Islamforscherin für Schließung des Abdullah-Zentrums

Video31. Mai 2017, 16:01
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Studie zum Schutz der Jugend vor Jihad-Ideologie präsentiert – ÖVP-Bezirksobmann kritisiert lange Asylverfahren

Wien – Bei der Präsentation einer Studie zum Thema "Wie können wir Jugendliche vor der Ideologie des Jihads schützen?" forderte die Studienautorin Abo-elaala Manal am Dienstag die Schließung des Wiener König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen Dialog (Kaiciid). Im Gespräch mit dem STANDARD sagte die in der ÖVP Meidling engagierte Leiterin des Forschungszentrums Information und Kultur Ägypten für Frauenrechte und Integration, dass das Kaiciid "hinter dem Vorhang" eine große Rolle spiele.

Konkret würde Saudi-Arabien salafistische Vereine und die Muslimbruderschaft in Österreich, aber auch in anderen europäischen Ländern mitfinanzieren. In welcher Größenordnung das geschehe, konnte Manal nicht deklarieren. "Sie wollen unsere jungen Menschen für den Islam gewinnen", sagt sie. Neben Saudi-Arabien spiele auch die Türkei eine wesentliche Rolle bei der Radikalisierung.

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Um Jugendliche in Österreich vor einer islamistischen Radikalisierung zu schützen, fordert Manal eine Überarbeitung des Lehrplans für den islamischen Unterricht an Schulen sowie einen "Stopp für arabisches Satellitenfernsehen" in Österreich. Hinter dem TV-Programm stecke radikale Ideologie. "Saudi-Arabien verbreitet die Salafisten-Ideologie und den Gedanken des Jihad", heißt es in der von der Stadt Graz und der Stadt Wien geförderten Studie.

Radikalisierungsgefahr bei muslimischen Jugendlichen höher

Die Wiener Gemeinderätin Gudrun Kugler (ÖVP) führt islamische Kindergärten in Wien als mögliche Ursache für die Radikalisierung von Jugendlichen an. Kleine Mädchen müssten dort das Kopftuch tragen, Kinder müssten Suren auswendig lernen, kritisiert Kugler. Zudem bemängelt sie Sprachdefizite.

Bezugnehmend auf die Studie zur Wiener Jugendarbeit aus dem Jahr 2016 führt Kugler an, dass unter muslimischen Jugendlichen eine stärkere Demokratiedistanz festzustellen sei als unter Altersgenossen, zudem sei bei muslimischen Jugendlichen der Antisemitismus besonders stark ausgeprägt, was eine stärkere Radikalisierungsgefahr berge.

Antisemitische Postings der Aktionsgemeinschaft "Dummheit"

Vom STANDARD gefragt, ob sie eine Radikalisierungsgefahr auch bei jenen Jus-Studenten der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft sieht, die mit antisemitischen Facebook-Postings aufgefallen sind, sagt die promovierte Juristin: "Ich glaube, es handelt sich hier um eine Dummheit, nicht um Absicht. Es ist ein Unterschied, ob man unbedacht handelt oder ob man sagt, Juden haben bei uns nichts verloren." Antisemitismus sei nicht zu tolerieren.

Um der Radikalisierung Einhalt zu gebieten, fordert Kugler eine Reform des neunten Pflichtschuljahrs, in dem unter anderem eine Leitkultur und der Wert der Demokratie vermittelt werden sollen.

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Meidlinger ÖVP-Obmann kritisiert "laxe Behörden"

Ernst Zlabinger, Bezirksparteiobmann der ÖVP Meidling und Beamter im Justizministerium, kritisiert, dass Asylverfahren zu lange dauern würden. "Die Behörden sind zu lax", so Zablinger bei der Studienpräsentation. Manche Asylwerber seien 2015 gekommen und hatten erst jetzt ihr Erstgespräch, andere hatten ihr Erstgespräch vor einem Jahr und hätten seither nichts mehr gehört. "In dieser Zeit sind sie im Schwebezustand. Die Leute warten, warten, warten."

Zlabinger kritisiert außerdem, dass in einem Flüchtlingsheim in seiner Umgebung zu wenig Rücksicht auf Mädchen genommen werde. Während die Buben etwa Fußball spielen, hätten die Mädchen nicht einmal Puppen zu Verfügung. Wobei ihm wichtig sei, nicht Geschlechterstereotype zu strapazieren. Auch er habe als Kind eine "Negerpuppe" gehabt.

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(Katrin Burgstaller, 31.5.2017)

Hintergrund: König-Abdullah-Zentrum

Das König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen Dialog ist 2011 als internationale Organisation gegründet worden und hat sich dem Austausch zwischen den Weltreligionen verschrieben. Generalsekretär ist der saudische Diplomat Faisal bin Muammar, er führt das Zentrum seit der Gründung. Er ist zudem Berater des saudischen Königs Salman.

Das Zentrum steht immer wieder in der Kritik. Gegner werfen ihm vor, ein Feigenblatt für die Menschenrechtsverletzungen des saudischen Herrscherhauses zu sein. In Saudi-Arabien ist die öffentliche Ausübung anderer Religionen als des sunnitischen Islam unter Strafe verboten. (APA)

  • Das König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog in Wien, auch bekannt unter der Abkürzung KAICIID.
    foto: standard/cremer

    Das König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog in Wien, auch bekannt unter der Abkürzung KAICIID.

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