Jihadistenprozess: "Ich liebe alles, was mit Islam zu tun hat"

    31. Mai 2017, 17:45
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    Eine konvertierte Mutter fuhr mit ihren fünf Kindern und ihrem Mann nach Syrien und setzte die Minderjährigen dem IS-Terrorregime aus. In Graz steht sie wegen Beteiligung am IS und Quälens ihrer Kinder vor Gericht

    Graz – Der Richter fragt mehrmals nach. Irgendwie will das Ganze nicht in seinen Kopf: "Aber Sie wussten doch, was Sie dort unten erwartet. Es ist Krieg. Es herrscht Terror, Menschen werden ermordet, geköpft." Wie habe sie das also verantworten können, als Mutter mit ihren fünf Kindern nach Syrien zu fahren und sich dem IS anzuschließen?

    "Ich kann es mir nicht verzeihen, dass ich es mir und den Kindern angetan habe", schluchzt die 39-Jährige, die sich am Mittwoch wegen Beteiligung an der Terrororganisation "Islamischer Staat" vor dem Grazer Straflandesgericht zu verantworten hat. Sie steht zudem wegen Quälens ihrer Kinder vor Gericht, da sie und ihr Mann ihnen IS-Tötungsvideos gezeigt und die fünf Kleinkinder dem Terror ausgesetzt haben sollen.

    "Warum?", fragt der Richter immer wieder nach. "Ich habe geglaubt, dass ich den Islam dort im Kalifat so leben kann, wie wir es hier gewohnt waren." Aber es sei eben anders gekommen. "Ich habe gesehen, wie Muslime Böses tun – aber es gibt auch Christen, die Gutes und Schlechtes tun."

    Auch die Mädchen hätten in Raqqa bei mehr als 40 Grad Hitze verschleiert sein müssen, die Kinder hätten auf öffentlichen Leinwänden Köpfungsvideos mitansehen müssen. "Aber Sie haben doch gewusst, worauf Sie sich einlassen", haken Richter und Staatsanwalt schon leicht gereizt nach, "Sie sind eine intelligente Frau, haben Matura, haben sich im Internet informiert. Haben Sie geglaubt, dort unten werden Sie einen Schrebergarten bekommen?" – "Ja, das habe ich geglaubt."

    Ablehnung des "ungläubigen" Staates Österreich

    "Das Böse" passiere eh nur den Ungläubigen, habe sie gedacht. Sie liebe aber trotz allem nach wie vor "alles, was mit dem Islam zu tun hat". Auch die Scharia. Dass aber auf Grundlage der Scharia "Ungläubige" geköpft worden seien, entschuldige sie nicht. "Ich wähle den Mittelweg." Der Staatsanwalt süffisant: "Also nur Steinigungen und keine Köpfungen."

    Nach dem, was sie in Syrien erlebt habe, wolle sie heute kein Kopftuch und auch keinen Nikab mehr tragen, sagt die zum Islam konvertierte Österreicherin. Auch in ihre Moschee wolle sie nicht mehr gehen – in jenen Islamverein, in dem der Staat Österreich als "ungläubig" abgelehnt wurde und in dem jeder aufgefordert worden sei, nicht zu wählen, weil Muslime nicht dem "ungläubigen" Staat dienen dürften.

    Aber es gebe eben auch die schönen Seiten des Islam: "Wenn ich bete, wenn ich faste, das sind die schönen Seiten des Islam."

    Die Kinder werden demnächst per Video eingespielt. In ihren Aussagen hatten sie die Eltern schwer belastet. (Walter Müller, 31.5.2017)

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