Trump droht Deutschland wegen Außenhandels und Nato

30. Mai 2017, 15:53
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US-Präsident prangert Exportüberschuss und Verteidigungsbudget an – Merkel betont transatlantische Partnerschaft

Washington/Berlin – Zwei Tage nach der Rückkehr von seinem Europabesuch hat US-Präsident Donald Trump mit seiner Kritik an Deutschland nachgelegt. Am Dienstag übte er auf Twitter massive Kritik am Handelsüberschuss Deutschlands und den aus seiner Sicht geringen Militärausgaben und fügte hinzu: "Sehr schlecht für die USA. Das wird sich ändern."

"Wir haben ein massives Handelsdefizit mit Deutschland, und sie zahlen viel weniger für die Nato und das Militär, als sie sollten", schrieb Trump. Er hat von den anderen Nato-Mitgliedern bereits mehrmals höhere Verteidigungsausgaben gefordert.

Enttäuschung bei Merkel

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte am Sonntag nach dem enttäuschend verlaufenen Gipfel der sieben führenden Industriestaaten (G7) auf Sizilien konstatiert: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei." Europa müsse sein Schicksal nun mehr selber in die Hand nehmen. Die Äußerungen, die als Distanzierung von der Trump-Regierung verstanden wurden, fanden in den US-Medien breiten Widerhall.

SPD-Vorsitzender und -Spitzenkandidat Martin Schulz bezeichnete Trump als "Zerstörer aller westlichen Werte" , "wie wir es in dieser Form noch nie erlebt haben". Seine Zerstörungsstrategie richte sich gegen Toleranz, Respekt und Zusammenarbeit zwischen den Völkern auf der Grundlage gegenseitiger Toleranz, sagte Schulz am Dienstag. "Man muss sich einem solchen Mann mit seiner Aufrüstungsideologie in den Weg stellen." Der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Thomas Oppermann, hatte zuvor kritisiert, Trump habe sich mit seiner jüngsten Twitter-Attacke in eine Frontstellung zu Deutschland gebracht. "Donald Trump macht mit seinem Tweet klar, dass er Deutschland für einen politischen Gegner hält", sagte Oppermann. "Das ist eine neue Lage."

Trump wirft Deutschland seit dem Wahlkampf vor, sich mit unfairen Handelspraktiken ein Übergewicht im Handel mit den USA verschafft zu haben. Beim Nato-Gipfel in der vergangenen Woche hatte er zudem seine Kritik bekräftigt, dass die meisten Nato-Partner nicht genügend für ihre Verteidigung ausgeben.

Merkel betonte am Dienstag die "überragende" Bedeutung der transatlantischen Beziehungen. Gleichzeitig wies sie den Verdacht zurück, Deutschland und die EU könnten sich nun von den USA abwenden und sich mehr um asiatische Partner wie China und Indien kümmern. In Berlin fanden am Dienstag die dritten deutsch-indischen Regierungskonsultationen statt. (APA, 30.5.2017)

  • Donald Trump mit Angela Merkel bei ihrem Besuch im Weißen Haus.
    foto: ap/evan vucci

    Donald Trump mit Angela Merkel bei ihrem Besuch im Weißen Haus.

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