Impfen: Herdenschutz, Beratung, Pflicht

User-Diskussion31. Mai 2017, 09:00
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Wie handhaben Sie das Impfen bei Ihrem Kind, und wie gehen Sie mit anderen Meinungen bei diesem Thema um?

Masern ist eine harmlose Kinderkrankheit, hört man immer wieder. Von wegen. Neben der Gefahr einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) – einer Entzündung des Gehirns, die in der Regel tödlich endet – können Masern zu einer längerfristigen Immunschwäche gegenüber anderen Erkrankungen führen. Aus diesem Grund sprechen sich Experten für eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent bei der MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) aus. Diese Durchimpfungsrate ist notwendig, damit Personen, die nicht geimpft werden können, wie zum Beispiel Säuglinge und Menschen mit Immunsuppression, vom sogenannten Herdenschutz profitieren können.

Die Durchimpfungsrate in Österreich liegt aber darunter, wie die Zahlen zeigen. "Wir haben eine 92-prozentige Durchimpfungsrate bei den Zwei- bis Fünfjährigen. Aber nur 82 Prozent haben die notwendige zweite Impfung erhalten", sagt der Wiener Impfspezialist und Tropenmediziner Herwig Kollaritsch. 78 Masernfälle wurden in Österreich von Jahresbeginn bis Mitte Mai gemeldet.

Von der Impfberatung bis zur Impfpflicht

Eine verpflichtende Impfberatung könnte die Impfrate erhöhen. In Deutschland ist das Impfgespräch seit zwei Jahren Pflicht, eine Verweigerung kann mit einem Bußgeld von 2.500 Euro geahndet werden. In Österreich wird im Zuge der Erneuerung des Mutter-Kind-Passes eine verpflichtende Impfberatung angedacht. Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner spricht sich im STANDARD-Interview gegen eine generelle Impfpflicht aus, sieht aber in einem Impfnachweis für Masern für öffentliche Kindergärten und Schulen eine Möglichkeit, die Impfmoral zu erhöhen.

Die Impfmüdigkeit scheint ein europaweites Phänomen zu sein. 1.524 Masern-Erkrankungen wurden in 14 EU-Mitgliedsländern und Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums in den ersten zwei Monaten diesen Jahres verzeichnet. Als in Portugal eine 17-Jährige an den Folgen einer Masern-Erkrankung starb, forderten mehr als zehntausend Portugiesen vom Gesundheitsministerium die Einführung von Pflichtimpfungen gegen Masern. Italien hat diesen Schritt gesetzt, nachdem die Gesundheitsbehörden bis Mitte Mai 2.395 Masern-Erkrankungen registriert hatten.

Welche Impfungen haben Ihre Kinder erhalten?

Warum lassen sich Eltern verunsichern und impfen nicht mehr? Was wäre eine geeignete Maßnahme, um die Impfraten zu steigern? Wie gehen Sie mit Impf-Diskussionen in Ihrem Bekanntenkreis um? (Judith Handlbauer, 31.5.2017)

  • Setzen Sie den empfohlenen Impfplan bei Ihrem Kind um?
    foto: ap/rudi blaha

    Setzen Sie den empfohlenen Impfplan bei Ihrem Kind um?

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