Zentralbanken prüfen Kryptogeldausgabe, Antwort auf Bitcoin dauert

29. Mai 2017, 16:29
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Etliche Notenbanken haben Studien laufen

Wien – Weltweit forschen die Zentralbanken am Einsatz von Technologien und Infrastrukturen für virtuelle Währungen, also der Verfahren, die etwa auch der Netz-Währung Bitcoin zugrunde liegen. Als ein Vorreiter gilt die Bank of England, die für Studien intern die Ausgabe und Freischaltung von Hybridgeld simuliert. Für den Echtbetrieb mit Zentralbank-Kryptogeld dürfte es aber noch Jahre dauern.

"Die Antwort der Zentralbanken auf Bitcoin dauert nicht Monate, sondern noch Jahre", sagten Experten am Montag bei der Volkswirtschaftlichen Tagung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Wien. Bei der Tagung ging es um diese Weiterentwicklung im Zahlungsverkehr.

Die Notenbanken prüfen schon lang den Einsatz so genannter Blockchain-Technologien für den Zahlungsverkehr, meist mit den großen Geschäftsbanken zusammen. Bekannt wurde das Verfahren vor allem als Technik hinter der Digitalwährung Bitcoin. Bitcoins selbst werden nicht von Zentralbanken bzw. Geschäftsbanken geschaffen. Sie suchen nun eine eigene Antwort darauf, Pläne für eigenes digitales Zentralbankgeld anstelle von Banknoten und Münzen seien aber in einem sehr frühen Stadium.

Vielzahl an Fragen

Bevor Zentralbanken selbst virtuelles Geld ausgeben, sind laut OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny eine Vielzahl technischer, rechtlicher und vertraglicher Fragen, Sicherheits- und Transparenzthemen, aber auch die Preisgestaltung abzuklären. Bitcoin indes hält Nowotny für absolut intransparent, ein System ohne Kontrolle.

Aufsichtsrechtlich ist der Ersatz von Bargeld durch Cyber-Geld a la Bitcoin & Co bisher ein Problem. "Wer kontrolliert den Rechner?", wird etwa für Vizegouverneur Andreas Ittner eine entscheidende Angelegenheit.

Solange Rechner in China oder Venezuela stehen, weil dort der Strom billig sei, sehen Notenbanker in Europa bisherige Netz-Währungen skeptisch. Bitcoin habe auch "nichts mit Geld zu tun", sagte ein Wiener Notenbanker am Montag. Es sei pure Spekulation, habe Sicherheitslücken, sei anfällig für Hacker und Phishing und durchaus oft letztes Vehikel von Leuten, die legales Geld aus gutem Grund scheuten. Vor wenigen Wochen bekam Bitcoin noch den Geruch einer Erpresserwährung ab, als Hacker nach groß angelegten Cyber-Attacken von ihren Opfern Bitcoin verlangten. (APA, 29.5.2017)

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