Überraschung: Geckos passen ihre Rufe an Umgebungslärm an

3. Juni 2017, 12:00
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Anders als bei Vögeln und Säugetieren ändert sich die Lautstärke zwar nicht, der Tokeh ruft bei Getöse dafür länger und produziert mehr laute Silbenanteile

Seewiesen – Nicht nur die menschliche Kommunikation wird vom sogenannten Lombard-Effekt erleichtert. Der Mechanismus, benannt nach dem französischen Forscher Étienne Lombard (1868–1920), ist auch bei anderen Säugetieren und Vögeln zu beobachten: Die Lautstärke wird an sich verändernde Umweltbedingungen angepasst – bei Hintergrundlärm wird sie erhöht. Der Lombard-Effekt wird oft auch von einer Zunahme der Lautdauer begleitet, wodurch sich diese besser von der Geräuschkulisse abheben.

Auch bei Reptilien gibt es einige Arten die über Laute kommunizieren, zum Beispiel der Tokeh (Gecko gecko), ein nachaktiver Gecko aus Südostasien. Aus seinem Repertoire sticht insbesondere ein Laut hervor, dem er auch seinen Namen verdankt: Auf mehrere schnatternde Rufe folgt ein "GECK-O". Nun haben Biologen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen untersucht, ob der Lombard-Effekt auch bei diesen Tieren nachgewiesen werden kann.

Andere Strategie

Für ihre Studie in den "Proceedings of the Royal Society B" spielten sie Tokehs Umgebungslärm von maximal 65 dB(A) vor, was ungefähr dem Geräuschpegel einer befahrenen Straße entspricht. Das Ergebnis: Die Tokehs verlängerten die Dauer ihrer Rufe: "GECK" um sieben Prozent, die O-Töne gar um 37 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe. Einen Lombard-Effekt haben die Forscher jedoch nicht nachgewiesen, die Amplitude der GECK-O-Rufe veränderte sich nicht in lauter Umgebung. "Die Studie zeigt, dass der Lombard-Effekt unabhängig voneinander bei Vögeln und Säugetieren entstanden ist", sagt Henrik Brumm, Erstautor der Studie.

Die Tokehs entwickelten jedoch eine andere Strategie, um die Lautstärke ihrer Rufe zu erhöhen: Sie produzierten bei Umgebungslärm mehrmals hintereinander den lauten GECK-O-Ruf und weniger oft die leiseren, schnatternden Laute. "Wir denken, dass die Notwendigkeit, dass ausgesendete Signale auch ankommen, die treibende Kraft ist für die Evolution eines Kommunikationssystems, ganz unabhängig von der Tiergruppe", sagt Sue Anne Zollinger, Koautorin der Studie.

Der Ruf der Tokehs erfüllt zwei wichtige Funktionen: Damit versuchen Männchen, Partnerinnen anzulocken sowie ihr Revier gegen Rivalen zu verteidigen. Auch ohne Lombard-Effekt seien sie dabei flexibler als gedacht, resümieren die Forscher: Tokehs und vermutlich auch andere vokal kommunizierende Reptilien seien in der Lage, Rufe an die Umgebungsbedingungen anzupassen. (red, 3.6.2017)

  • Der Ruf des Tokehs soll Weibchen locken und Rivalen vertreiben – und fällt bei Hintergrundlärm hartnäckiger aus.
    foto: lehmann/max-planck-institut für ornithologie

    Der Ruf des Tokehs soll Weibchen locken und Rivalen vertreiben – und fällt bei Hintergrundlärm hartnäckiger aus.

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