Dönmez daneben

Einserkastl31. Mai 2017, 17:26
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Martin Sellner, Chef der österreichischen Identitären, ändert seine Sichtweise nicht, weil er mit Dönmez in ein Flüchtlingsheim geht

Der Grüne Efgani Dönmez tritt aus der Partei aus. Gekracht hat es schon früher, weil Dönmez gern provoziert, unter anderem mit der Ansage, bei den Grünen reiche "Brüste zu haben, nicht als Qualifikation". Dass Dönmez sehr frühzeitig auf reaktionäre Tendenzen in der türkischen Community aufmerksam gemacht hat, bleibt aber sein Verdienst.

Der jetzige Anlass des Parteiaustritts ist aber schlicht daneben. In einer Servus-TV-Diskussion im Oktober 2016 hat Dönmez dem Mitdiskutanten Martin Sellner angeboten, mit ihm ein Flüchtlingsheim zu besuchen, "damit dieser vielleicht seine Sichtweise ändern würde". Das sollte nun stattfinden, wurde aber von den oberösterreichischen Grünen verboten.

Martin Sellner ist Chef der österreichischen "Identitären". Das sind Rechtsextreme. Zwar mit Seitenscheitel und meist studentischem Hintergrund, aber sie erfüllen mit ihrer völkischen Ideologie alle Kriterien.

Sellner selbst agitiert entsprechend, wenn auch mit Code. Seit er nach dem Besuch des rechten Akademikerballs mit einer Pfefferpistole in der U-Bahn herumgeschossen hatte, hat er polizeiliches Waffenverbot. Twitter hat ihn soeben verständigt, dass bei ihm eine "mögliche Verletzung unserer Richtlinien über zum Hass schürendem Verhalten markiert wurde". So jemand ändert seine Sichtweise nicht, weil er mit Dönmez in ein Flüchtlingsheim geht. Das ist naiv und im Grunde unpolitisch. (Hans Rauscher, 31.5.2017)

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  • Efgani Dönmez
    foto: apa/hannes draxler

    Efgani Dönmez

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