Österreicher trennten 2016 eine Million Tonnen Müll

30. Mai 2017, 12:43
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Gesamtmenge auf Niveau des Vorjahres

Wien – Die österreichischen Haushalte haben im vergangenen Jahr 1,06 Mio. Tonnen Verpackungen und Altpapier gesammelt. "Das sind 113 kg pro Kopf, etwas weniger als im Jahr davor auf Grund des Bevölkerungswachstums", berichtete der Vorstand der Altstoff Recycling Austria, Christoph Scharff, am Dienstag in Wien. Spitzenreiter in Österreich sind die Vorarlberger mit einer Sammelmenge von 149 kg pro Kopf.

Anfang 2015 sei in Österreich der Markt für die Verpackungssammlung im Haushaltsbereich geöffnet worden, und "diese Marktöffnung war erfolgreich", sagte Scharff. Messbar sei das sowohl am Ausbaugrad des Sammelsystems, als auch an der Akzeptanz in der Bevölkerung, den Sammelmengen und der Finanzierung.

grafik: apa

2016 standen für die Sammlung von Verpackungen aus den Haushalten mehr als 1,78 Mio. Behälter zur Verfügung, um rund drei Prozent mehr als 2015. Auch die Sammlung mit dem Gelben Sack wurde ausgebaut: Ende 2016 konnten 1,62 Mio. Haushalte (2015: 1,55 Mio.) diese bequemere Form der getrennten Verpackungssammlung nutzen.

Nahezu lückenlose Zustimmung

"Warum machen wir das? Es gibt einen ganz klaren Zusammenhang zwischen der Bequemlichkeit des Sammelsystems und der Teilnahmebereitschaft in der Bevölkerung", sagte ARA-Vorstand Scharff. Die jüngste Befragung habe gezeigt: "96 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher finden die Mülltrennung sehr gut oder gut, das ist ein Wert, den wir davor noch nie haben messen können." 78 Prozent sagten, Mülltrennung sei für sie selbstverständlich geworden.

Durch die Marktöffnung hat die ARA Marktanteil und Umsatz verloren. "Wir haben insgesamt als ARA einen Marktanteil von 80 Prozent in Österreich unter den Sammel- und Verwertungssystemen", sagte Scharff. "Wir sammeln 734.000 Tonnen an Verpackungen aus Haushalten und Gewerbe." Davon seien nahezu 700.000 Tonnen verwertet worden – 90 Prozent stofflich und 10 Prozent als Ersatzbrennstoff in der Industrie um den Einsatz von Primärenergieträgern zu substituieren.

Sechs Konkurrenten

Nach der Marktöffnung steht die ARA im Wettbewerb mit fünf Konkurrenten. "Wir haben trotzdem einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent erreicht", sagte Co-Geschäftsführer Werner Knausz. Mit zusätzlichen Dienstleistungen und Produkten wolle man die Umsatz- und Ergebnisverluste bis 2018 wettmachen. "Wir haben drei Viertel dieses Weges bereits geschafft." Ein solches neues Produkt ist die im Mai 2017 gegründete Digido GmbH, die eine digitale Transportdaten-Plattform betreibt.

"Auch die Trittbrettfahrer-Quote ist ein starkes Indiz, dass die Ausrichtung der ARA gut funktioniert und es keine Anreize gibt, hier zu schummeln", sagte ARA-AufsichtsratsvorsitzenderAlfred Berger. "Der Anteil jener Verpackungsmenge am Markt, wo gewisse Produzenten sich aus ihrer Verantwortung herausgestohlen haben, also nicht dafür bezahlt haben, liegt seit 2014 bei 10 Prozent stabil", sagte Berger. Das sei ein viel besserer Wert als z.B. in Deutschland, wo der Anteil dieser Trittbrettfahrer bei rund 40 Prozent liege. "Damit ist die Finanzierung der getrennten Sammlung sichergestellt" – auch dank der guten Arbeit des Umweltministeriums, das den passenden rechtlichen Rahmen geschaffen habe.

Das EU-Parlament habe das "anspruchsvolle" Ziel vorgegeben, das im Jahr 2030 70 Prozent aller Siedlungsabfälle verwertet werden, gab Scharff einen Ausblick auf die Zukunft. Bei Verpackungen liege der Zielwert bei 80 Prozent und bei einzelnen Materialien bei 90 Prozent. Bei Papier und Glas sei man entspannt. "Bei Kunststoff und bei Aluminium haben wir eine richtige Herausforderung vor uns." Das seien die Zielvorgaben mit den bisherigen Mitteln nicht erreichbar, deshalb sei man seit einigen Jahren mit dem Christian Doppler-Labor an der TU Wien in der Grundlagenforschung engagiert. (APA, 30.5.2017)

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