Zwei neue Riesenkuglerarten auf Madagaskar entdeckt

2. Juni 2017, 07:00
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Die Tausendfüßer mit enormem Größenunterschied gelten als gefährdet

Bonn – Sie muten an wie Zeugen längst vergangener Zeiten – und tatsächliche haben sich die Riesenkugler über die Jahrmillionen kaum verändert: Diese Tausendfüßer rollen sich damals wie heute bei Gefahr zu einer gepanzerten Kugel zusammen, an der Fressfeinde scheitern. Nun haben Wissenschafter zwei neue Arten dieser urtümlichen Gliederfüßer aus Madagaskar im Fachblatt "Zootaxa" beschrieben.

Die Wissenschafter von der Universität Bonn und dem Leibniz Institut für Biodiversität in Bonn entdeckten die Arten in einem abgelegenen Wald namens Bemanevika im Norden Madagaskars. Das Gebiet von Bemanevika besteht aus isolierten kleinen Waldfragmenten die von einer Steppenlandschaft umgeben sind, sowie aus fünf Kraterseen. Einer dieser Kraterseen ist auch das letzte Refugium der seltensten Ente der Welt, der Madagaskar-Moorente, die erst 2006 wiederentdeckt wurde, nachdem sie bereits als ausgestorben gegolten hatte.

Rote Liste

Von den bislang unbekannten Riesenkuglerarten wurden nur wenige Exemplare gefunden – sie wurden in die "Rote Liste" der International Union for Conservation of Nature (IUCN) aufgenommen. Um die Tiere bei der Untersuchung nicht zu verletzen, wurden sie mit Hilfe von Mikro-CT Scans untersucht. Bei einer der Spezies, Zoosphaerium bemanevika (Bemanevikas Kugeltier), waren die Männchen im Vergleich zu den Weibchen so klein, dass eine genetische Untersuchung notwendig war, um sie der gleichen Art zuzuordnen. Die Weibchen sind zusammengerollt etwas größer als ein Golfball, während die Männchen nur die Größe einer Murmel erreichen.

Die zweite Art, Zoosphaerium minutus (Kleines Kugeltier), ist überhaupt sehr viel kleiner als andere Riesenkuglerarten. Sowohl die Männchen als auch die Weibchen erreichen nur die Größe einer Erbse. Beide Arten sind nicht näher miteinander verwandt, obwohl sie in der selben Region leben. Genetische Analyse zeigten, dass ihre nächsten Verwandten mehr als hundert Kilometer entfernt auf dem Marojejy-Berg beziehungsweise an der Ostküste Madagaskars zu finden sind. (red, 2.6.2017)

  • Weibchen der neu beschriebenen Art Zoosphaerium bemanevika.
    foto: thorsten klug

    Weibchen der neu beschriebenen Art Zoosphaerium bemanevika.

  • In diesem Habitat im Norden Madagaskars wurden die Spezies entdeckt.
    foto: achille p. raselimanana

    In diesem Habitat im Norden Madagaskars wurden die Spezies entdeckt.

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