Vermehrt islamfeindliche Übergriffe zu Beginn des Ramadan

31. Mai 2017, 06:00
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Schmierereien und Brandstiftung: Zu Beginn des islamischen Fastenmonats häufen sich laut Polizei Straftaten gegen Muslime. Sie will die Überwachung ausbauen

Wien – "Islam Nazis" steht in roter Farbe zwischen den Fenstern des Bürogebäudes der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) in Wien. Unbekannte beschmierten das Gebäude am Freitagabend – just zu Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan. "Wir hätten uns gewünscht, den Ramadan in spiritueller Besonnenheit zu empfangen. Dass dieser Vorfall zu Beginn unseres segenreichen Monats Ramadan passiert ist, hat uns traurig gestimmt", sagt Ibrahmin Olgun, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, der vergangene Woche im STANDARD-Interview eine allgemeine Zunahme an Islamfeindlichkeit beklagte und schärfere Gesetze forderte.

Nun haben sich als islamfeindlich einzurordnende Sachbeschädigungen rund um den Beginn des Fastenmonats zusätzlich gehäuft. Ein 67-Jähriger, der am Dienstag einen Vorhang in einer Moschee in Wien-Brigittenau anzündete, wurde dabei von einer Überwachungskamera gefilmt und konnte noch am gleichen Tag ausgeforscht werden.

Olgun fordert besseren Schutz

Mehrere islamische Kulturzentren in Wien wurden mit Sprüchen wie "Islam go home" oder "Moslem Abschaum" beschmiert. In Schwarz in Tirol warfen Unbekannte in der Nacht von Samstag auf Sonntag den Kopf eines gegrillten Spanferkels vor eine Moschee.

Die Beschmierungen in Wien seien dem Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) bekannt und es werde auch ermittelt, sagt ein Sprecher der Wiener Polizei zum STANDARD. "Wie bei allen Delikten in Richtung Graffiti" seien die Täter aber "leider nur schwer bis gar nicht ausforschbar".

Tatsächlich seien laut Polizei am Wochenende mehr Meldungen zu "staatspolizeilich relevanten Beschmierungen eingegangen" – ein Zusammenhang mit dem Beginn des Ramadan sei "durchaus möglich", bleibe aber mangels Kenntnis der Täter Spekulation.

IGGÖ-Präsident Olgun erwartet sich nun "von den Sicherheitsbehörden mehr Verantwortung, was den Schutz der betroffenen Institutionen anbelangt". Aufgrund der immer wieder auftretenden Sachbeschädigungen plane die Wiener Polizei laut ihrem Sprecher, "im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch den Moscheevereinen respektive deren Hauptobjekten eine verstärkte Überwachung zukommen zu lassen". (sefe, 31.5.2017)

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