Usmanow vs. Nawalny: Streit vor Gericht und vor der Videokamera

30. Mai 2017, 17:19
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Oppositioneller soll Kreml-nahen Oligarchen verleumdet haben

Moskau – Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny muss sich wegen angeblicher Verleumdung des Oligarchen Alischer Usmanow seit Dienstag in Moskau vor Gericht verantworten. Usmanow hat gegen Nawalnys Behauptung in einem Dokumentarfilm geklagt, an korrupten Machenschaften von Regierungschef Dmitri Medwedew beteiligt zu sein.

Schon vor Prozessbeginn hatten die Kontrahenten den Streit mit Videobotschaften angeheizt. Der kremlnahe Großunternehmer Usmanow, einer der reichsten Männer Russlands, nahm auf seiner Privatyacht zwei wackelige Videos auf. Er bezichtigte Nawalny der Lüge und schloss mit dem groben Kraftausdruck: "Sch... auf dich, Alexej!" Er hat auch Preise für Internetwitze über seinen Gegner ausgesetzt.

Die unprofessionellen Auftritte elektrisierten die russische Öffentlichkeit trotzdem. Es war das erste Mal, dass ein Vertreter der Führung den selbst ernannten Korruptionsbekämpfer Nawalny einer Antwort würdigte. Nawalny selbst keilte in einem Video zurück.

Anders als angekündigt erschien der Kläger Usmanow am Dienstag nicht selber vor Gericht, sondern ließ sich vertreten. Nawalny und sein Fonds zur Bekämpfung der Korruption stellten zahlreiche Anträge zum Verfahren, die von der Richterin abgelehnt wurden. Der Oppositionelle arbeitet darauf hin, bei der russischen Präsidentenwahl 2018 als Kandidat zugelassen zu werden. (APA, 30.5.2017)

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