Mieten seit 2012 um 14,3 Prozent gestiegen

Video30. Mai 2017, 15:43
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Besonders teuer kommt das Wohnen jene, die ihren Mietvertrag erst vor kurzem unterzeichnet haben

Viele Mieter klagen über steigende Wohnkosten – und die Zahlen geben ihnen recht: Zwischen 2012 und 2016 sind die Bruttomieten in Österreich um durchschnittlich 14,3 Prozent gestiegen – die allgemeine Teuerung lag in diesem Zeitraum nur bei knapp sieben Prozent. Allein von 2015 auf 2016 stiegen die Mieten inklusive Betriebskosten um 3,2 Prozent. Das geht aus den am Dienstag präsentierten Zahlen der Mikrozensus-Wohnungserhebung der Statistik Austria hervor, für die pro Quartal 20.000 Haushalte befragt werden.

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Im privaten Bereich stiegen die Mieten inklusive Betriebskosten mit 15,7 Prozent am stärksten. Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen wurden um nur 11,6 Prozent teurer. Die österreichweite Durchschnittsmiete inklusive Betriebskosten liegt aktuell bei 7,4 Euro pro Quadratmeter über alle Segmente. Wobei es große regionale Unterschiede gibt: Besonders viel müssen Mieter im Westen zahlen – in Salzburg neun Euro pro Quadratmeter, in Tirol und Vorarlberg 8,3 Euro. Am günstigsten steigt man mit 5,5 Euro im Burgenland aus. In Wien werden im Schnitt 7,7 Euro bezahlt.

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Besonders teuer ist Wohnen aber für jene, die vor weniger als zwei Jahren einen neuen Vertrag unterzeichnet haben: Bei Neuverträgen werden derzeit im freifinanzierten Bereich österreichweit im Schnitt 9,9 Euro pro Quadratmeter gezahlt. "Das sind eher die Preise, die Sie finden, wenn Sie jetzt eine Wohnung suchen", so Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer. Alteingesessene, die schon seit 30 Jahren oder länger mieten, zahlen dafür nur fünf Euro Bruttomiete.

Immer weniger Kategorie D

Das ist laut Vlasta Zucha von der Statistik Austria wohl auf nichtindexierte Wohnungen zurückzuführen. Hier sei spannend, wie die Eintrittsrechte in Zukunft geregelt werden – dabei handelt es sich auch um einen der großen Knackpunkte in Sachen Mietrechtsreform.

Auch die Gemeindegröße beeinflusst die Wohnkosten, wie Pesendorfer erklärte: In Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern liegen die Mieten inklusive Betriebskosten bei Neuvermietungen bei 7,4 Euro pro Quadratmeter, in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern liegen sie bei zehn Euro. Auch die Ausstattungskategorie entscheidet über die Miethöhe – wobei laut Zucha der Anteil der günstigeren Wohnungen der Kategorien B, C oder D sukzessive sinkt und aktuell nur noch bei unter acht Prozent liegt.

Drastisch angestiegen ist dafür die Anzahl der befristeten Mietverträge: Während es im Gemeinde- und Genossenschaftssegment in der Regel keine Befristungen gibt, sind im privaten Mietbereich laut Statistik Austria heute vier von zehn Hauptmietwohnungen befristet. Seit 2006 hat sich die Zahl demnach verdoppelt.

Internationale Vergleiche zu Miethöhen sind laut Experten schwierig, weil sich die Märkte stark unterscheiden. Laut Zahlen von EU-Silc liegt Österreich im Mittelfeld: Hierzulande geben Personen in Privathaushalten im Durchschnitt 14 Prozent des Haushaltseinkommens für Wohnen aus. Das sei insofern bemerkenswert, meinte Zucha, weil die Mietquote in Österreich mit 43 Prozent sehr hoch ist.

Zu hohe Altbaumieten

Zu Empfehlungen an die Politik will man sich bei der Statistik Austria nicht hinreißen lassen. Der preisdämpfende Effekt der Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen zeige sich aber, so Pesendorfer: "Wenn man die Preissteigerungen im geförderten mit denen im privaten Bereich vergleicht, ist da ein deutlicher Unterschied."

Was von den Statistikern nicht erhoben wird, ist, ob die Befragten in Altbauwohnungen wohnen, die dem Richtwertsystem unterliegen – und wie viele davon eine zu hohe Miete bezahlen. Diesem Thema haben sich Mieterschutzorganisationen verschrieben: Die Mietervereinigung Oberösterreich veranstaltet derzeit etwa eine Mietzinswoche, in der auch Nichtmitglieder ihre Altbaumiete gratis überprüfen lassen können. "90 Prozent aller Mieten in Altbauwohnungen sind zu hoch", ist man dort überzeugt. Auch die Arbeiterkammer forderte am Dienstag eine Entlastung der Mieter – und einmal mehr ein einheitliches Mietrecht. Dass es damit vor den Wahlen noch etwas wird, wird in der Branche aber bezweifelt. (Franziska Zoidl, 30.5.2017)

  • Wohnen ist ein Grundbedürfnis – und für viele Mieter auch ein zunehmendes Ärgernis: Im privaten Bereich haben die Befristungen in den letzten Jahren stark zugenommen.
    foto: apa/georg hochmuth

    Wohnen ist ein Grundbedürfnis – und für viele Mieter auch ein zunehmendes Ärgernis: Im privaten Bereich haben die Befristungen in den letzten Jahren stark zugenommen.

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