Frauen schlechter bezahlt: Google will Gehaltsdaten nicht liefern

29. Mai 2017, 13:10
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Aufwand zur Aufarbeitung laut Konzern zu hoch – US-Arbeitsministerium will ältere Daten, um Diskriminierungsvorwurf zu prüfen

IT-Riese Google soll in den USA Frauen systematisch unterbezahlt und somit massiv gegen Gleichstellungsgesetze verstoßen haben. Diesen Vorwurf erhebt und untersucht das US-Arbeitsministerium seit einiger Zeit im Rahmen eines Prozesses.

Die Behörde fordert vom IT-Riesen die Herausgabe älterer Gehaltsdaten. Dabei stößt man nun allerdings auf Probleme. Der Konzern argumentierte nun am letzten Anhörungstag vor Gericht, dass die Aufarbeitung der Dokumente zu kompliziert und teuer sei, schreibt der Guardian.

2.300 Arbeitsstunden

Man habe bereits knapp 500.000 Dollar und 2.300 Arbeitsstunden aufgewendet und auch die Hilfe eines externen Unternehmens benötigt, um "dem Großteil" der bisherigen Forderungen des Ministeriums teilweise nachzukommen. Dazu habe man Spezialisten aus verschiedenen Teams abgezogen, um eigene Systeme zu schaffen, die nur diesem Zwecke gewidmet seien.

Ursprünglich hatten die Beamten einen Auszug der Gehaltsdaten aus 2015 untersucht und war dabei auf Ungereimtheiten gestoßen. Zur weiteren Untersuchung forderte man Google auf, frühere Daten und Kontaktinformationen von Mitarbeitern für vertrauliche Befragungen zu liefern. Es gehe darum, die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen im Konzern besser zu verstehen.

Aufwand zu hoch

Google sieht die Forderungen als Verletzung des vierten Verfassungszusatzes, der Bürger unter anderem vor "willkürlichen Durchsuchungen" schützen soll. Den Vorwurf, Frauen beim Gehalt zu benachteiligen, streitet man vehement ab. Vielmehr habe man weltweit den "Gender Gap" geschlossen und sichere in den USA auch gleiche Bezahlung unabhängig vom ethnischen Hintergrund.

Um dem Department of Labor die geforderten Daten liefern zu können, müsse man weitere 500 Arbeitsstunden und 100.000 Dollar aufwenden. Der Aufwand sei finanziell und logistisch schlicht zu aufwendig, so das Unternehmen.

Wie ein Tropfen auf den Küchenschwamm

Die Behörde hat auf das Argument mit einer scharfen Entgegnung reagiert. Google sei eine der profitabelsten Firmen in den USA und erwirtschafte 28 Milliarden Dollar jährlich, heißt es von Staatsanwalt Ian Eliasoph. Diese Kosten "könne man so einfach absorbieren, wie ein trockener Küchenschwamm einen einzelnen Tropfen Wasser."

Zudem gestand Frank Wagner, der die Gehaltsabteilung bei Google leitet, ein, dass eine Ungleichbezahlung einer weiblichen Angestellten aufrecht bleiben könne, selbst wenn sie und ein männlicher Kollege am selben Posten im ersten Jahr hervorragend arbeiten und bei der Evaluierung die gleiche Bewertung erhalten. Er betonte allerdings, dass sich die ihre Gehälter auf Dauer wohl angleichen würden.

Staatsanwalt empört

Eliasoph bezeichnet das Verhalten von Google als "empörend", zumal bekannt sei, dass sich Gehaltsunterschiede am Anfang einer Karriere zu fortlaufender Ungleichheit in der Bezahlung entwickeln.

Googles Vorgehen sei, wie den Kopf in den Sand zu stecken, zumal das Unternehmen gleichzeitig lukrative Aufträge der Regierung erhalten und sich kürzlich erst damit gebrüstet hatte, 150 Millionen Dollar in Diversity-Initiativen zu stecken. Nur weil man ein großer Konzern mit komplexem Bezahlungsschema sei, könne man keine Ausnahmen von Antidiskriminierungs-Gesetzen verlangen.

Wiederkehrende Diskussion

Google ist nicht das einzige Unternehmen aus dem Silicon Valley, dem in den vergangenen Jahren vorgeworfen wurde, Frauen schlechter zu bezahlen. Immer wieder entflammt auch eine Debatte über das Arbeitsplatzklima in den Tech-Firmen. Zuletzt etwa, als eine ehemalige Mitarbeiterin von Uber von sexueller Belästigung und Untätigkeit der Personalabteilung berichtete. (red, 29.05.2017)

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