Regensburg schickt 1860 in die dritte Liga

31. Mai 2017, 09:11
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Löwen gehen im Relegations-Rückspiel 0:2 unter, Fans sorgen für Spielunterbrechung – Präsident und Geschäftsführer treten zurück

München – Der TSV 1860 München ist am Ende einer chaotischen Saison in die dritte deutsche Liga abgestiegen. Die Löwen unterlagen im Rückspiel der Relegation am Dienstagabend Jahn Regensburg vor eigenem Publikum 0:2 (0:2) und sind damit erstmals seit 25 Jahren nur noch drittklassig. Wütende Fans warfen Stangen, Sitzschalen und andere Gegenstände auf das Spielfeld und sorgten am Ende der Partie für eine 14-minütige Unterbrechung – eine weitere Eskalation sollte durch einen Wiederanpfiff verhindert werden. So hatten es Polizei, Schiedsrichter und auch der unerschütterliche Regensburger Torhüter Philipp Pentke besprochen.

Die Gäste kehren nach starker Vorstellung vier Jahre nach dem Abstieg in die zweite Liga zurück. Kolja Pusch (30.) und Marc Lais (41.) erzielten vor 62.200 Zuschauern – Rekord für Relegationsspiele in Deutschland – die Tore für Regensburg. Das Hinspiel am Freitag hatte 1:1 geendet – eigentlich eine sehr gute Ausgangsposition für 1860.

In der Relegation zur zweiten Liga setzte sich damit zum siebenten Mal der Drittligist durch, nur zweimal gewann der Zweitligist, einer davon war vor zwei Jahren 1860 gewesen.

Präsident und Geschäftsführer weg

Der erste Abstieg in die Drittklassigkeit seit 1992 hat für die Löwen vorerst unabsehbare Folgen. Präsident Peter Cassalette erklärte unmittelbar nach dem Spiel seinen Rücktritt. Schon vor dem Spiel hatte der erst im April angetretene Ian Ayre seine Position als Geschäftsführer zur Verfügung gestellt – offenbar nach einem Knatsch mit Cassalette, bisher mehr oder weniger eine Marionette von Investor Hasan Ismaik.

Ismaik will weitermachen, hatte aber in einem offenen Brief am Montag schon angekündigt, personell keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Die meisten Spieler haben keine Verträge für die dritte Liga. Lediglich sechs stünden den Sechzigern auch dort zur Verfügung. Wie Ismaik den Neuanfang gestalten will, ist völlig unklar. Der Jordanier, der 2011 bei den Löwen eingestiegen war und für 60 Prozent der Aktien an der TSV 1860 München KGaA 18 Millionen Euro bezahlt hatte, ist Teil des Problems, sieht das aber nur bedingt ein. "Alles, was ich in den vergangenen Jahren unternommen habe, um den Verein voranzutreiben, ist auf allen Ebenen gescheitert", schrieb er, er habe "sogenannten Fachleuten", also den falschen Leuten vertraut.

Trainer Vitor Pereira wird den Verein wohl ebenfalls verlassen (müssen), der Portugiese war erst im Jänner verpflichtet worden. "Leider hat es nicht gereicht, die Ziele zu erreichen", sagte Pereira. Der 48-Jährige bedankte sich bei allen im Verein. Sein Projekt mit 1860 München erklärte er für "gescheitert". Fragen wollte er nach seinem Eingangsstatement nicht beantworten.

Finanzielle Unwägbarkeiten

Der Abstieg wirkt sich für den ohnehin am Tropf von Ismaik hängenden TSV 1860 auch finanziell aus: Statt rund sechs Millionen Euro Fernsehgeld erhalten die Löwen künftig nur noch eine Million, außerdem entfällt die Garantiesumme von Vermarkter Infront in Höhe von fünf Millionen Euro. Ismaik wird ein Budget aufstellen und garantieren müssen. Und: Es muss schleunigst eine Mannschaft her, wohl auch ein neuer Trainer anstelle von Vitor Pereira. Die Saison in der dritten Liga beginnt bereits am 21. Juli. (sid, red, 31.5.2017)

  • Enttäuschung bei ÖFB-Legionär Michael Liendl.
    foto: imago/mis

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  • Enttäuschung in der Kurve.  Zehn Polizisten wurden verletzt.
    foto: imago/foto2press

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