"Seegurkenfieber" bringt Fischergemeinschaften durcheinander

5. Juni 2017, 12:00
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Die Stachelhäuter sind in Ostasien als Nahrungsmittel begehrt und haben einen globalen Fangboom ausgelöst

foto: reuters/florida fish and wildlife conservation commission/carli segelson

Vancouver – Asien-Reisenden dürfte Trepang bekannt sein: zubereitete Seegurken. Die walzenförmigen Stachelhäuter, Verwandte von Seeigeln und Seesternen, stehen zwar auch in manchen Mittelmeerländern auf dem Speisezettel, am begehrtesten sind sie aber in Ostasien.

Die dortige Nachfrage hat in den vergangenen Jahren zu einem wahren Boom geführt, und das weltweit: Fischer, die sich zuvor nie um die Tiere gekümmert hatten, stiegen nun ins lukrative Seegurken-Geschäft ein. Und das hat ökologische ebenso wie soziale Auswirkungen, berichten Forscher der University of British Columbia im Fachmagazin "Global Environmental Change".

foto: apa/afp/theo rouby

Ein Team um Erstautorin Mary Kaplan-Hallam untersuchte die Entwicklung des Seegurkenfangs am Fallbeispiel von Rio Lagartos, einem mexikanischen Fischerdorf auf der Halbinsel Yucatan. Im vergangenen halben Jahrhundert hatten die Menschen dort von Fischfang in kleinem Stil gelebt. 2013 wurden dann die ersten Lizenzen für kommerziellen Seegurkenfang ausgegeben.

Mit der Lizenzvergabe strömten auch Fischer von außerhalb in die Region, was zu Konflikten führte. In Interviews mit den Dorfbewohnern konnten sich die Forscher ein Bild davon machen, wie das soziale Gefüge im Dorf durch Konkurrenz von außen unter Druck geriet. Zudem führten die hohen Preise, die sich für Seegurken erzielen lassen, dazu, dass die Fischer weiter hinausfuhren und generell höhere Risiken eingingen als früher.

foto: apa/afp/theo rouby

Zu den ökologischen Folgen des Booms zählte nicht nur der starke Rückgang der regionalen Seegurkenpopulationen, wie es in Südostasien schon viel früher der Fall gewesen war. Auch andere Tierarten wurden durch die Zunahme an Fischern in der Region in Mitleidenschaft gezogen. Ein solcher Boom kann dazu führen, dass die natürlichen Ressourcen, von denen eine Gemeinschaft lange Zeit nachhaltig gelebt hat, binnen kürzester Zeit geplündert werden. Anschließend braucht eine solcherart ausgeblutete Region lange, bis sie sich wieder erholt hat.

Kaplan-Hallam betont, dass Rio Lagartos nur ein Beispiel für einen Boom ist, der sich über den ganzen Globus erstreckt. Und dass neben Seegurken auch andere Spezies einer "Goldgräberstimmung" in der Fischereindustrie zum Opfer fallen – etwa Haie, die nur für ihre Flossen getötet werden, oder Seeohren: eine Gattung von Meeresschnecken, deren Muskelfleisch als Delikatesse gehandelt wird. (red, 5. 6. 2017)

foto: apa/epa/alex hofford
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