Schändung von de Gaulles Grab: Verdächtige gesucht

28. Mai 2017, 19:11
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Politischer Hintergrund fraglich

Lille – Nach der Schändung des Grabs des ehemaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle hat die Polizei am Sonntag nach zwei Verdächtigen gesucht. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft trat ein unbekannter Mann am Samstag auf dem Friedhof in Colombey-les-deux-Eglises südöstlich von Paris das Marmorkreuz auf dem Grab um.

Die Behörden suchten zudem eine Frau, die während der Tat in dessen Auto wartete. Laut Polizei wurde der Grabschänder bei seiner Tat von einer Überwachungskamera gefilmt. Die französische Regierung zeigte sich empört über die Tat am nationalen Tag des Widerstands gegen die Nazi-Besatzung. Die Ermittler erklärten, sie verfolgten bisher keine bestimmte Spur. Ein politisches Motiv erscheine aber wenig wahrscheinlich.

Wenige Minuten vor seiner Tat versuchte der Verdächtige demnach vergeblich, in einem nahegelegenen Geschäft Bonbons und eine französische Flagge zu stehlen, wurde aber von der Inhaberin bemerkt. Auf dem Friedhof stieg er dann auf die Grabplatte und trat das 1,50 Meter hohe Marmorkreuz um. Außerdem spuckte der Mann auf das Grab de Gaulles.

Laut Staatsanwaltschaft verließ der mit kurzer Hose und T-Shirt bekleidete Mann gleich danach den Friedhof und begab sich zu seinem davor geparkten Auto. Dort wartete die ebenfalls unbekannte Frau auf ihn, nach der die Ermittler nun ebenfalls fahndeten.

Der Bürgermeister von Colombey, Pascal Babouot, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es handle sich um einen "schwerwiegenden, allerdings keinen dramatischen" Vorfall. Er denke, dass es die Tat eines Verwirrten gewesen sei. Gleichwohl seien die Einwohner schockiert.

Die französische Regierung äußerte sich empört über die Schändung. Ministerpräsident Edouard Philippe schrieb in einer Kurzbotschaft auf Twitter, der "Akt von Vandalismus" sei eine "Tat gegen Frankreich". Staatschef Emmanuel Macron kündigte die umgehende Reparatur der Grabstätte an.

General de Gaulle hatte sich 1940 im britischen Exil an die Spitze des Freien Frankreichs gestellt, das gegen die Nazi-Besatzung kämpfte. 1958 gründete er die Fünfte Republik, von 1959 bis 1969 war er ihr Präsident. Gemeinsam mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) söhnte er Frankreich mit Deutschland aus.

De Gaulle starb 1970 kurz vor seinem 80. Geburtstag in Colombey-les-deux-Eglises, rund 150 Kilometer südöstlich von Paris. Auf dem Dorffriedhof liegt er neben seiner Frau Yvonne und seiner Tochter Anne begraben. Seine Grabstätte wird jährlich von rund 100.000 Menschen besucht.

Am 27. Mai wird in Frankreich an die erste Sitzung des Nationalen Widerstands-Rats 1943 gedacht. Im Auftrag de Gaulles wurden damit die verschiedenen Resistance-Gruppen vereint. Die Nationalversammlung hatte den 27. Mai im Jahr 2014 zum nationalen Gedenktag erklärt. (APA, 26.5.2017)

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