Marchtrenk hört den Salat wachsen

31. Mai 2017, 09:00
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Nach Hendln baut sich der Lebensmittelriese Bell in Österreich mit Salat ein großes Standbein auf. Die Schweizer investieren dafür 30 Millionen Euro

Wien – Grün ist die Hoffnung – und der Salat. Beides keimt im Eferdinger Becken gerade groß auf. Nährboden dafür sind gut 30 Millionen Euro. Diese nämlich fließen in eine neue Produktion für frisch geschnittenes Blattgemüse: 100 Mitarbeiter sollen sich den Häupln in Bälde widmen und deren Importe aus den umliegenden Ostländern zusehends obsolet machen.

Salatinvestor ist der Schweizer Konsumriese Coop, konkret seine Tochter Bell. Diese hat sich vom reinen Fleischverarbeiter zum internationalen Nahrungsmittelspezialisten aufgeschwungen. Auch in Österreich ist das für seine Fertigmenüs bekannte Unternehmen längst kein Unbekannter mehr.

Landhendln von Huber

Die Tochter Transgourmet holte sich im Zuge der Turbulenzen rund um den gescheiterten Supermarkt Zielpunkt den Großhändler C+C Pfeiffer. Dessen Schwester Bell wiederum stieg vergangenes Frühjahr groß ins Geschäft mit Geflügel ein und schnappte sich Hubers Landhendln aus Pfaffstätt mit in Summe 900 Mitarbeitern.

Geflügel zählt zu den wenigen wachsenden Sparten des Fleischmarkts. Zugleich nimmt offenbar auch der Appetit auf Salat zu, zumindest auf fixfertig zubereiteten. Bell bereitet das Convenience-Gemüse bereits in eigenen Werken in Ungarn, Polen und Rumänien auf. Künftig ist auch Österreich Salat-Hotspot der Schweizer. Das ganze Geschäft sei weniger banal, als es vielleicht für Laien klinge, erläutert Konzernsprecher Davide Elia: Viel Wissen und ein hoher Anteil an Handarbeit steckten dahinter.

Gebaut wird ab September, ein Jahr später startet der Betrieb. Die Lieferanten sollen aus der Region kommen, die Abnehmer ebenso.

Spar ist Nachbar

Die Handelskette Spar, der gute Kontakte in die Schweiz nachgesagt werden, ist in Marchtrenk mit einer Zentrale und 700 Mitarbeitern an Ort und Stelle quasi Nachbar. Auch Logistcenter von Hofer und Lidl sind nicht weit. Details über große Vertragspartner nennt Elia keine. "Die Marktsondierung ist jedoch erfolgsversprechend."

Gefertigt werde für eigene Marken und Labels des Handels. Auch Exporte sind geplant. Welchen Lebensmitteln sich Bell in Marchtrenk neben dem Salat sonst noch widmen will, sei vorerst offen.

Faire Angebote

Oberösterreich hat mit 309 Hektar an Anbaufläche den Kopf beim Salatanbau vorn, erzählt Stefan Hamedinger vom Eferdinger Gemüselandl. Er hofft für seine Branche auf eine Chance der Schweizer und faire Angebote. Denn einfach sei das Ganze aufgrund hoher Lohnnebenkosten nicht. Mindestens 25 Cent brauche es hierzulande pro Kopfsalat und 35 Cent pro Eissalat, um rentabel zu wirtschaften, rechnet Hamedinger vor. Viele polnische Saisonarbeiter würden heuer nach Deutschland weiterziehen. "Sie verdienen dort netto auf die Hand wegen des besseren Lohngefüges einfach mehr."

Paul Mahr ist mit sich und der Welt rundum jedenfalls zufrieden und hält damit auch nicht hinterm Berg. Mehr als 1000 neue Arbeitsplätze habe er allein im Vorjahr nach Marchtrenk geholt, zieht der SP-Bürgermeister Bilanz. "Keine andere Stadt in Oberösterreich hat mehr Jobs geschaffen." Heuer gehe es ähnlich weiter – "auch ohne Kommunalsteuergeschenke".

720 Stellen etwa sicherte Logistikanbieter TGW zu, der Lager für Kunden wie Amazon konzipiert. Bell habe eigentlich eine andere Stadt im Sinn gehabt, sei dann jedoch dank emsiger Vorarbeit der Marchtrenker bei Infrastruktur und Wasserversorgung hier hängengeblieben, ist Mahr überzeugt. Verarbeitet werden soll der Salat im Schichtbetrieb. Was den Ortschef freut: Bell brauche viele Hilfsarbeiter. Es gehe um Jobs, die immer rarer werden. "Es wird der gesamten Region guttun." (Verena Kainrath, 31.5.2017)

  • Ein sensibles Pflänzchen, auch was den Preis betrifft: Hohe Lohnkosten  sorgen dafür,  dass Convenience-Salate aus dem Packerl im großen Stil aus Osteuropa importiert werden. Der Schweizer Konsumriese Coop übt sich damit künftig mit 100 Mitarbeitern in Oberösterreich.
    foto: standard/matthias cremer

    Ein sensibles Pflänzchen, auch was den Preis betrifft: Hohe Lohnkosten sorgen dafür, dass Convenience-Salate aus dem Packerl im großen Stil aus Osteuropa importiert werden. Der Schweizer Konsumriese Coop übt sich damit künftig mit 100 Mitarbeitern in Oberösterreich.

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