommen ins Wanken. Die voestalpine hat bereits eine eigene Taskforce USA eingerichtet.

"Der Aufwand ist ein enormer", raumte Konzernchef Wolfgang Eder am Donnerstag im Zuge der Bilanzpressekonferenz ein. "Wir sind derzeit dabei, unsere Position rechtlich auszuloten." In den nächsten vier bis acht Wochen soll sich die Lage – auch mit Hilfe von Anwälten in Europa und den USA – klären. Es gebe "massiven Schriftverkehr und aufwendige Ermittlungsverfahren". "Parallel dazu sind wir dabei, Alternativkonzepte für die Produkte, die es betrifft, herauszuarbeiten", so Eder. "Es ist natürlich nicht eine einfache Situation, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen." Mit dem Großteil der Investitionen in den USA habe die voestalpine "keine Probleme". Das Unternehmen stellt sich aber auf einen protektionistischen Kurs in der US-Wirtschaftspolitik ein.

Wirtschaftspolitischer Schwenk in den USA

Die voestalpine erzielt in den USA laut Eder derzeit einen Umsatz von 984 Mio. Euro – weltweit sind es über 11 Mrd. Euro. Vom Schwenk in der amerikanischen Wirtschaftspolitik betroffen sei "nur der geringere Umsatzanteil". "Im Wesentlichen geht es um 400 Mio. Euro an Umsatz", so der Konzernchef. "Von der Diskussion nicht erfasst" seien etwa die sieben Weichenstandorte und das neue Roheisenwerk im texanischen Corpus Christi, betonte Eder heute, Donnerstag, im Zuge der Bilanzpressekonferenz.

In den vergangenen fünf Jahren hat die voestalpine den Angaben zufolge 1,2 Mrd. Dollar in den USA investiert – gut 1 Mrd. Dollar davon floss in das neue Roheisenwerk in Texas (Corpus Christi). In Cartersville (Georgia) verstärkte der Konzern den Automotive-Bereich massiv – die dritte Ausbaustufe wird dort in den nächsten sechs Monaten abgeschlossen. "Wir können in dem Tempo in einem einzigen Markt nicht weitermachen; wir hätten – Trump hin und Trump her – in jedem Fall unsere Investitionen in den nächsten Jahren zurückgenommen", so Eder. Für einen Worst Case in den USA habe die voestalpine aber "keine Rückstellungen gebildet", sagte Finanzvorstand Robert Ottel auf Anfrage.

Abschreibungen

Nach der Großinvestition in Texas – das Werk ist seit 1. April in Vollbetrieb – rechnet der Finanzchef konzernweit "mit einem signifikanten Rückgang der Investitionstätigkeit". Die voestalpine werde aber auch im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 "über Abschreibung investieren". Nach über 1 Mrd. Euro 2016/17 dürften es heuer nur 850 bis 900 Mio. Euro werden.

Finanziell fühlt sich der Stahl- und Technologiekonzern gut aufgestellt: Die Nettoschulden stiegen zwar im abgelaufenen Fiskaljahr von 3,1 auf 3,2 Mrd. Euro, doch die Eigenmittel befanden sich mit 6,1 Mrd. Euro (2015/16: 5,7 Mrd. Euro) auf einem Allzeithoch. Der Verschuldungsgrad – die Nettofinanzverschuldung in Relation zum Eigenkapital (Gearing Ratio) – habe sich 2016/17 gegenüber dem Jahr davor von 54,5 auf 53,2 Prozent verbessert. (APA, Reuters, 1.6.2017)

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