Intendantenwechsel in Mörbisch: Seefestspiele skurril

Kommentar31. Mai 2017, 17:40
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Ohne Stars, Blockbuster und Subventionen wird es in Mörbisch für keinen Intendanten ein Happy End geben

Unfreiwillig Heiteres tut sich im musischen Burgenland: War die Bestellung von Gerald Pichowetz zum Intendanten der Seefestspiele Mörbisch (ab 2018) schon eine Überraschung, ist dessen Abberufung (noch vor Amtsantritt) eine weitere skurrile Pointe. Zwar ward ein Neuer – Peter Edelmann wird künstlerischer Direktor – schnell gefunden. Dennoch bleiben ein paar Fragen zum komischen Stück. Hat man Pichowetz nur seiner lustigen Art wegen gewählt? Sein Konzept jedenfalls scheint den Verantwortlichen noch bis vor kurzem unbekannt gewesen zu sein. Anders ist ihre erschrocken wirkende, personelle Notbremsung nicht zu erklären.

Wie auch immer: Auch der Neue wird mit jenen Tendenzen konfrontiert sein, die schon unter Harald Serafin (der Mörbisch in eine Boomphase geführt hat) zutage traten und mit denen auch Nochintendantin Dagmar Schellenberger trotz hoher künstlerischer Qualität zu kämpfen hat: Das Publikum ist nicht mehr bereit, in Extremmassen anzureisen; schon unter Serafin wurde der Höhepunkt des Interesses überschritten. Das erste burgenländische Opfer dieser Entwicklung wurde fast die Oper im Steinbruch St. Margarethen, die von der Esterházy-Stiftung aufgefangen wurde. Ob nun also eine drohende Kostenexplosion oder sonst etwas zum Ende der nie begonnenen Ära Pichowetz geführt hat: Ohne Stars, Blockbuster und Subventionen wird es in Mörbisch für keinen Intendanten ein Happy End geben. (Ljubiša Tošić, 31.5.2017)

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