Alkohol, Cannabis, Kokain, LSD: Wie sich Österreich berauscht

Infografik7. Juni 2017, 07:06
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4.800 Österreicher haben geschildert, wann und wie sie Drogen konsumieren – und wie viel sie für ihren Trip ausgeben

Wie werden Drogen weltweit getrunken, geschnupft, geschluckt oder geraucht? Dieser Frage sind britische Forscher nachgegangen und haben Antworten von etwa 115.000 Personen erhalten – davon 4.800 aus Österreich. Die Auswertung der Antworten aus Österreich liegt dem STANDARD exklusiv vor. Sie ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, gibt aber einen Einblick in das Konsumverhalten der heimischen Nutzer.

Alkohol haben die meisten der Teilnehmer aus Österreich in den vergangenen zwölf Monaten konsumiert (95 Prozent). Aber auch mit illegalen Substanzen haben die Teilnehmer Erfahrung: Zwei Drittel der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten illegale Drogen genommen – vier von fünf zumindest einmal in ihrem Leben. Am detailliertesten haben sie über ihre Erfahrungen mit Alkohol, Cannabis, Kokain und LSD berichtet. Die Ergebnisse sind in vier Teilen kurz zusammengefasst.

Energiegeladener und selbstbewusst mit Hochprozentigem, entspannter und müde mit Bier und Wein. So haben die Teilnehmer aus Österreich ihre Reaktion auf Alkohol im Vorjahr geschildert. In dieser Auflage haben die Forscher einen detaillierteren Blick auf gefährliches Trinkverhalten geworfen. Also: Wie viele trinken zu viel?

In Österreich ist problematisches Konsumverhalten nicht so verbreitet wie in anderen Teilnehmerländern. Trotzdem sollte etwa jeder Fünfte seltener zu Alkohol greifen.

Vor allem Jugendliche legen ein risikoreiches Trinkverhalten an den Tag – besonders junge Frauen. Etwa eine von vier Frauen würde nach Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gefährlich große Alkoholmenge konsumieren.

Wichtig für die Einschätzung durch die Organisation ist, wie oft pro Woche Alkohol konsumiert wird und wie viele Getränke dabei jeweils getrunken werden. Eine höhere Punktezahl erreichen Menschen beispielsweise auch, wenn sie ...

  • öfter das Gefühl haben, lieber nicht mit dem Trinken aufzuhören
  • häufig Erwartungen nicht erfüllen, weil sie getrunken haben
  • manchmal einen Filmriss haben, weil sie zu tief ins Glas geschaut haben

Ab wann das Trinkverhalten krankhaft wird, ist schwer zu sagen. Konkret sind nur die als unbedenklich eingestuften Konsummengen: Frauen sollten nicht mehr als 16 Gramm, Männer nicht mehr als 24 Gramm Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Das ist ein Achtelliter Wein bei Frauen oder ein halber Liter Bier bei Männern. Insgesamt würde ein Drittel der Befragten gern weniger trinken. Hilfe wollen dabei die wenigsten: drei von hundert.

Cannabis ist die am weitesten verbreitete illegale Droge. "Geänderte rechtliche Rahmenbedingungen und neue Technologien für einen sichereren, weniger schädlichen Konsum treiben diese Entwicklung. Eine Legalisierung könnte auch dazu beitragen, dass Nutzer, deren Konsumverhalten gefährliche Ausmaße annimmt, eher um Hilfe bitten", schreibt Suchtforscher Adam Winstock in seiner Studie. In Österreich hat ein Fünftel der Bevölkerung Erfahrung mit der Droge. Am liebsten wird Cannabis im Joint mit Tabak am Abend geraucht.

Gute-Nacht-Joint häufig

Seltener wird es in einer Pfeife oder mit einem Vaporizer konsumiert. Ein Drittel der österreichischen Befragten möchte weniger rauchen, das liegt im globalen Schnitt. An einem durchschnittlichen Tag konsumieren etwa sechs von zehn Befragten weniger als ein Viertel Gramm. Drei bis vier Joints lassen sich in etwa aus einem Gramm gewinnen. Den ersten Joint des Tages raucht nur jeder achte Befragte innerhalb von vier Stunden nach dem Aufstehen. Den letzten Zug nehmen sieben von zehn in den letzten zwei Stunden vor dem Schlafengehen. Mehr als die Hälfte der Befragten haben ihr Cannabis bei einem Freund gekauft.

Preislich gibt es zwischen den an der Befragung teilnehmenden Ländern große Unterschiede: Während ein Gramm Cannabis mit hohem THC-Gehalt in Norwegen 20 Euro kostet und in Österreich etwa 9,80 Euro, sind dafür in Kolumbien nur 80 Cent zu bezahlen.

Kokain ist im Alltag der meisten befragten Konsumenten nicht besonders verankert. Nur etwa vier Prozent sagen, dass sie mindestens einmal pro Woche eine Line ziehen. An einem Abend wird durchschnittlich ein halbes Gramm geschnupft – das sind fünf bis sieben Lines. Kokain zählt zu den teuersten illegalen Drogen. In den Vorjahren haben die Studienteilnehmer Kokain als teuerste Droge mit dem schlechtesten Rauscherlebnis bewertet.

Abseits des mangelhaften Preis-Leistungs-Verhältnisses zählt Kokain auch zu den schädlichsten Drogenarten – insbesondere wenn es als Crack geraucht oder gar gespritzt wird. Eine Analyse des Suchtforschers David Nutt hat Crack sogar als "die Droge mit dem größten Schaden für Einzelpersonen" eingeordnet. Er bezieht sich damit auf Sterblichkeit, Krankheiten, Suchtgefahr, mentale Instabilität und Auswirkungen auf Freundschaften und Beziehungen.

Anders als bei Kokain ist das Suchtpotenzial von LSD gering. Es wird zum Feiern und Entspannen konsumiert. Gefährlich wird es dann, wenn die Substanz mit anderen Drogen kombiniert oder zu hoch dosiert wird. Kleinste Mengen von LSD können starke Effekte haben. Die Droge verändert die Wahrnehmung, der Körper wird berührungsempfindlicher. Die meisten konsumieren die Droge auf einem Blättchen, das in den Mund gelegt wird. Seltener ist der Konsum in flüssiger Form – also beispielsweise ins Auge oder auf einen Zuckerwürfel getropft. Fast ein Viertel der Befragten aus Österreich sagen, dass sie eine der beiden Arten dem beträufelten Löschpapier vorziehen. Das ist im Vergleich zu anderen Ländern ein hoher Wert.

Mit 21 Jahren zum ersten Mal

Im Schnitt sind Konsumenten in Österreich beim ersten Mal 21 Jahre alt und nehmen die Substanz zu Hause mit Freunden (38 Prozent), in der Natur (23 Prozent), bei einer Party (19 Prozent) oder einem Festival (15 Prozent). Der mittlere Preis pro Trip liegt in Österreich bei 10,30 Euro. In Island und Norwegen ist der Konsum mit 20 beziehungsweise 16 Euro am teuersten. In den Niederlanden ist ein LSD-Trip mit 7,10 Euro am günstigsten.

Psychoaktive Pilze als "sicherste Droge"

Im Vergleich zu psychoaktiven Pilzen ("Magic Mushrooms") – auch sie zählen zu sinnesverändernden Drogen – sind schlechte Erfahrungen mit LSD häufiger. Etwa einer von hundert LSD-Konsumenten in der Stichprobe hat einen medizinischen Notfall hinter sich. Das Risiko ist mit Magic Mushrooms also fünfmal niedriger. Die Pilze werden gegessen, manchmal davor gekocht. "Magic Mushrooms waren die sicherste Droge in unserer Studie. Nirgends war die Zahl der Drogenkonsumenten, die in die Notaufnahme mussten, niedriger", sagt Studienautor Adam Winstock.

Am sichersten wäre immer noch, die Finger von allen Drogenarten zu lassen – egal ob illegal oder legal. (gart, 7.6.2017)

Über den Global Drug Survey

Die Wissenschafter erfragen seit 2012 die Gewohnheiten von Drogenkonsumenten weltweit. 2012 hat das unabhängige Institut 15.500 Personen befragt, 2017 haben 115.500 Menschen aus mehr als 50 Ländern den Fragebogen ausgefüllt. Ziel des Instituts ist, Risiken und Nebenwirkungen des Drogenkonsums zu minimieren, indem Daten gesammelt werden, auf welche Art und Weise Drogen konsumiert werden.

Über die Methodik der Befragung

Die Befragten werden nicht zufällig ausgewählt, sondern füllen freiwillig einen Onlinefragebogen über ihr Drogenkonsumverhalten aus. Die Umfrage ist anonym und nicht repräsentativ für die jeweilige Bevölkerung des Landes. Die Aussagen lassen sich nicht verallgemeinern. Sie bieten dennoch einen Einblick, wie Drogen konsumiert werden.

Über die Datenbasis für Österreich

Zwei Drittel der Antworten kamen von Männern. Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Personen lag bei 29 Jahren. Vier von zehn Befragten waren jünger als 24 Jahre. 65 Prozent der Antworten haben erwerbstätige Personen abgegeben, der Rest entfällt auf arbeitslose Menschen. Der Anteil der Studenten im Sample ist hoch: 45 Prozent haben angegeben, dass sie entweder Voll- oder Teilzeit studieren. Die Teilnehmer der Studie gehen gern in Nachtclubs: 61 Prozent haben angegeben, dass sie mindestens einmal in den vergangenen drei Monaten ausgegangen sind.

Warum ist die Befragung online und anonym?

Das hat den Vorteil, dass die präsentierten Daten aktueller sind und Antworten wegen sozialer Erwünschtheit ausgeschlossen werden. Die Umfrage erreicht online mehr Menschen, als mit herkömmlichen Haushaltsbefragungen finanzierbar wäre.

Welche Nachteile hat eine anonyme Befragung?

Personen, die keinen Zugang zum Internet haben, können nicht teilnehmen. Möglich ist auch, dass Teilnehmer Antworten abgeben, von denen sie glauben, dass der Studienleiter sie gern lesen würde. Erinnerungslücken ob des Drogenrausches können die Studienergebnisse verzerren. Das Ausfüllen nimmt viel Zeit in Anspruch, weshalb davon auszugehen ist, dass vor allem Menschen teilnehmen, die sich stark mit ihrem Drogenkonsum auseinandersetzen.

Wie viele Personen nehmen pro Land teil?

Die Anzahl der Antworten pro Land variiert stark. So sind etwa für Deutschland 36.000 Fragebögen ausgefüllt worden, für die USA aber nur etwa 10.100. Der Befragungszeitraum betrug sechs Wochen.

  • Artikelbild
    foto: leiprecht, steffen / sz-photo / picturedesk.com
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