Nissan GT-R: Der will nicht nur spielen

2. Juni 2017, 07:37
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Die Vehemenz, mit welcher der Bi-Turbo-V6 im Nissan GT-R seinen Dienst antritt, ist so kompromisslos wie das Handling des Wagens

Wien/Burgenland–"Das ist der Neue gell, mit 570 PS", sagt der Tankwart, während er die Rechnung aus dem Drucker rupft. "Die neue Spange an der Front passt ihm gut", sagt der Jungmechaniker, der statt an meinem Jeep zuschrauben, um den Nissan streift wie eine Katze um die heiße Milch. "Der geht auch im Trockenen quer und alle vier Radln gleichzeitig in Rauch auf", sagt der Driftstaatsmeister, der einen seiner Skyliner gerade verkauft hat.

foto: guido gluschitsch

Der Junge aus der Nachbarschaft fährt schon die dritte Runde mit dem BMX-Rad ums Auto und fotografiert den Wagen aus allen Winkeln mit dem Smartphone, und der Josef redet angeblich seit dem Tag, an dem er eine kleine Runde mitfahren durfte, den ganzen Tag von nix anderem mehr als dem Nissan GT-R.

foto: guido gluschitsch

Während der ganzen Testphase hat sich, andersals bei einem Porsche oder Lambo, keine Frau für den Nissan interessiert. Die Männer hingegen sind komplett aus dem Häuschen, wenn sie ihn auch nur von der Weite hören. Ein Passant bringt es knapp auf den Punkt: "Das wäre gerade das richtige Spielzeug für mich."

foto: guido gluschitsch

Auf der Straße ist der GT-R eine Macht. Man steht aber auch schnell einmal mit einem Fuß im Kriminal. Im GT-R ist das übrigens der rechte Fuß. Am Ende des Beschleunigungsstreifens der Autobahnauffahrt braucht man eigentlich nur mehr den Führerschein aus dem Fenster zu werfen, wenn man es wirklich wissen will. Überholmanöver sind ebensogefährlich. Nicht weil der Wagen schwer zu fahren wäre, sondern weil man nach jedem Tipper aufs Gaspedal einfach viel zu schnell ist. Dabei schreit der Bi-Turbo heiser aus den vier Endrohren, dass es die reinste Männerfreude ist.

foto: guido gluschitsch

Weil man mit diesem Sportwagen auch auf der Bundesstraße nicht annähernd an die Grenzen gehen kann, ohne schon die Handschellen an den Knöcheln zu spüren, bringen wir den GT-R vorsichtig nach Teesdorf und sperren den Handlingkurs des Fahrtechnikzentrums dort. Die erste Runde ist zum Einrollen da. Die zweite zum Warmfahren. In der dritten geht der GT-R schon die ersten Male quer, prescht auf dem engen und schwierigen Kurs dahin, dass man sich fürchtet, der Asphalt könnte Wellen schlagen. Wirkte die Lenkung auf der Straße noch zu leichtgängig, ist davon im moderaten Ringerlmodus nichts mehr zu merken.

foto: guido gluschitsch

Runde um Runde liest man die zuvor noch liegengelassenen Sekunden auf. Die Balance des Autos macht auch das Einfangen des ausbrechenden Wagens leicht. Trotz Allradantrieb geht fast immer die ganze Kraft auf die Hinterräder. Man meint fast zu spüren, wie sich der GT-R hinten niedersetzt, um mehr Druck aufbauen zu können. Die flotten Runden haben einen Nachteil. Dabei säuft der GT-R, als würde Sprit nichts kosten. In wenigen Minuten verblasen wir ein Viertel des Tankinhalts, was uns auf die Straße zurückkehren lässt, wo wir im halbwegs normalen Alltagsbetrieb – was halt unsereins ohne Bachblüten schafft – mit rund 13 Litern auskommen. (Guido Gluschitsch, 1.6.2017)

foto: guido gluschitsch

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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