"Hunger auf Kunst und Kultur": Bescheidenes Pflichtgefühl beim Bund

    31. Mai 2017, 11:22
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    64.325 Menschen in finanziellen Notlagen nutzten den Kulturpass im Jahr 2016

    Wien – "Als öffentlich finanzierte Einrichtung haben wir eine Verpflichtung", erklärte Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) am Mittwoch die Teilnahme der Bundestheater an der Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur". Ab 1. Juni machen Volksoper, Staatsoper und alle Burgtheater-Spielstätten bei dem 2003 gestarteten Projekt mit und sind für Menschen unter der Armutsgrenze mit Kulturpass in 1.500 Vorstellungen kostenlos besuchbar.

    Das Pflichtgefühl nimmt sich aber bescheiden aus: Die mit den Häusern individuell verhandelten Modalitäten ergeben, dass in der Volksoper je Vorstellung vier kostenfreie Karten "nach Verfügbarkeit" bereitstehen, in der Staatsoper ebenso, hier allerdings immerhin früher als erst eine halbe Stunde vor Aufführungsbeginn besorgbar. Im Burgtheater gibt es keine reservierten Kontingente, ausgegeben werden Restkarten aber ab dem jeweiligen Vortag.

    130.610 Tickets gelöst

    Die Bundesmuseen machen schon länger mit, zuletzt stieg mit Jahresanfang das Belvedere ein. Österreichweit beteiligen sich über 750 Kultureinrichtungen und -veranstalter, rund 64.325 Menschen haben letztes Jahr 130.610 Tickets in Anspruch genommen.

    Überrascht zeigte Monika Wagner, Geschäftsführerin von Hunger auf Kunst und Kultur, sich von der am Dienstag per Aussendung ergangenen Ankündigung des Theaters in der Josefstadt, "ab sofort" am Projekt teilzunehmen und an Passinhaber ab einer Stunde vor Vorstellungsbeginn verfügbare Karten gratis abzugeben. "Das ist nicht abgesprochen." Man verhandle zwar mit dem Theater in der Josefstadt, aber noch seien nicht alle Modalitäten geklärt, schriftliche Vereinbarung gebe es noch keine.

    Zukunftspläne

    Generell überlege man, einen Dachverband für alle Bundesländer ins Leben zu rufen um gemeinsame Aktionen setzen zu können, führte Wagner Zukunftspläne von "Hunger auf Kunst und Kultur" aus. Man arbeite generell fortlaufend an der Optimierung der Handhabung des Systems, wolle dabei aber auch weiterhin möglichst unbürokratisch bleiben. Für Wien sei die Subvention der Stadt gut, aber seit Jahren gleichbleibend.

    Es handelt sich um 80.000 Euro – die in die Infrastruktur des Projektes fließen. Die Spielstätten erhalten davon nichts. Im Gegenteil suchen jene oft noch Sponsoren als Unterstützung für ihre Teilnahme. Für diese gibt es übrigens "Rahmenbedingungen, die stimmen müssen", man wolle nicht einfach "Almosen", so Wagner.

    Die Volksoper hatte bereits einmal bei der Aktion mitgemacht, war 2008 aber ausgestiegen. "Das ist ein Thema, das man nicht lange verhandeln muss, weil es auf der Hand liegt, dass wir verpflichtet sind", sagte Direktor Robert Meyer nun zum Wiedereinstieg. (wurm, 31.5.2017)

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